Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2020 China kratzt an der Spitze, Europa gewinnt durch Konsolidierung

Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2020
Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2020

Einmal im Jahr publiziert der ZVEI-Fachverband »Electronic Components and Systems« seine Mikroelektronik-Trendanalyse, die den Halbleitermarkt auf nationaler und internationaler Ebene gründlich durchleuchtet. Welche Verschiebungen gibt es im Markt und was kommt auf die Halbleiterindustrie zu?

Dr. Ulrich Schäfer, Marktexperte Mikroelektronik beim ZVEI-Fachverband "Electronic Components and Systems", analysierte auf einer Presseveranstaltung in München zunächst den aktuellen Halbleitermarkt und stellte vier langfristige Trends fest:

1)      Die Halbleiterindustrie ist eine reife Industrie geworden, deren mittlere Wachstumsraten von 15 % p.a. bis 2000 nach einer Übergangsphase bis 2010 auf 6 % eingeschwenkt sind. Nach einem guten Wachstum 2013 und 2014 gab 2015 das Volumen des Weltmarkts um 0,2 % auf 336 Mrd. Dollar leicht nach.

2)      Die Halbleiter-Stückzahlen kletterten seit den 1980er Jahren jährlich im Durchschnitt um 9 %, wobei 2012 die Stückzahlentwicklung einen leichten Versatz der Kurve nach unten verkraften musste. Aber der grundlegende Trend von 9 % bleibt. Von 1995 auf 2015 erhöhte sich der IC-Verbrauch pro Kopf der Weltbevölkerung von 8 ICs auf 30 ICs.

3)      Die Mikroelektronik-Industrie eilt mit guter Korrelation (0,68) dem realen weltweiten Bruttoinlandsprodukt um etwa sechs Wochen voraus.

4)      Die regionale Verschiebung setzt sich weiter fort. Die Region Asien/Pazifik kommt 2015 auf einen Marktanteil von 60 %, davon knapp die Hälfte entfällt allein auf China. Amerika konnte sich mit 20,5 %weitgehend behaupten und in den letzten Jahren leicht hinzugewinnen, während Europa und Japan Federn lassen mussten. Auch Deutschlands Anteil am Welthalbleitermarkt ist - insbesondere aufgrund von Wechselkurseffekten - von 4,4 auf 4,0 % zurückgefallen.

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Mikroelektronikmarkt 2015

Aktuelle Entwicklung des Mikroelektronikmarkts bis 2015.

Die größten Halbleitermärkte 2015 sind China mit 98,6 Mrd. Dollar und die USA mit 63,4 Mrd. Dollar. Korea mit 45,6 Mrd. Dollar hat sich vor dem Erzrivalen Japan mit 31,1 Mrd. Dollar fest etabliert. Deutschland folgt Singapur mit 20,3 Mrd. Dollar und Taiwan mit 19,7 Mrd. Dollar mit 13,3 Mrd. Dollar auf Platz 7.

Einen nicht zu unterschätzenden Effekt auf die Zahlen hatten die Währungsrelationen. Allein die Veränderung des Euro-Dollar-Wechselkurses verschiebt das Umsatzwachstum in Europa für 2015 von +9,4 % auf Eurobasis auf -8,5 % auf Dollarbasis.

Auch bei den Anwendungsbereichen der Halbleiter haben sich in den letzten 15 Jahren deutliche Verschiebungen ergeben. Auf weltweiter Basis konnten die Marktsegmente Automotive von 5,6 % aus 10,1 %, Industrie von 7,7 % auf 10,7 % und Kommunikation von 24,5 auf 37,3 % Marktanteil zulegen. Verlierer sind die Segmente Unterhaltungselektronik von 15,1 % auf 11,0% und Computer von 46,6 % auf 30,2 %. In Europa sind aktuell die stärksten Marktsegmente Automotive mit 29 %, Computer mit 24 % und Industrie mit 23 %. In China dominiert die Kommunikation mit 42 % und in Asien/Pazifik mit 37 %. In Deutschland konnte von 2000 bis 2015 das Segment Automotive um 117 % zulegen, gefolgt von der Industrie mit 59 %. Die Segmente Computer (--35 %), Konsumelektronik (--54 %) und Kommunikation waren in Deutschland stark rückläufig.