Interview mit Kontron-CEO Rolf Schwirz Zurück auf Wachstumskurs

Die Kontron AG hat das Restrukturierungsprogramm »New Kontron« abgeschlossen. Was ist da für eine neue Kontron entstanden? Wie wird es in der Zukunft bei Kontron weitergehen? Fragen an den Vorstandsvorsitzenden Rolf Schwirz, den wir im neuen Headquarter in Augsburg besuchten.

Kontron hat eine für ein Computerunternehmen lange Historie: Gegründet als BMW-Tochter mit dem Schwerpunkt auf Entwicklungswerkzeugen, stand das Unternehmen kurz vor der Auflösung, bis es in den Neunziger Jahren als Hersteller für Embedded Computer neu belebt wurde. Nach einer steilen Wachstumsphase konnte es sich unter den Weltmarktführern für robuste Computertechnik etablieren. Das schnelle Wachstum führte aber auch zu Wildwuchs und vielen unerledigten Hausaufgaben, die in den letzten zweieinhalb Jahren in einer schmerzhaften Restrukturierungsphase nachgeholt wurden. Jetzt stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Wie dramatisch sich das Marktumfeld ändert und wie es jetzt weitergeht, darüber sprach die Elektronik mit dem Vorstandsvorsitzenden von Kontron, Rolf Schwirz.

In welchem Zustand haben Sie das Unternehmen vorgefunden, als Sie Ende 2012 in den Vorstand kamen?

Rolf Schwirz: Kontron war in der Zeit vor 2013 durch Zukäufe gewachsen. Die Strategie damals war, diese Zukäufe weitgehend autark zu belassen. Das führte dazu, dass man über 20 Einzelfirmen im Konzern hatte, die relativ unabhängig voneinander Produkte entwickelten und auf den Markt brachten. Seit 2013 ist die Strategie, diese Einzelunternehmen voll zu integrieren, um die Produktentwicklung zu harmonisieren, im Vertrieb global einheitlich aufzutreten, die Zahl der Lieferanten zu reduzieren und um bessere Einkaufspreise zu erzielen.

Aber nicht nur das. Wir haben auch unser Produktsortiment gestrafft. Wir haben uns eine Möglichkeit erarbeitet, mit weltweiten Teams gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Auch intern hatten diese Firmen vom E-Mail-System über die Website bis zum ERP-System eigene Prozesse und IT-Infrastrukturen. Das haben wir jetzt alles harmonisiert. Jetzt sind wir ein Unternehmen geworden, das sich aus der Sicht des Kunden gleich anfühlt, ganz gleich, ob man uns in Deutschland, Asien oder Amerika kontaktiert.

Wie hat sich die Zahl der Mitarbeiter durch die Restrukturierung entwickelt?

Schwirz: Durch die Zusammenfassung der Standorte haben wir natürlich eine Mitarbeiterreduktion erlebt, zumal einige auch nicht nach Augsburg mitkommen konnten oder wollten. Diese wurden teilweise ersetzt, teilweise aber auch nicht, weil wir durch die Zusammenarbeit unsere Effizienz erhöhen konnten.

Einige der früheren Kollegen aus dem mittleren Management sind bei Wettbewerbern wieder aufgetaucht. Fürchten Sie nicht, durch die Abwanderung von Know-how den Wettbewerb gestärkt zu haben?

Schwirz: Ich bedauere den Abgang eines jeden Mitarbeiters, der bei Kontron eine gute Leistung gezeigt hat und das Unternehmen mit einem guten Wissensstand verlässt. Aber in einem Unternehmen vom Rang und der Struktur Kontrons ist jeder Mitarbeiter – einschließlich meiner Person – ersetzbar. Wir müssen das große Ganze über die Interessen von Einzelpersonen stellen. Um so große Veränderungen in einem Unternehmen zu stemmen, muss man Opfer bringen. Die haben wir gebracht. Aber ich denke, wir haben das so hinbekommen, dass für das Unternehmen insgesamt und für die Kunden keine Nachteile entstanden sind. Wichtig ist aber vor allem, dass der Abgang einzelner Mitarbeiter die intakten Beziehungen zu unseren Kunden nicht beeinflusst hat.

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Kontron-Fertigung in Augsburg

Ein Besuch im neuen Kontron-Headquarter in Augsburg und ein Gang durch die Industriecomputer-Fertigung.