Weitere Subventionen in Fernost China fördert Chip-Industrie mit 5 Milliarden Dollar

Die chinesische Regierung hat einen 5 Mrd. Dollar umfassenden Fond zur Förderung der heimischen Halbleiter-Industrie aufgelegt. China betrachtet die Chip-Industrie wie auch Korea und Taiwan als strategisch wichtiges Segment der Wirtschaft.

Nach einem Bericht des "Wall Street Journals" wird der Fond, den Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie aufgelegt hat, seine Investitionen in Peking konzentrieren, um die heute in Foundries wie SMIC realisierte Chip-Produktion zu erhöhen und neue Einrichtungen für Chip-Design und Tests zu schaffen. Er wird auch Fusionen und Übernahmen unterstützen, um größere “Spieler am Markt” zu schaffen, erklärte das Ministerium .

Die Ankündigung kommt nur einen Monat nachdem Ma Xianghui, stellvertretender Büroleiter für Finanzangelegenheiten, gesagt hatte, dass China evaluiere, mit Ausgaben im Volumen von rund 100 Milliarden Yuan (16.3 Milliarden Euro) über einen unbestimmten Zeitraum einen nationalen Fonds für die Chip-Industrie zu unterstützen.

Der neue Fonds ist für einige ausländische Hersteller, die derzeit das Geschäft in China dominieren, besorgniserregend. "Wir kennen zwar noch nicht alle Details, es gibt jedoch Bedenken, dass diese staatlichen Mittel lokale chinesische Firmen begünstigen und ihnen Zutritt zum Markt verschaffen könnten", sagte Jimmy Goodrich , Direktor für globale Politik beim Information Technology Industry Council, einer Interessenvertretung und Lobby-Gruppe mit Sitz in Washington D.C., die Chip-Unternehmen wie Intel, Qualcomm, Samsung, Texas Instruments und Broadcom vertritt - europäische Hersteller sind nicht vertreten. Solche nationale Industriepolitik sei oft "nicht erfolgreich und marktverzerrend", fügte er hinzu.

China ist seit langem ein Nettoimporteur von Halbleitern, auch europäische Firmen wie NXP und Infineon liefern mittlerweile einen Großteil Ihrer Produkte nach China. Im Jahr 2012 verbrauchte China laut einem Bericht von PriceWaterhouseCoopers (PWC) Chips im Wert von 101.600.000.000 Dollar mehr, als es im Inland produziert.

Diese Lücke hat wiederholt dazu geführt, dass chinesische Politiker gefordert hatte, die inländische Halbleiterfertigung zu erhöhen. Im September hatte der chinesische Vize-Premier Ma Kai chinesische Technologieunternehmen gemahnt, größere Anstrengungen in Bezug auf die Mikrochip-Industrie des Landes zu leisten, die nach seinen Worten wichtig für das chinesische Wirtschaftswachstum und für den Ausbau der nationalen Sicherheit sei.

Die Meldung kommt in einer Zeit, in der insbesondere US-Unternehmen von Handels-Schwierigkeiten in China berichten, primär mit staatlichen Kunden. Der CEO vom Netzwerk-Infrastruktur-Hersteller Cisco, John Chambers, berichtete konkret von Verkaufsrückgängen u.a. als Reaktion auf die NSA-Spähaffäre.

Im vergangenen Monat wurden Untersuchungen der staatlichen Regierungsbehörde gegen Qualcomm wegen vermeintlichem Verstosses gegen das Antimonopolrecht bekannt. Qualcomm selbst bestreitet jede Art von Gesetzesverstössen. Qualcomms CEO Dr. Paul Jacobs hatte ebenso erwähnt, dass US-Beschränkungen für chinesische Unternehmen und die NSA-Überwachung Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit des Unternehmens in China hätten. Qualcomm hält laut Strategy Analytics im globalen Markt für Smartphone-Prozessoren im zweiten Quartal 2013 einen Anteil von 53%, bei LTE-Modem-Chips haben die Kalifornier quasi ein Monopol.

Obwohl Chinas Halbleiterindustrie offiziell schon länger als ein Jahrzehnt subventioniert wird, bleibt die chinesische Produktion hinter der internationale Konkurrenz sowohl quantitativ als auch qualitativ zurück. Ausländische Halbleiterunternehmen haben stets darauf geachtet, ihre modernsten Fabs nicht in China zu bauen. Das macht es schwieriger, erfahrene Ingenieure zu finden und hat auch dazu beigetragen, einen direkten Technologietransfer, wie er in anderen Industriesektoren in China stattgefunden hat, zu vermeiden.

In der Vergangenheit hat China in einigen Fällen versucht, die Lücke über Unternehmenskäufe zu schließen: So wurde im Juli bekannt, daß das staatliche Unternehmen Tsinghua Unigroup die Spreadtrum Communications Inc. erwerben wird, Anfang Dezember wurde ein Abkommen unterschrieben, um den Wireless-Chip-Hersteller RDA Microelectronics zu kaufen.

Auf europäischer Ebene sollte die sogenannte “Electronics Leader Group” im Auftrag von EU-Kommissarin Neelie Kroes bis zum 16. Dezember ein Konzept vorlegen, wie sich die europäische Chip-Produktion bis zum Jahr 2020 auf ~20 % der Weltproduktion verdoppeln soll – Ergebnisse sind bis heute nicht bekannt geworden.