Ausgezeichnete Beiträge Die »Elektronik«-Artikel des Jahres

Das Erfolgsrezept der Elektronik lautet: Die Mischung macht‘s. Und das nicht nur bei den Themen, sondern auch in der Heft-struktur. Weniger als die Hälfte des Umfangs machen die redaktionellen Beiträge in den Rubriken „Wirtschaft“, „Technik + Trends“ sowie „Produkte“ aus, das Schwergewicht liegt bei den Artikeln, die von sachkundigen Autoren speziell für das Fachmagazin verfasst werden.

Die sorgfältige Bearbeitung dieser Beiträge ist übrigens eine der Hauptaufgaben eines Elektronik-Redakteurs, der dem Autor mit Rat und Tat zur Seite steht, um die schwierige Materie in der gewohnten Form in den Druck und auch in das elektroniknet zu bringen. Ohne die externen Autoren allerdings könnte es nicht gelingen, alle 14 Tage das Stammheft und darüber hinaus noch mehr als 20 Sonderhefte und Spezialausgaben mit interessanten Beiträgen zu füllen.

Aus diesem Grund hatte sich die Redaktion vor einigen Jahren entschlossen, parallel zur Wahl der „Produkte des Jahres“ drei „Artikel des Jahres“ zu wählen. Später kam noch eine vierte Auszeichnung hinzu, für einen Beitrag in der mittlerweile monatlich erscheinenden Schwesterzeitschrift Elektronik automotive. Hier die Preisträger des Jahres 2010 (in alphabetischer Reihenfolge): 

Dr. Jonny Dambrowski

Richtig mit Akkus umgehen Zustandsdiagnoseverfahren für Blei-Akkus in unterbrechungsfreien Stromversorgungen.

Die Arbeit eines Ingenieurs beginnt häufig damit, dass er überzeugt ist, etwas besser machen zu können. Angetrieben von dieser Idee, beschäftigt er sich dann intensiv mit der Thematik, bis er weiß, wie sich die angestrebte Verbesserung auch erreichen lässt.

Ein klassisches Beispiel für diese ingenieurgemäße Vorgehensweise ist die Entwicklung eines neuen Akku-Ladeverfahrens durch Dr. Dambrowski. Er wollte die Lebensdauer von Akkuzellen verbessern. Dabei erkannte er, dass die bisher gebräuchlichen Akku-Ladeverfahren die Zellen beim Laden schädigen. Um ein optimales Ladeverfahren zu entwickeln, beschäftigte er sich intensiv mit den chemischen Energiespeichern. Da die bisher angewendeten Modelle für Akku-Zellen sich als genauso schlecht erwiesen wie die Ladeverfahren, machte er sich an die Arbeit, eigene Modelle zu entwickeln.

Solche „Grundlagenforschung“ an Sekundärzellen erfordert spezielle Messtechnik und lange Testreihen. Die Arbeit hat sich gelohnt - in vielerlei Hinsicht. Dr. Dambrowski entwickelte ein Akku-Diagnoseverfahren - denn wer Akkus richtig laden will, der muss auch wissen, in welchem Zustand sich der Akku befindet - und ein neues Akku-Ladeverfahren: die adaptive Stromstufen-Ladetechnik. Lobenswerterweise hat er seine Ingenieursarbeit dokumentiert und daraus einen Fachaufsatz geschrieben, den er bei der Elektronik einreichte. Beim Schreiben ging Dr. Dambrowski genauso gründlich an die Arbeit wie beim Entwickeln. 

Klaus Dembowski

Sensornetze mit energiesparender Funktechnik. Messwerte mit geringem Energieeinsatz erfassen und übertragen.

Zur täglichen Arbeit eines Ingenieurs gehört auch, dass er sich mit den Produkten von Zulieferern beschäftigt, um zu wissen, wie sie sinnvoll angewendet werden können. Hier kommen Ur-Instinkte des Menschen zu Ehren: Neugier und Spieltrieb. Dinge austesten - bis an ihre Grenzen.

