Kaufen Chinesen amerikanischen Prozessorhersteller? AMD: Verkaufsgerüchte nach weiterem desaströsen Geschäftsjahr

Der Prozessorhersteller AMD soll laut der chinesischen Technik-Website zum Verkauf an die chinesische Firma BLX stehen.

Nachdem der amerikanische Prozessorhersteller AMD im Jahr 2014 einmal mehr einen dreistelligen Millionenverlust eingefahren hat, vermeldete die chinesische Technologie-Website »MyDriver«, dass AMDs Eigentümer einen Verkauf an die chinesische Firma BLX planen.

BLX gehört dem chinesischen Institut für Computer-Technologie, der Akademie der Wissenschaften und der Jiangsu Zhongyi Group, sie stellt derzeit als fabless-Chip-Hersteller MIPS-basierende Prozessoren für Embedded-Märkte her. AMD hatte 2014 einen Verlust in Höhe von 403 Mio. Dollar bei 5,5 Mrd. Dollar Umsatz eingefahren, von Ende 2013 bis Ende 2014 wurden weitere 1.000 Mitarbeiter abgebaut (von 10,671 auf 9,687 Mitarbeiter).

Während AMDs GPU-Geschäft zweifelsfrei einfach erworben werden könnte, ist die x86-CPU-Seite alles andere als einfach. Teil jeder x86-Lizenz ist die Bedingung, dass diese nicht weiterveräußert werden darf. BLX hätte somit mit Intel Verhandlungen zu führen, was nicht grundsätzlich als aussichtslos angesehen werden muss. Intel hat immerhin mit Rockchip und der Tsinghua Unigroup zwei signifikanten chinesischen Firmen Zugriff auf seine x86-Architektur für Mobilchips gegeben. Ein weiteres Beispiel für Intels Bereitschaft, mit chinesischen Firmen zusammenzuarbeiten, ist die 100-Mio.-Dollar-Investition in Shenzhen.

Was derzeit gegen eine Übernahme spricht, ist die kurze Amtszeit von Neu-CEO Dr. Lisa Su. Sie hatte ja noch keine Zeit, ihre Fähigkeiten als Unternehmensführerin zu demonstrieren und insofern wäre es mehr als überraschend, wenn eine ihrer ersten strategischen Amtshandlungen darin bestehen würde, ihre Firma zu verkaufen.

BLX müsste dazu auch noch AMDs Aktionäre mit Abu Dhabi’s Mubadala Development Company überzeugen, dass ein Verkauf wirtschaftlicher ist als die weitere Restrukturierung und Neupositionierung am Markt. Angesichts der Tatsache, dass Intel Jahr für Jahr neue Umsatz- und Gewinnrekorde vermeldet und ARMs Lizenznehmer zunehmend in ehemals x86-dominierte Märkte vorstoßen, könnte man von dieser Seite am ehesten zu der Überzeugung kommen, dass AMD nur noch eine limitierte Perspektive hat.

Nachdem die „MyDriver“ das Übernahmegerücht publiziert hatte, stieg der Aktienkurs von AMD um 5 % - offenbar hoffen einige Investoren, dass es nicht beim Gerücht bleibt sondern es sich in die Realität umsetzen wird.