ARM TechCon 2014 Cortex-M7: Was kommt von Atmel und Freescale?

Auf große Resonanz stieß unsere Analyse des neuen ARM Cortex-M7 und des STM32F7. Viele Leser fragten, was ist eigentlich mit Atmel und Freescale? Wir versuchten, die Frage zu klären.

Wie immer hat ARM auch den Cortex-M7 mit drei Partner entwickelt. Neben ST Microelectronics waren dies Atmel und Freescale.

Nur ST konnte jedoch zum Vorstellungszeitpunkt am 24. September auch eine reale Mikrocontroller-Familie mit Cortex-M7 vorstellen, den STM32F7.

Auf der Entwicklerkonferenz TechCon bat ARM nun alle drei Entwicklungspartner auf die Bühne, um den Cortex-M7 in den höchsten Tönen zu loben - die ideale Gelegenheit, mal nachzufragen, wann denn Atmel und Freescale planen, entsprechende Produkte vorzustellen und verfügbar zu machen.

Neben STs Produktmanager Renauld Bouzereau kamen auch Atmels Pat Sullivan, VP Marketing für MCU-Produkte und Steve Tateosian, Direktor für MCU-Plattformen bei Freescale, zu Wort.

Während Bouzereau mehrfach betonte, dass ST als einziger ARM-Lizenznehmer bereits reales Silizium hat (wir konnten in München bereits am 22.9. eine Demo auf einem Entwicklungsboard mit einem Muster-Chip sehen), mussten sich seine Kollegen darauf beschränken, die Eigenschaften des Cortex-M7 zu loben.

Wir haben daher beide konkret gefragt, was in der Pipeline ist und wann wir erste Produkte für welche Märkte sehen werden.

Während Sullivan wenigstens in Aussicht stellte, dass Atmel zur Electronica-Messe "möglicherweise etwas sagen könnte" (was schon wage genug ist), beschränkte sich Tateosian auch bei mehrfachem Nachfragen darauf, gar nichts zu sagen.

Bekannt ist seit dem Freescale Technology Forum 2014, dass Freescale Kinetis-V-Derivate für Motorsteuerungs-Applikationen mit dem M7 plant, was ja jetzt, wo wir den M7 im Detail kennen, durchaus als sinnvoll angesehen werden kann - wann diese nun tatsächlich kommen, steht zumindest heute jedoch noch in den Sternen.

Dass Atmel zeitlich nicht ganz vorne dran ist, ist aus seiner Firmenhistorie nicht verwunderlich: Weder bei Cortex-M4-Produkten noch bei seinen Cortex-A5-basierenden Chips hatte man offenbar einen entsprechenden Leidensdruck und ließ erst mal die anderen Hersteller ran.

Etwas überraschender ist das ganze bei Freescale, das mit Kinetis die ersten M4- und M0+-basierenden Produkte überhaupt vorgestellt hatte. Man konnte in Santa Clara das Gerücht aufschnappen, angeblich sei man anders als ST, dass den STM32F7 in seinem bereits seit langem in Massenproduktion  bewährten 90-nm-Prozess baut, aggressiv direkt auf eine 40-nm-Fertigung gegangen und damit in technische Probleme gelaufen, die zu der Verzögerung geführt hätten. Dafür gibt es allerdings keinerlei offizielle Bestätigung, Freescale selbst äußerte sich auch auf diesbezügliche Fragen überhaupt nicht.

So sind wir auch nach der Paneldiskussion nicht wesentlich schlauer als vorher - Bouzereau genoss seinen Auftritt sichtlich und vergaß auch nicht, auf die reale STM32F7-Demo am ST-Stand in der Ausstellungshalle hinzuweisen, während seine Kollegen die Rolle von ARM einnehmen und sich darauf beschränkten mussten, den M7-Core als solches zu loben - eine sichtlich unangenehme Aufgabe, bei der sich beide Herren allerdings so gut es unter diesen Umständen ging, verkauften.

Warten wir ab, was die Electronica im November für Neuigkeiten bereithält - der Cortex-M7 wird uns ja zukünftig noch lange begleiten.