Elektroindustrie Zu 20 Prozent digitalisiert

ZVEI-Präsident MIchael Ziesemer stellt die Studie zur Digitalisierung der Elektroindustrie vor.
ZVEI-Präsident MIchael Ziesemer stellt die Studie zur Digitalisierung der Elektroindustrie vor.

Der ZVEI hat eine Studie in Auftrag gegeben, die zutage fördert, dass bereits 20 Prozent der Umsätze in der Elektroindustrie mit digitalen Produkten oder Diensten gemacht werden. Zwischen großen und kleinen Unternehmen gibt es aber deutliche Unterschiede.

ZVEI-Präsident Michael Ziesemer sagt zum Beginn der Präsentation der Studie, dass die Welt nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten nun nicht nur in technologischer Hinsicht, sondern auch politisch möglicherweise vor disruptiven Entwicklungen steht. Dinge, die bisher unstrittig waren – z.B., dass offene Arbeitsmärkte essenziell für internationale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen sind – seien nach Brexit und Trump-Wahl plötzlich erklärungsbedürftig.

Mit der Durchführung der Digitalisierungsstudie hatte der ZVEI IW Consult und das Fraunhofer-Institut für Systems und Innovation Research ISI beauftragt. Eines der Ergebnisse: die Elektroindustrie stellt sich immer besser auf die Digitalsierung ein. Ziesemer: »Vor drei Jahren hatten wir noch eine hohe zweistellige Prozentzahl von Unternehmen, die glaubten, von der Digitalisierung überhaupt nicht betroffen zu sein.« Heute erwirtschaften die 132 befragten Mitgliedsunternehmen des ZVEI bereits 20 Prozent ihres Umsatzes mit digitalen oder »digital veredelten« Produkten. In fünf Jahren, so schätzen die Firmen, wird sich dieser Anteil verdoppeln. Allerdings sind es bei den großen Unternehmen 25 Prozent, bei kleinen nur 15 Prozent, die auf die digitalen Produkte entfallen. Hauptgeschäft seien dabei sog. »smarte« Produkte, womit Produkte gemeint sind, die mit Sensorik ausgestattet sind.

Auch bei der Unternehmensstrategie gibt es deutliche Unterschiede zwischen Groß- und Kleinunternehmen. 45 Prozent der großen Unternehmen richten ihre unternehmerische Strategie an der Digitalisierung aus, aber nur 20 Prozent der kleineren mittelständischen Firmen (bis 500 Mitarbeiter) tun dies.

ZVEI-Präsident Ziesemer sagt: Der stärkste Wandel, den die Digitalisierung hervorruft, wird sich in den nächsten fünf bis acht Jahren abspielen. Auch die Kunden der Elektroindustrie, vornehmlich der Maschinenbau und die Automobilbranche, sehen das so. Im Rahmen der Studie wurden 1100 Unternehmen außerhalb der Elektroindustrie befragt. Von denjenigen mit hoher Digitalisierungaffinität kann die Hälfte der Aussage zustimmen, dass die Bedeutung der Elektroindustrie steigen oder stark steigen wird.

Hemnisse für die Digitalisierung sind das nötige Fachwissen, die Datensicherheit und die Breitbandinfrastruktur. Die Mitarbeiter sind keine Bremse, im Gegenteil, in den Belegschaften ist keine Skepsis erkennbar. Die Datensicherheit spielt insofern eine Rolle, als die Eigentumsfrage an den Daten bislang noch völlig ungeklärt ist. Gleichwohl warnt der ZVEI vor einem zu frühzeitigen regulatorischen Eingreifen des Staates. »Wir sollten erst abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, um nicht vorzeitig datengetriebenen Geschäftsmodelle und –diensten abzuwürgen,« sagt Prof. Dr. Knut Koschatzky vom Fraunhofer ISI.