Eine derartige Arbeit hat Klaus Dembowski vom Institut für Mikrosystemtechnik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg gemacht. Er hat sich energiesparende Funkmodule für Sensornetzwerke vorgenommen und damit „rumgespielt“. Seine dabei gewonnenen Erkenntnisse gehen über das hinaus, was die Hersteller in Datenblättern und Applikationsschriften preisgeben. Herr Dembowski hat alles Relevante in einen Fachaufsatz gepackt. Für die sauber dokumentierten Ergebnisse seines „Spieltriebs“ erhielt Klaus Dembowski nun die Auszeichnung zum „Autor des Jahres 2010“. 

Stefan Hoppe

Oberflächliches. Silverlight und Multitouch: Windows 7 hat die Technik für eine neue Generation von Bedienoberflächen an Bord.

Stefan Hoppe beschreibt in seinem Beitrag die Silverlight-Technologie, die Microsoft für den Entwurf und die Programmierung neuartiger Benutzeroberflächen entwickelt hat. Zur Erklärung kurz so viel: Mit Silverlight lassen sich 3D-Benutzeroberflächen mit so genannten Karussells, Touch-Screen-Bedienung und Gestenerkennung bauen. Für den Entwicklungsprozess ist wichtig, dass Programmlogik und Oberflächendesign streng getrennt sind. Ein Grafikdesigner kann also auch nachträglich noch die Oberfläche verändern, ohne dafür einen Programmierer zu bemühen.

Autor Stefan Hoppe geht bei seinem Artikel - ganz im Gegensatz zum Titel - ganz und gar nicht oberflächlich vor, sondern skizziert zunächst das theoretische Fundament und berichtet dann aus seiner Beschäftigung mit Silverlight, wie der Einstieg am besten gelingt. Außerdem baut er durch den Vergleich mit den bisherigen Werkzeugen und Programmiermodellen dem Leser eine Brücke zu seinem eigenen Erfahrungshorizont. Ein Artikel, der mustergültig eine Einführung in eine neue Technik zeigt! 

Harald Schöpp

Jenseits des Horizonts. MOST als Vernetzungsinfrastruktur für verschiedene Fahrzeugdomänen.  

Der Artikel von Harald Schöpp, den er für die Sonderausgabe MOST der Elektronik automotive verfasst hat, sticht aus den typischen Beiträgen für die Ausgaben unseres Fachmagazins heraus. Der Autor erläutert hier nämlich nicht einen technischen Sachverhalt, sondern er beschreibt ein Szenario, in dem die Nutzbarkeit des speziell für die Vernetzung der Multimedia-Geräte im Automobil entwickelten optischen Systembusses MOST als Sensor-Netzwerk für künftige Fahrerassistenz-Systeme dargelegt wird.

Bei seiner Entwicklung eines Szenarios der Vernetzung von Sensoren und Steuergeräten für die Realisierung eines weitgehend autonomen Fahrerassistenzsystems gelingt es dem Autor, nicht nur die technischen Grundlagen von MOST auf verständliche Weise darzustellen, sondern in der Erläuterung der künftigen Anforderungen Eigenschaften des Systems darzustellen, die in den funktionalen Beschreibungen nur selten Erwähnung finden. Der Ansatz einer konkreten Schilderung eines Zukunftsszenarios, den Harald Schöpp hier gefunden hat, gibt ein Beispiel für die kreative Gestaltung von Übersichtsartikeln zu eigentlich bekannten Technologien, Standards und Systemen. 

Die Elektronik-Redaktion gratuliert an dieser Stelle den Autoren nochmals zur Auszeichnung ihrer Beiträge. Mit der Ehrung soll nicht zuletzt den Lesern der Elektronik ein Anstoß gegeben werden, aus ihrem Fachgebiet einen Übersichtsartikel zu verfassen, eine interessante Entwicklung zu dokumentieren oder auch einen Bericht über allgemeine Aspekte der Profes- sion (Patentwesen, berufliche Fragen etc.) zu beleuchten.