10 Jahre OSADL Von der Einkaufsgenossenschaft zum Dienstleister

Open-Source-Software braucht professionelle Strukturen, wenn sie zielgerichtet entwickelt werden soll. Das zeigt die Geschichte des OSADL, in dem sich sich Maschinenbauer und Automatisierer zusammengeschlossen haben, um die Entwicklung von Echtzeit-Linux voranzubringen. Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen.

Das »Open Source Development Labs« (OSADL) wurde vor zehn Jahren als eine »Einkaufsgenossenschaft für Open-Source-Software« gegründet. Die Idee einiger Maschinenbauer war: Basis-Software, die nicht zu einer Differenzierung vom Wettbewerb beiträgt, gemeinsam entwickeln zu lassen. Insbesondere die Linux-Echtzeit-Patches wurden im Auftrag von OSADL weiterentwickelt und stärker in den Mainline-Kernel integriert. 

Schon bald hat OSADL aber sein Leistungsspektrum noch wesentlich erweitert:

  • Softwareentwicklung

  • Qualitätssicherung

  • Vermittlung von juristischer Beratung zur Lizenzkonformität

  • Audits und Zertifizierungen von Open Source-Produkten und -Prozessen

  • Zertifizierung von sicherheitskritischer Open Source-Software

  • Installationshilfe, Schulungen

  • Förderung der Zusammenarbeit von Universitäten und Industrie

  • Organisation von Workshops und Konferenzen

Die Weiterentwicklung von Echtzeit-Linux ist durchaus von Höhen und Tiefen geprägt. Anfangs hatten große Player wie Red Hat und IBM sich um die Integration einzelner Echtzeit-Eigenschaften gekümmert. Als deren Anforderungen, die hauptsächlich im Bereich von Finanztransaktionen liegen, erfüllt waren, zogen sie sich vom Sponsoring der Weiterentwicklung zurück.

Die produzierende Industrie hat andere und weitergehende Echtzeit-Anforderungen. Zwar kann man den Linux-Kernel nachträglich patchen, aber mit jedem neuen Kernel-Release müssen die Patches wieder angepasst und reintegriert werden – ein endloses Unterfangen und insbesondere hinsichtlich der Entwicklungskosten ein Fass ohne Boden. Deshalb war der Gedanke von OSADL: Jeder, der die sog. Preempt_RT-Patches nutzt, soll auch zur Weiterentwicklung beitragen. Großes Ziel ist die Integration dieser Patches in den Mainline-Entwicklerzweig von Linux, was das nachträgliche Patchen ein für allemal überflüssig machen würde. Das ist auch schon zu 90 Prozent gelungen, allerdings sind die restlichen zehn Prozent für die Industrie besonders wichtig.

Allerdings hat sich herausgestellt, dass der Aufwand für die Integration dieser restlichen zehn Prozent in Mainline so groß ist, dass er selbst für die 48 Mitlieder des OSADL schwer zu stemmen ist. Und vielleicht war auch der Wille nicht da, alles allein zu machen, da es weitere Industriezweige gibt, die die Echtzeit-Patches nutzen, z.B. die Telekommunikation. Anfang Oktober ist nun aber ein Druchbruch gelungen: Die Linux-Foundation hat ein »RTL Project« ins Leben gerufen, der OSADL als Gold Member beigetreten ist. So steht die Finanzierung auf einer breiteren Basis und die Automatisierungsbranche hat Stimme und Einfluss im steuernden Gremium. Man kann also hoffen, dass der Tag, an dem der Linux-Kernel eine Echtzeit-Konfigurationsoption ohne weitere Patches erhält, nicht mehr allzu fern ist.