ARM TechCon 2013 ARM-CEO Simon Segars beschwört „Garagen-Kultur“ beim Internet der Dinge

ARMs CEO Simon Segars wünscht sich mehr Gründer von "Garagenfirmen", um das Internet der Dinge voranzutreiben.
ARMs CEO Simon Segars wünscht sich mehr Gründer von "Garagenfirmen", um das Internet der Dinge voranzutreiben.

In der Keynote-Ansprache des zweiten Konferenztags von ARMs TechCon konzentrierte sich CEO Simon Segars auf das Internet der Dinge (IoT). ARM sponsorte eine Studie des Magazins „Economist“, den sogenannten „IoT Business Index“, deren Ergebnisse Segars vorstellte.

Um das IoT voranzutreiben, wünscht sich ARM noch mehr neue innovative Unternehmen und eine „Garagen-Kultur“ – in Garagen findet sich ja bekanntlich der Ursprung von Weltunternehmen wie HP, Apple oder Google.

Vor den tausenden Deligierten, darunter Intels Chef-Architektin des Tablet-SoCs BayTrail in Reihe 1, begann Segars seine Ansprache mit der Erinnerung an den Beginn des Unternehmens HP und zeigte dazu die – übrigens in unmittelbarerer Nachbarschaft von Segars‘ Wohnhaus liegende - Garage im kalifornischen Palo Alto, in welcher 1939 William (Bill) Hewlett und David Packard, beide Absolventen der Stanford University, mit 538 US-Dollar Startkapital HP gegründet hatten. Das Foto zeigt allerdings (mit erneutertem Garagentor) das Haus in Los Altos, in dem der junge Steve Jobs mit seinen Eltern wohnte – in der Garage begann er zusammen mit Steve Wozniak, die ersten Apple-I-Computer zusammenzuschrauben.

Das Internet der Dinge bietet nach Segars‘ Ansicht nach fast unendliche Möglichkeiten für Startups, neue Ideen in einer Welt, in welcher jedes Gerät mit jedem kommuniziert, umzusetzen. Das Mobilgerät wie z.B. ein Smartphone wird zukünftig dabei die Kommunikationszentrale darstellen.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Garagen-Startup zeigte Segars gleich mit: Die Firma August wird ab Anfang 2014 eine „Smart Lock“ genannte Lösung anbieten, bei welcher der Zutritt zu Wohnung, Büro oder Haus über ein Smartphone erfolgt – der Türöffner enthält kein Schlüsselloch mehr, stattdessen einen Bluetooth-Empfänger. Mit dem System kann man zudem z.B. den Zutritt für einzelne Familienmitglieder (temporär) aus der Ferne freischalten.

Im Anschluß präsentierte Segars Auszüge aus einer vom Wirtschaftsmagazin „Economist“ veröffentlichen Studie zum Thema IoT. Im Juni befragte der Economist dazu weltweit 779 Manager, von denen 49 % Vorstand oder 2. Führungsebene sind: 29 % davon sitzen in Europa, 29 % in Nordamerika, 30 % in Asien und 12 % im mittleren Osten, Lateinamerika und Afrika.

Repräsentiert sind Unternehmen aus 19 unterschiedlichen Geschäftsbereichen, jeweils rund 10 % kommen aus der Finanzbranche, Fertigung, Medizintechnik, IT, Energie und Bauwirtschaft.

Dazu wurden mit 10 Managern Intensiv-Interviews geführt, u.a. auch mit Dr. Stefan Ferber, Vice President bei Bosch Software Innovations.

Neben vielen anderen Erkenntnissen zeigte die Studie vor allen die folgenden fünf Fakten auf: Bereits heute untersuchen 75 % der befragten Unternehmen das IoT. Dabei spielt es nicht nur für die produzierende Industrie, sondern auch für Service-Anbieter eine große Rolle. Es gibt z.B. bereits Versicherungen, welche die Prämien auf Basis des Fahrverhaltens des Autofahrers kalkulieren.

Die größte Schwierigkeit, um das IoT in einem Unternehmen nutzbar zu machen, ist laut der Studie mangelndes diesbezügliches Wissen bei den Mitarbeitern. Simon Segars kommentierte dies an die Zuhörer gerichtet mit den folgenden Worten: „Wenn sich sich mit dem IoT auskennen, sieht es gut für sie aus“.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass das ganze Vorhaben ohne weitreichende Zusammenarbeit zum Scheitern verurteilt ist: Wenn 50 Milliarden sogenannte “smarte Dinge” in einem globalen Netzwerk kommunizieren sollen, müssen Standards für den Datenaustausch und die Konnektivität geschaffen werden.

Viele der Befragten wussten heute noch nicht, wie ihre zukünftigen Geschäftsmodelle vom IoT profitieren werden. Was allerdings klar ist, ist die Tatsache, dass man glaubt, dass sich die frühzeitigen Untersuchungen später auszahlen werden. 95 % gaben an, dass sie glauben, dass ihre Firma das IoT innerhalb der nächsten 3 Jahre nutzen wird. Und 63 % haben Angst etwas zu verpassen und glauben, dass die Nicht-Nutzung Wettbewerbsnachteile bringen wird.

Interessanterweise liegt Europa vorne: 31 % der Befragten gaben an, pro Jahr die Investitionen in das IoT um mehr als 10 % anzuheben – in Nordamerika und Asien sind es jeweils nur 29 %.

Segars betonte jedoch auch, dass geringe Latenzzeiten in Netzwerken ein kritischer Faktor für viele IoT-Services sind – hier sieht der ARM-CEO offensichtlichen Handlungsbedarf. Mit den Worten „Ich kann es nicht erwarten, zu sehen, was als nächstes aus der Garage kommt“ beendete er seine Rede, die auch eines zeigte: Dank 95 % Marktanteil in Mobilgeräten sieht ARM ganz offensichtlich Bedarf für einen neuen großen Wachstumsmarkt und im IoT sieht man sich bestens positioniert: Mit Ultra-Low-Power-Mikrocontrollern bis zum Server wollen die Engländer mit Hilfe ihrer Lizenznehmer die gesamte Wertschöpfungskette bedienen.