Interview mit CEO Simon Segars ARM-Chef will nach Mobilgeräten auch Embedded-Märkte aufrollen

ARMs CEO Simon Segars kann auf ein erfolgreiches Jahr 2013 zurückblicken.
ARMs CEO Simon Segars kann auf ein erfolgreiches Jahr 2013 und Q1 2014 zurückblicken.

Der Prozessor-Bauer ARM hat sich von der Entwicklung mancher seiner Lizenznehmer im positive Sinn abgekoppelt. Statt Schulden und Sparprogramme kennt ARM nur jährlich steigende Umsätze und Umsatzrenditen von mehr als 50 %. CEO Simon Segars will sich auf den Erfolgen jedoch nicht ausruhen und neue Geschäftsfelder erschließen – z.B. im Auto und beim Internet der Dinge, wie er der Elektronik beim Exklusivinterview verriet.

Elektronik: Herr Segars, letztes Jahr erzielte ARM in China einen Umsatzanteil von 51 % und in Ihrer Heimat England von 1 %. Ist ARM eine chinesische Firma mit Sitz in Cambridge?

Simon Segars: Wie Sie wissen, ist für uns der asiatische Markt – nicht nur China – in den letzten Jahren enorm gewachsen. Was unsere Entwicklung angeht, betreiben wir die dort, wo wir das notwendige Know-How finden und auch unsere Firmenhistorie spielt dabei eine Rolle. Die kommerzielle Seite und die Entwicklung sind zwei ganz verschiedene Dinge und wie Sie sehen, haben wir gerade hier in Cambridge unsere Zentrale um ein weiteres Gebäude erweitert.

Elektronik: Nichtsdestotrotz ist Ihre zweitgrößte Niederlassung in Bangalore (Indien) und in China haben Sie auch schon 150 Ingenieure angeheuert…

Segars: Weil sie die richtigen Skills mitbringen, sicher. Aber das hat mit unserem Umsatzwachstum in China erstmal nichts zu tun. Auch unsere Entwicklung wächst global – in unserer Zentrale und anderswo.

Elektronik: Es ist ja kein Geheimnis, dass es für Ihre Lizenznehmer, die Chip-Hersteller, nicht trivial ist, hoch qualifizierte Ingenieure zu finden – in Deutschland sagen wir dazu “Fachkräftemangel”. Hat ARM damit auch ein Problem?

Segars: Ja, Sie haben Recht. Zum Glück sind wir global aufgestellt und können uns weltweit um die besten Leute bemühen. Wir stellen sehr viele Universitätsabgänger ein und haben den Vorteil einer geringen Fluktuation – offenbar gefällt es den meisten Mitarbeitern sehr gut bei uns.

Elektronik: Können Sie mit Universitätsabgängern überhaupt etwas anfangen? Wenn ich so manchen recht antiquierten Lehrplan mit Ihren Anforderungen vergleiche, fehlt mir da der Glaube….

Segars: (lacht) Also, wir suchen uns zunächst Leute mit der potentiell richtigen Ausbildung – und stecken sie in Teams mit erfahrenen Entwicklern, wenn ARM etwas kann, dann ist es “Training on the Job”, das dürfen Sie mir glauben.

Elektronik: ARM wurde für ein extrem energieffizientes Rechenzentrumin Cambridge mit dem CEEDA-Award ausgezeichnet. Was machen Sie anders als Google und Facebook? Setzen Sie bereits ARM-basierte Server-Prozessoren ein?

Segars: Auf den Servern läuft primär EDA-Software von Synopsys und Cadence, die anders als z.B. Web-Services derzeit nicht gut für ARM-basierte Server geeignet ist. Wir setzen daher Standard-Server ein. Die Energieffizienz kommt vom Gesamtdesign des Rechenzentrums, wo wir “Best Practices” z.B. bezüglich des Kühlungssystems einsetzen.

Elektronik: Sie setzen also Server mit Intel-Prozessoren ein?

Segars: (nickt und zuckt mit den Schultern)

Elektronik: Im Kontext des Kaufes von MIPS durch Ihren Konkurrenten Imagination haben Sie für 167,5 Mio. Dollar 498 Patente von MIPS erworben. Warum war das wichtig für Sie?

Segars: Es handelt sich um viele grundlegende Patente, die in den falschen Händen dazu hätten führen können, dass ARM und seine Partner nicht mehr so hätten weiterentwickeln können wie wir uns das vorstellen. Deswegen haben wir in einem Konsortium mit HP, IBM und Intel den Mißbrauch dieser Patente durch Erwerb verhindert.

Elektronik: Hatten Sie Angst, dass Sie von Imagination verklagt werden und Lizenzgebühren an Ihren Konkurrenten hätten zahlen müssen?

Segars: Nein, Imagination verdient sein Geld wie wir mit der Lizensierung von IP. Wir hatten Angst von Patent-Trollen, die Patente nur mit einer Absicht aufkaufen: Um uns und andere später dafür zur Kasse zu bitten.

Elektronik: In Ihrem letzten Geschäftsjahr haben Sie zwar eine Umsatzrendite von mehr als 50 % erzielt, nichtsdestotrotz erodieren die Chip-Preise in vielen Märkten mit der Folge, dass Ihre Royalty-Einnahmen im Vergleich zu Ihren Lizenzeinnahmen stagnieren. Wie wollen Sie mehr ARM-IP wie z.B. Mali-GPUs oder POP-IP in die SoCs bringen?

Segars: Sie haben Recht, unser Lizenzgeschäft ist 2013 extrem stark gewachsen. Die Preis-Erosion pro Chip können Sie nicht verhindern, aber die Anzahl der verkauften Chips mit ARM-IP wird durch immer mehr Partner und Produkte steigen, wodurch die rückgängigen ASPs überkompensiert werden.