VIA Vom Chiphersteller zum Systemanbieter

Christian Caldarone, VIA: „Hier baut niemand mehr irgendwelche Dinge selbst zusammen.“
Christian Caldarone, VIA: „Hier baut niemand mehr irgendwelche Dinge selbst zusammen.“

VIA stellt u.a. x86-Prozessoren her und war lange Zeit eine gern genutzte Alternative zu AMD und Intel. Doch in den letzten Jahren verschob sich die Produktpalette von VIA mehr und mehr hin zu Komplettsystemen. Was VIA dazu bewogen hat, seine Geschäftsstrategie zu ändern, darüber sprachen wir mit Christian Caldarone, Pressesprecher bei VIA und zuständig für Marketing und Channel Sales in der Region DACH.

Warum vermarktet VIA seine stromsparenden x86-Prozessoren nicht mehr aktiv als Bausteine für Board-Hersteller?

Christian Caldarone: Wir vermarkten das schon noch, aber die Wahrnehmung hat sich verändert. Wir reden heute nicht mehr über Desktop-Chipsätze, wo wir z.B. im Bereich MiniITX eine starke Präsenz hatten. Außerdem ist die Bedeutung des Komponentenmarkts in Europa zurückgegangen. Hier baut niemand mehr irgendwelche Dinge selbst zusammen. Das bezieht sich nicht nur auf die Komponenten, also Prozessoren und Chipsatze, sondern auch auf Board-Level-Produkte, ja selbst Systeme. Die Kundschaft möchte fertige Lösungen bekommen.

Bietet VIA diese fertigen Lösungen als universell verwendbare Basistechnologie an, also als PC-Technologie für den Embedded-Einsatz oder gezielt für bestimmte Anwendungsbereiche?

Christian Caldarone: Unsere Strategie ist darauf ausgerichtet, stärker vertikale Märkte zu adressieren und dem Kunden eine bestimmte Expertise zur Verfügung zu stellen. Besonderen Wert legen wir auf die Produktqualität, die wir nicht nur an „harten“ Faktoren wie Zuverlässigkeit und langfristiger Lieferbarkeit festmachen. Für uns zählt dazu auch die Beratung und der Entwurf des Gesamtsystems. In einigen Bereichen sind die Grenzen zwischen dem allgemeinen ITK- und dem Embedded-Markt fließend, und so bieten einige Hersteller z.B. für Digital Signage ganz gewöhnliche PCs an. Aber wenn dann Dinge wie erweiterter Temperaturbereich oder eine gewisse Resistenz gegen äußere Einflüsse wie z.B. Staubdichtigkeit dazu kommen, dann sind ITK-Hersteller relativ schnell am Ende. Das ist die Expertise, die wir unseren Kunden bieten.

Welche vertikalen Märkte adressieren Sie denn?

Christian Caldarone: Neben Digital Signage haben wir Systeme für medizinische Anwendungen und dann ist da noch der große Bereich der Automatisierungslösungen - sowohl die Industrie- als auch die Home Automation. Ein breites Einsatzgebiet für unsere Produkte sehen wir in der Indus-trie und hier liefern wir auch flexible Designs wie Qseven und COM Express. Das kann als Steuerung oder Überwachungseinrichtung an Maschinen zum Einsatz kommen, aber auch als Terminal oder als Arbeitsrechner in einer Produktionshalle.

VIA gehört zur gleichen Gruppe wie der Smartphone-Hersteller HTC. Da liegt es doch relativ nahe, dass VIA Synergieeffekte nutzt und auch Produkte mit ARM-Technologie anbietet...

Christian Caldarone: Ja, das tun wir bereits. Wir haben mit dem „ARMOS“ bereits ein System mit ARM-Cortex-A8-Prozessor im Programm. Für Digital Signage bieten wir mit „ARM DS“ eine Art „thin client“ mit Android an. Diese Produkte bewerben wir allerdings nicht so stark, da das eher ein Projektgeschäft ist. Außerdem haben wir mit Wondermedia ja auch unsere eigene ARM-Schmiede. Da werden wir noch dieses Frühjahr ein Produkt mit unserem eigenen SoC auf dem Markt bringen.

An welchen Zielmarkt richten sich die Wondermedia-SoCs?

Der neueste Wondermedia-Prozessor, den wir im Januar angekündigt haben, ist ein Dualcore ARM Cortex-A9, der mit 1,2 GHz getaktet ist. Er wurde für den asiatischen Markt entwickelt und wird in Tablets eingesetzt. Von daher werden wir die Wondermedia-SoCs eher für Produkte einsetzen, die keinen so langen Produktlebenszyklus haben. Bei unserer ersten Generation von ARM-gestützten VIA-Embedded-Produkten haben wir dagegen auf einen ARM Cortex-A8 von Freescale gesetzt, wegen der langen Verfügbarkeit.