Automotive meets Electronics 2017 Autonomes Fahren im Fokus von ­Forschung und Entwicklung

Berthold Hellenthal von Audi wurde eingeladen, um einen Vortrag auf der AmE 2017 zu halten. Das Vortragsthema des Vorstandsmitglieds der GMM: «Anforderungen an zukünftige Elektronik für Fahrerassistenzsysteme».
Berthold Hellenthal von Audi wurde eingeladen, um einen Vortrag auf der AmE 2017 zu halten. Das Vortragsthema des Vorstandsmitglieds der GMM: «Anforderungen an zukünftige Elektronik für Fahrerassistenzsysteme».

Zum achten Mal traf sich in der Dortmunder Westfalenhalle internationales Fachpublikum anlässlich der »Automotive meets Electronics«, um über die jüngsten Entwicklungen in der Kfz-Elektronik zu diskutieren. Hauptthema wie im Vorjahr: das autonome Fahren und die dazu erforderlichen Assistenzsysteme.

„Im Programm der AmE 2017 spiegelt sich wider, was die Fahrzeugindustrie derzeit am meisten bewegt“, unterstrich Dr. Michael Wahl vom Institut für Mikro­systemtechnik an der Universität Siegen in seinem Vorwort zu der von der GMM veranstalteten Fachtagung. So zog sich das Thema ADAS (Advanced Driver Assistance Systems) wie ein roter Faden durch die technischen Vorträge. Andere Themen, die zur Sprache kamen, waren Antriebe, EMC sowie der Einsatz von GaN-Transistoren anstelle von CMOS-Transistoren.

Große Themen-Bandbreite

Der Frage, wann der Übergang von einem Versuchsfahrzeug zum Kundenfahrzeug erfolgen kann, widmeten sich Johannes Weise von der Rüsselsheimer ESG und Tanja Tiecke von Opel. Im Fokus ihres Vortrags standen Beschreibungen von Tests, die ein höchstmögliches Maß an Sicherheit für den Kunden gewährleisten sollen. Dazu gehören auch neue Anforderungen an die Cyber-Sicherheit sensibler Komponenten.

Dr. Nicole Behringer von Elektrobit Automotive aus Erlangen referierte über sensorbasierte Lernalgorithmen für das prädiktive Fahren. Sie verwies insbesondere auf die Bedeutung der aktuellsten Karten einschließlich Updates sowie die optimale Verwaltung dieser Daten.

Ein Kategorisierungsschema für den Informationsbedarf verbundener Assistenzsysteme wurde von Daniel Burgstahler vom Multimedia Communications Lab (KOM) der Technischen Universität Darmstadt vorgestellt. Zu Beginn seines Vortrags verwies Burgstahler auf die Vielzahl von Sensoren, die erforderlich sind, um den jeweiligen Zustand des Fahrzeugs wie auch dessen Umgebung zu erkennen. Dabei unterschied er die Bereiche Sicherheits-, Bewusstseins- und Informationszone, deren Anforderungen hinsichtlich der Informationsverbreitung unterschiedlich sind. Während die Kommunikationsmechanismen für den Sicherheitsbereich bereits ausführlich diskutiert worden seien, gebe es für die anderen Bereiche noch Nachholbedarf.

Hinter dem Kürzel Trace (Technology Readiness Process for Consumer Elec­tronics) verbirgt sich ein Projekt, an dem über 30 Partner aus Europa beteiligt sind – mit Robert Bosch aus Reutlingen als Leiter des Konsortiums und unter anderem BMW und der Universität Siegen als Projektpartner. Erklärtes Ziel von Trace ist es, neue Richtlinien zur Modifikation und Qualifikation von Konsumelektronik für den Einsatz in der Automobil- und Automatisierungselektronik zu entwickeln.

Das Projekt umfasst ein breites Spektrum von Methoden und Verfahren für Entwicklung, Verifikation und Tests, um für Konsumelektronik-Komponenten den Schritt zur Anwendung im Fahrzeug zu ermöglichen – ohne dabei unzulässige Risiken einzugehen. Ein weiteres vorgestelltes Projekt ist autoSWIFT, bei dem es um die Absicherung neuer Anforderungen durch eine Bewertung von Halbleitern geht. Durch eine engere Kooperation zwischen OEM, 1st Tier und 2nd Tier sollten Innovationen deutlich schneller in das Fahrzeug gebracht werden, wobei natürlich die Zuverlässigkeit über die gesamte Lebensdauer gewährleistet sein muss. Das Projekt mit elf Partnern wird vom BMBF gefördert.

Blackbox zum Datenabgleich

In einem Gemeinschaftsprojekt von Audi in Ingolstadt und der Universität der Bundeswehr in München wurde aufgezeigt, wie sich durch Elektromobilität und autonome Fahrzeuge neue Anforderungen für die im Auto verbauten elektronischen Komponenten und die damit verbundenen Halbleiter-Technologien ergeben.

Zu diesem Zweck wurde eine Technologie-Blackbox vorgestellt, welche die Anforderungen mit den Technologiedaten abgleicht. Ziel ist es, frühzeitig Zuverlässigkeitsrisiken zu erkennen und auf diese Weise eine simultane Entwicklung entlang der Lieferkette sicherzustellen. Die eingeladenen Vorträge zur AmE 2017 beleuchteten drei unterschiedliche Aspekte, die beim autonomen Fahren eine essenzielle Rolle spielen.

So beschrieb Andreas Aal von VW den Übergang eines Fahrzeugs von einem mechanischen Gerät zu einem elektronischen Gadget, bei dem die Elektronik heute bereits bis zu 50 % der Wertschöpfung ausmacht. Mit diesem Wandel treten seinen Ausführungen zufolge neue Herausforderungen auf: Seien in der Vergangenheit Komponenten über viele Jahre verfügbar gewesen, so sei die Lieferdauer von mikroelektronischen Bauteilen künftig beschränkt.

Bereits während der Produktion eines Fahrzeugs müssten Steuergeräte eine Revision durchlaufen, weil Komponenten nicht mehr verfügbar seien, was zusätzliche Kosten erzeuge. Gleichzeitig verschärfe sich die Aufgabe, ein homogenes und sicheres System garantieren zu können. Es seien also neue Konzepte erforderlich. Berthold Hellenthal von Audi ergänzte den Vortrag, indem er sich auf die Fahrerassistenzsysteme und die Anforderungen konzentrierte, die an die Sicherheit dieser Systeme gestellt werden.