Staat vs. Privatwirtschaft Streit um Wetterdaten

Darf der staatliche Deutsche Wetterdienst eine kostenlose Wetter-App anbieten, während sich private App-Anbieter über Werbung oder Lizenzgebühren refinanzieren müssen? Der Chef von Wetteronline protestiert.

Nach dem Muster der Tagesschau-App gibt es nun auch Streit um Wetterdaten. Bei der Tagesschau-App hatten die privaten Medienanbieter beklagt, dass die ARD Nachrichten kostenlos liefert, die die privaten Medienhäuser durch Werbung refinanzieren müssen. Nun hat sich der Geschäftsführer von WetterOnline, Dr. Joachim Klaßen, zu Wort gemeldet und beschwert sich über einen Gesetzentwurf, der im Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ausgearbeitet wurde.

Den Grund zur Klage liefert die »Warnwetter«-App des Deutschen Wetterdienstes, die nach Meinung von Dr. Klaßen eine »Full-Service-App« ist und damit weit über den staatlichen Auftrag der Unwetterwarnung hinausgeht. Seit 2015 bietet der DWD diese App laut Dr. Klaßen »ohne gesetzliche Grundlage« an, weil der Deutsche Wetterdienst sich aus Steuergeldern finanziert.

Die Wetter-App des DWD zeigt neben Unwetterwarnungen auch Niederschlagsradar, Temperaturen, Windstärken, Satellitenbilder und Blitze an – und das alles in Form animierter Wetterfilme sehr detailliert für die nächsten zwei Stunden oder als groben Trend in einem Vorhersagezeitraum von drei Tagen. Ähnliches bieten auch die Wetter-Apps privater Unternehmen wie etwa das von RTL betriebene wetter.de oder Klaßens Wetteronline-App.

Dr. Klaßen: »Eine Wetter-App, die nichts kostet und die keine Werbung beinhaltet – natürlich freut sich der Verbraucher darüber! Er würde sich auch über staatlich finanzierte Bäckereien freuen, die jeden Morgen kostenlos Brötchen verteilen. Aber was passiert dann mit den Bäckereien, denen plötzlich ihre Geschäftsgrundlage entzogen wird? Genau dieses Szenario droht uns Wetterdienstleistern. Die Konsequenz ist jedoch nicht, dass der DWD sein Marktverhalten ändert. Nein: Es ist umgekehrt! Das Gesetz soll an das rechtswidrige Marktverhalten des DWD angepasst werden.«

Die vor 20 Jahren von Klaßen gegründete Wetteronline GmbH beschäftigt inzwischen 80 Mitarbeiter. Klaßen sieht die Existenz seines Unternehmens gefährdet, Er beklagt, dass der DWD seine unentgeltlichen Marktaktivitäten immer mehr ausweitet und so für private Unternehmen der digitalen Wirtschaft keine Planungssicherheit mehr gegeben ist. »Jederzeit kann der DWD in Zukunft Produkte der digitalen Wirtschaft kopieren und kostenlos auf den Markt bringen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies im Sinne der Bundesregierung ist.«