Hintergründe zu Intels Bug USB-Geräte verschwinden in Energiesparmodus

Bereits 2011 musste Intel einen signifikanten Fehler in einem Chipset fixen – seinerzeit in dem Chipset »Cougar Point 6 Series«, das mit Core-i-Prozessoren der Sandy-Bridge-Generation ausgeliefert wurde. Traf die Fehlfunktion damals den ATA-Controller, ist diesmal USB 3.0. betroffen. Ganz so teuer wie 2011 wird es für Intel freilich nicht werden.

Der Fehler in »Cougar Point«, der zu einer schleichenden Fehlfunktion von Serial-ATA-Ports über die Zeit führte, erzwang 2011 nicht nur ein Redesign des Chips, sondern vor allen Dingen auch einen Massenaustausch von bereits ausgelieferten Mainboards. Insgesamt kostete der Bugfix Intel rund 1 Mrd. Dollar.

Diesmal konnte man den Fehler, der im »Lynx Point 8 Series«-Chipset auftritt, aus Intels Sicht zum Glück bereits vor Anlauf der Massenproduktion der neuen Prozessorgeneration »Haswell« (der vierten Generation der Core-i-Prozessoren) feststellen, so dass die Fehlerbehebung deutlich billiger kommen dürfte. Welche Chipsets betroffen sind, haben wir bereits hier dargestellt.

Der Fehler tritt konkret dann auf, wenn der Prozessor in den sogenannten Energiesparmodus S3 überführt wird. In diesem Fall verschwinden USB-Geräte, die an USB-3.0.-Ports angeschlossen sind.

Generell gibt es heute 2 praktische Energiesparmodi: Standby in Form von Suspend to RAM (S3) und Suspend to Disk bzw. Ruhezustand (S4). Beim ersteren werden die aktuellen Daten im RAM behalten und dieser mit Spannung versorgt, so dass die Daten nicht verloren gehen. Der Rest des Systems ist quasi ausgeschaltet. Bei S4 wird der gesamte Inhalt des RAMs auf die Festplatte ausgelagert und der Rechner kommt dann komplett ohne Energie aus. Beim Anschalten wird dieser Inhalt wieder in den RAM geschrieben und man macht genau dort weiter wo man aufgehört hat.

Das Problem ist, dass Windows die Option »Energie sparen« einen S3/S4 Hybridmodus darstellt. Dabei werden die Daten, wie beim normalen S4-Mode, auf die Festplatte geschrieben, das System verbleibt danach aber erstmal im S3-Mode, worauf die USB-Geräte an 3.0.-Ports verschwinden. Um sie wieder nutzbar zu machen, muss man sie entsprechend rausziehen und wieder reinstecken, worauf die Geräte-Erkennung erneut anläuft.

Intel plant, bei den betroffenen Chips einige Metallschichten auszutauschen. Angeblich müssen, da sich die Charakteristik des Chipsets dadurch nicht ändern wird, nicht alle elektronischen Regressionstests durchlaufen werden, sondern nur die, die sich auf die Funktion von USB 3.0. beziehen.

Die überarbeiteten Chips sollen in Mustern ab dem 19.April an Kunden geliefert werden, ab dem 15.7. wird es dann in die Massenfertigung gehen. Intel erklärte zudem, dass Kunden ab dem 31.7. »bereit für das neue Produkt« sein müssen – in anderen Worten, das alte Produkt wird nach und nach durch das neue ersetzt.

Haswell-Start vermutlich mit fehlerbehaftetem Chipset

Auch wenn es bis heute kein offizielles Datum für den Lieferstart der neuen Core-i-Prozessoren der Generation »Haswell« gibt, ist anzunehmen, dass dieser vor der Verfügbarkeit des überarbeiteten Chipsets liegt.

In diesem Fall soll sich Intel nach unseren Informationen von Kunden, die die Haswell-Prozessoren zum Start in ihre Geräte einbauen wollen, schriftlich bestätigen lassen, dass sie sich des Chipsets-Fehlers bewusst sind und diesen in Kauf nehmen.

Die einfachste Möglichkeit, den Fehler zu umgehen, besteht natürlich darin, USB-3.0.-Ports einfach nicht zu nutzen sondern die Geräte an USB-2.0.-Ports anzuschließen, die von dem Bug nicht betroffen sind. Wenn man aus Herstellersicht Geräte mit USB-3.0.-Ports ausliefert, möchte man diese freilich sicher auch als nutzbar vermarkten.

Bei Desktop-Geräten könnten die Hersteller einen zusätzlichen USB-3.0.-Chip eines Drittherstellers einbauen, was die Herstellungskosten leicht erhöhen, die UBS-3.0.-Ports aber voll nutzbar machen würde. Für Notebooks und insbesondere Ultrabooks ist das keine Option, weil ein zusätzlicher Chip einerseits Platz auf dem PCB erfordert und andererseits die Leistungsaufnahme des Systems erhöht und damit die Batterielaufzeit verringert.