International Electronics Forum 2013: Chip-Markt soll 2014 um 25 Prozent wachsen

Malcolm Penn, CEO von Future Horizons: "Die Fertigungskapazität für Oktober 2014 ist bereits jetzt in Stein gemeißelt."
Malcolm Penn, CEO von Future Horizons: "Die Fertigungskapazität für Oktober 2014 ist bereits jetzt in Stein gemeißelt."

Wenn es nach Malcolm Penn von Future Horizons geht, dann soll der weltweite Halbleitermarkt 2014 um unglaubliche 25 Prozent wachsen. Die Ursache dafür sieht der britische Marktforscher allerdings nicht in einem Anstieg der Stückzahlen, sondern in einem massiven Unter-Investment in Fertigungskapazität, was die Preise in die Höhe schießen lässt.

Der britische Marktforscher Malcolm Penn von Future Horizons hat auf seinem International Electronics Forum 2013 in Dublin die Situation in der globalen Halbleiterindustrie analysiert. Die Industrie sei in einem Sparmodus und ihr fehle das Vertrauen in die Zukunft. Seit längerer Zeit greife das Motto „warten wir auf das nächste Quartal“ um sich, so dass vor 2014 mit keinen nennenswerten Aktionen zu rechnen sei. Penn ist aber überzeugt, dass wenn die Zuversicht zurückkehrt, sich auch der Halbleitermarkt erholen wird. Die rhetorische Frage, „Was ist zu tun?“, beantwortet er mit: „Nichts, ist keine Antwort“, und er hat Recht damit. Untätigkeit heute rächt sich mit verlorenen Märkten morgen. „Verschwende niemals eine gute Krise“, mahnte Penn.

Penn liebt es drastisch und so vertraut er bei seinen Marktbetrachtungen seinen vier „apokalyptischen Reitern“:
1. die Wirtschaft,
2. die Chip-Nachfrage,
3. die Halbleiterfertigungskapazitäten und
4. der durchschnittliche Chip-Verkaufspreis.

Die Weltwirtschaft wuchs 2012 nur 3,3% (Bruttoinlandsprodukt) und war gekennzeichnet von hohen Staatsschulden und unklaren Zukunftsaussichten. Dennoch treiben viele Langfristtrends die weitere Durchdringung aller Lebensbereiche mit Elektronik, von der Medizintechnik über die Elektromobilität bis hin zu erneuerbaren Energien. Die Chip-Nachfrage pendelt seit 30 Jahren um ein Wachstum von 10 bis 11 % pro Jahr und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Entwicklungen wie das Internet der Dinge werden auch weiterhin die Chip-Nachfrage treiben. Gleichzeitig sieht Penn geleerte Läger in der Lieferkette, so dass neue Chip-Lieferungen aus den Halbleiterfabriken kommen und nicht aus gefüllten Hochregalen. Bei den Fabrikkapazitäten sieht Penn derzeit keine Reserven mehr, die Kosteneinsparungen lassen die Halbleiterfertiger aus dem letzten Loch pfeifen, vor allem bei den fortschrittlichsten Prozessknoten. Die Investitionen in Fertigungsausrüstung heute bestimmen die Kapazitäten im dritten und vierten Quartal 2014. Kunden, die heute nicht ihre Chip-Orders an ihren steigenden Bedarf für die zweite Jahreshälfte 2014 anpassen, bekommen dann auch nicht mehr Chips als heute.

Der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP) hat sich über die letzten Jahrzehnte ebenfalls als konstant herausgestellt, zwei Dollar pro Chip oder neun Dollar pro cm2 auf dem Wafer. Allerdings ist das nur der langfristige Durchschnittswert. Der ASP macht ansonsten sämtliche Ausschläge von Angebot und Nachfrage mit. Falsches Timing wird mit Preisaufschlägen bestraft.

All diese Fakten führen dazu, dass Penn für 2014 ein Wachstum des globalen Halbleitermarktes um 25 % auf 389 Mrd. Dollar prognostiziert und das alles ohne dass nennenswert mehr Chips gefertigt werden. Der Investitionsgeiz von heute wird einerseits -- pädagogischen Grundsätzen völlig zuwiderlaufend -- mit Preissteigerungen belohnt. Doch derjenige der rechtzeitig investiert hat, wird andererseits auch überproportional von Preissteigerungen profitieren.

Penn sieht seine Prognose übrigens noch als konservativ an, bei den Ausschlägen nach oben könnte noch erheblich mehr drin sein.