Spielekonsolen ARM ist drin, MIPS ist draußen

Das Marktforschungsunternehmen Semicast Research untersuchte den Spielkonsolenmarkt im Hinblick auf die verwendete Prozessorarchitektur. Das Ergebnis: In mobilen Konsolen hat ARM jetzt einen Marktanteil von 100 Prozent. Aber auch bei den stationären Spielekonsolen ist ARM auf dem Vormarsch und wird die Power-Architektur zukünftig auch in der Xbox ersetzen.

Als im Januar Sony die Spezifikationen für seine neue PSP-Konsole bekannt gab, war klar, dass es einen neuen Hauptprozessor geben wird, bei dem die MIPS-Architektur durch ARM ersetzt wird. Konkret kommt ein Cortex-A9 in einer Quad-Core-Ausführung zum Einsatz, zudem eine ebenfalls mit vier Cores ausgestattete Grafik-Engine PowerVX SGX543MP4+ von Imagination. Da Nitendo in der konkurrierenden Konsole DS bereits auf ARM setzt (133 MHz ARM946E-S and Coprozessor 33 MHz ARM7TDMI) und dies sich auch im Nachfolgegerät 3DS nicht ändern wird (2x266MHz ARM11), folgert Semicast Research hinsichtlich des „Spielstandes“ bei den mobilen Spielekonsolen: ARM 2, alle anderen 0.

Bei den stationären Konsolen gibt es derzeit Microsofts Xbox 360, Nintendos Wii und Sonys Playstation 3. Sony produziert auch noch die Playstation 2, von der im Jahr 2010 immerhin noch 5 Mio. Geräte verkauft wurden, deren Produktion 2012 aber vermutlich eingestellt wird.

Der Hauptprozessor aller drei Konsolen basiert auf der Power-Architektur, wobei Microsoft und Nintendo von IBM entwickelte Chips nutzen, während Sony die Cell-Broadband-Engine einsetzt. Die Playstation 2 nutzte hingegen noch einen MIPS-Prozessor, der von Toshiba entwickelt wurde, und die Ankündigung von Sony, bei der neuen PSP-Konsole auf ARM zu setzen, bedeutet, dass MIPS, als starker Anbieter im Konsumer-Bereich bekannt, aus allen Spielekonsolen ausdesignt wurde.

Der Verkauf von x86-basierten Prozessoren endete übrigens 2007, als Microsoft die Produktion der ersten Xbox einstellte. Semicast Research nimmt an, dass x86-Prozessoren auch zukünftig nicht mehr in derartigen Geräten zum Einsatz kommen werden, so dass sich eher die Frage stellt, ob ARM die Dominanz der Power-Architektur brechen kann.

Sony wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in der Playstation 4 auf die Cell-Broadband-Engine setzen, da man erst Ende 2010 die Fab in Nagasaki für angeblich rund 50 Mrd. Yen von Toshiba gekauft hat. Auch Nitendo wird laut Semicast für seine Wii-Konsole weiterhin auf Power-Chips von IBM setzen, so dass die Frage bezüglich der Xbox der nächsten Generation bleibt.

Nach der Ankündigung von Microsoft, dass Windows 8 neben x86 auch ARM-Prozessoren unterstützen wird, geht Semicast nicht nur davon aus, dass Microsoft ARM in der nächsten Xbox, sondern auch in allen anderen Geräten einsetzen wird. In dem Zune-Medien-Spieler HD wird z.B. schon seit längerem Nvidias Tegra-Prozessor, der auf der ARM-Architektur basiert, eingesetzt.

Mit seiner großen Erfahrung in der Grafikverarbeitung und seiner guten Beziehung zu Microsoft ist Nvidia laut Semicast ein „logischer Kandidat“ für die nächste Xbox. Darauf deutet auch Nvidias Entscheidung hin, eine ARM-Architekturlizenz zu erwerben, und im sogenannten „Projekt Denver“ integrierte Chips mit ARM-Cores und Nividia GPUs zu entwickeln. Durch die Fertigungspartnerschaft mit TSMC hat Nvidia zudem Zugriff auf Leading-Edge-Fertigungstechnologie.

So fragt Semicast Research zum Abschluß: „Spielt ARM zukünftig auch in Spielekonsolen?“