Interview mit dem Congatec-CEO »Wir wollen an die NASDAQ«

Jason Carlson stellte sich gestern auf der embedded world als CEO der Öffentlichkeit vor.
Jason Carlson stellte sich gestern auf der embedded world als CEO der Öffentlichkeit vor.

Congatec will nicht an irgendeine Börse, sondern an die NASDAQ in New York. Dazu hat das Unternehmen Jason Carlson als CEO verpflichtet, der Erfahrung mit Börsengängen hat. Auf der embedded world spricht er erstmals mit der Presse.

Als Sie bei Congatec anfingen, sind Ihnen da Unterschiede aufgefallen, wie in Deutschland und wie in den USA gearbeitet wird?

Jason Carlson: Ich habe sofort gemerkt, dass ich nicht der Geschäftsführer eines deutschen, sondern eines bayerischen Unternehmens geworden bin. Congatec hat eine starke Kultur und ist stolz auf seine Herkunft. Das erinnert mich an meine Zeit in Austin, Texas, denn dort ist man ebenfalls sehr stolz auf seine Herkunft. Außerdem hat Congatec viel Erfahrung im Embedded Computing und ist sehr kundenorientiert. Innerhalb von Congatec herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Auf der einen Seite unterscheidet sich das Unternehmen sehr stark von denen in den USA, aber es gibt auch viele Gemeinsamkeiten.

Sie sind zu Congatec gekommen, um das Geschäft internationaler zu machen. Warum hat Congatec Sie als CEO angeworben und nicht einfach für den Vertrieb?

Zuerst habe ich gedacht, um Geschäftsführer zu werden, müsse ich nach Deutschland ziehen. Während der Verhandlungen wurde aber schnell deutlich, dass Congatec sich schon immer als globales Unternehmen sieht. Das Geschäft lief ja schon sehr gut und es war niemand direkt vor Ort nötig, sondern jemand, der in den USA lebt und bereits in Asien tätig war, um die Position in diesen Märkten zu stärken. Seit neun Monaten bin ich nun der Geschäftsführer des Unternehmens, arbeite und wohne aber in einem anderen Land und es funktioniert. Der Hauptgrund, warum man mich bei Congatec engagiert hat, ist, dass wir einen Börsengang an der NASDAQ planen. Das war meine Hauptaufgabe in den letzten neun Monaten. Allerdings: Solange das alles noch in der Schwebe war, konnte ich noch nicht darüber sprechen.

Und jetzt ist der Börsengang in trockenen Tüchern?

Ja, insofern, als wir bei der Börsenaufsicht alle erforderlichen Unterlagen eingereicht haben und jetzt für den Börsengang zugelassen sind. Eigentlich hatten wir diesen Schritt für den Herbst geplant, aber da die Börsen dieses Jahr weltweit im Abschwung sind, werden wir das auf später verschieben. Das Gute ist ja, dass Congatec ein gesundes Unternehmen ist und wir auf das zusätzliche Kapital nicht angewiesen sind.

Was würden Sie mit dem zusätzlichen Kapital anfangen?

Wie Sie wissen, ist Congatec bisher stets organisch gewachsen. In den letzten Jahren hatten wir durchschnittlich 18 Prozent Wachstum. Wir werden sehen, ob wir nicht kleinere Akquisitionen tätigen können, die unser Produktangebot ergänzen. Das ist meine hauptsächliche Intention: Congatec damit auf die nächste Entwicklungsstufe zu bringen.

Welche Veränderungen im Unternehmen – außer dem Börsengang – sind Ihrer Meinung nach noch nötig, um das internationale Geschäft voranzubringen?

Congatec leistet ausgesprochen gute Arbeit, aber es gibt immer noch Verbesserungspotenzial. Dazu zählt, dass wir die Geschäftsprozesse vereinheitlichen. Bis jetzt haben wir die Welt in drei Teilen wahrgenommen: Europa, Amerika, Asien-Pazifik. Hier müssen wir ein globales Account-Programm aufsetzen, damit wir die Kunden überall auf der Welt in gleicher Weise ansprechen. Zu diesem Zweck habe ich auch Fred Barden als Vice President Worldwide Sales eingestellt. Seit Dezember ist er nun bei uns und er wird uns in Richtung globale Handelsmärkte bringen – das Global-Account-Programm ist ein Teil davon.
 
Congatec auf der embedded world 2016: Halle 1, Stand 358

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