Renesas Applikationsorientierte Organisation soll Chiphersteller aus der Krise führen

Bis Ende 2017 will der japanische Halbleiterhersteller Renesas nach Plänen seines neuen CEOs Hisao Sakutaeine zweistellige operative Profitabilität erreichen. Dazu werden bis Ende 2016 umfangreiche Strukturreformen umgesetzt. Einstweilen musste Renesas aber auch im 2. Quartal des Geschäftsjahres einen Verlust hinnehmen.

Mit einem Umsatz von 217,8 Mrd. Yen (2,22 Mrd. Dollar) und einem Verlust in Höhe von 8,8 Mrd. Yen (89,8 Mio. Dollar) schloß der japanische Halbleiterhersteller Renesas Electronics das 2. Quartal seines Geschäftsjahres 2013/2014, das jeweils am 1. April eines Kalenderjahres beginnt, ab.

Der Umsatz ging im Vergleich zum identischen Vorjahreszeitraum damit leicht von 222,8 Mrd. Yen zurück, die Verluste betrugen seinerzeit allerdings mit 94,3 Mrd. Yen mehr als das zehnfache des jetzt aufgelaufenen Verlustes.

CEO Hisao Sakuta präsentierte zeitgleich seine Strategie, Renesas fir für die Zukunft und zu einem profitablen, global aufgestellten Unternehmen zu machen. Die Folien dürften zumindest für alteingesessene Renesas-Mitarbeiter für einige Überraschungen gesorgt haben.

Soll soll zukünftig das mehr oder weniger zentral aus Tokio gesteuerte lokale Management autonom arbeiten dürfen, zudem wird die Produkt-orientierte Organisation umgekrempelt und bis Ende 2016 in eine anwendungsorientierte Struktur überführt. Statt Geschäftbereiche MCU, SoC und Analog/Power wird es stattdessen die Geschäfteinheiten Automotive (unterteilt in Automotive Control und Infotainment), Industrial/Home-Automation , Office Automation/Information Communication Technoloy geben. Alles, was sich darin nicht abbilden lässt, wird dem Geschäftsbereich General Purpose zugeordnet.

Um in der Wertschöpfungskette vom reine Silizium-Lieferanten, der mehr oder weniger nur über einen niedrigen Preis verkaufen kann, zum Lösungsanbieter aufzusteigen, wird Renesas drei unterschiedliche Pakete anbieten: Neben der puren „Device Solution“ wird es ein höherwertiges Angebot mit der Bezeichnung „Kit Solution“ geben, in welchem Renesas System-Know-How zuliefert. Exemplarisch sei eine Motorsteuerung genannt, welche neben einem Mikrocontroller auch die Stromversorgung und spezifisch optimierte Software-Algorithmen für die Steuerung umfasst.

Als höchste Stufe in Renesas Angeboten wird es noch die sogenannte „Platform Solution“ geben, in welcher das gesamte Eco-System um einen Chip zusammengefasst wird – vom Toolanbieter über ein Betriebsssystem bis hin zum Systemintegrator – alles aus einer Hand, ist hier Renesas‘ Motto.

Um das Ziel einer operativen Profitabilität von 10 % auf den Umsatz bis Ende 2017 zu erreichen, wurde die Management-Struktur ab sofort (einmal wieder) verändert. Neben nur noch 5 Vorständen (sowenig hatten selbst die Unternehmen Renesas, NEC und Hitachi vor den Mergern nicht) wurde auch ein neuer CFO benannt, die Fertigung muss zukünftig schneller liefern und selbst profitabel arbeiten – in der Vergangenheit wurden die Kosten einfach den entsprechenden Geschäftseinheiten, welche die Wafer abgenommen haben, zugeschlagen.

Die größte Revolution in der Firmengeschichte von Renesas dürfte jedoch folgendes Statement von CEO Sakuta sein: „Empower sales companies in EMEA and Americas as regional business management sites to promote sales expansion through autonomous decision making“. Offensichtlich hat er erkannt, dass ein weiteres Wachstum nicht mehr im gesättigten japanischen Markt, sondern nur durch globale Expansion zu erreichen ist und dass diese Märkte schwierig aus der Firmenzentrale in Tokio zu beackern sind.

Für den neuen Europa-Chef Gerd Look eröffnen sich durch diese Freiheiten damit natürlich große Chancen – auf der anderen Seite wird er, sollte er seine Ziele verfehlen, nicht mehr die Schuld den Japanern wegen einer vermeintlichen „Fremdsteuerung“ in die Schuhe schieben können.