Mikroelektronik-Symposium von VDE und ZVEI Starke Mikroelektronik als Schlüssel für Cyber-Sicherheit

Eine eigene Mikroelektronik-Industrie ist wichtig für die Fertigung von Sicherheits-Chips – das war die wichtigeste Botschaft des 5. VDE/ZVEI-Mikroelektronik-Symposiums 2015.

Die Verbände VDE und ZVEI betrachten die Mikroelektronik als Schlüsseltechnik für den Standort Deutschland, weil sie unabdingbar für mehr Cyber-Sicherheit ist. Die Cyber-Sicherheit sehen sie nicht nur als Problem, sondern auch als große Chance für die Wertschöpfung deutscher Unternehmen.

Es gab eine Menge Zahlen auf dem Mikroelektronik-Symposium, das VDE und ZVEI Anfang September in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften veranstalteten. Staatssekretär Matthias Machnik vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nannte die Zahl von 3 Mrd. Geräten, die derzeit ans Internet angeschlossen seien. ZVEI-Präsident Ziesemer meinte, dass „schon bald“ 25 Mrd. Geräte mit dem Internet verbunden sind und sich diese Zahl bis 2020 verdoppeln könnte. „Alles viel zu konservative Schätzungen,“ glaubt Prof. Frank Fitzek von der TU Dresden, „es werden eher 500 Milliarden Geräte“. Ganz gleich, wie viele es nun wirklich sind – fest steht, es sind viele und es werden noch viel mehr. Treiber dafür sind der Gesundheitsbereich, die Industrie 4.0, das Smart Home, die Wearables und vieles mehr.

Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Prognosen wirklich zutreffen und dass Menschen und Unternehmen Vertrauen in die umfassende Vernetzung haben, ist eine wirkungsvolle IT-Sicherheitstechnik. Einfach aus Sicherheitsgründen den Netzstecker zu ziehen, kann für einzelne Unternehmen eine Lösung sein, für die meisten aber nicht, denn für 90 Prozent der Firmen ist die Vernetzung heute schon Bestandteil des Geschäfts. Während das bis jetzt meistens für die Geschäftsprozesse gilt, also Dinge wie Korrespondenz, Rechnungsstellung aber auch M2M-Anwendungen wie Fernwartung, wird sich die Vernetzung in Zukunft noch viel umfassender gestalten. Eines der Versprechen von Industrie 4.0 ist ja, dass sich individuell konfigurierbare Produkte in Stückzahl „Eins“ automatisch herstellen lassen. Führt man diesen Gedanken weiter, dann würde der Kunde das Produkt über ein Internet-Portal konfigurieren, bekäme gleich die Lieferzeit oder den Herstellungstermin angezeigt und hätte so mittelbar Zugriff auf die Fertigung. Ebenso wird die Vernetzung zwischen Herstellern und Zulieferern weiter zunehmen. Es spricht nichts dagegen, dass „Nachschub“ in Zukunft nicht von einem Mitarbeiter, sondern gleich von der Maschine bestellt wird.

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VDE/ZVEI-Mikroelektronik-Symposium

Eindrück vom 5. Mikroelektronik-Symposium von VDE und ZVEI in Berlin.

Mangelnde Datensicherheit hemmt Digitalisierung

Bis jetzt mag das in der einen oder anderen Pilot-Fertigung bei Großunternehmen schon prototypisch so ablaufen. Für 90 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen ist die Sicherheit der Daten aber nach wie vor das größte Hemmnis bei der Digitalisierung. ZVEI-Präsident Michael Ziesemer trug denn auch vier Punkte vor, bei denen teilweise auch die Unterstützung der Politik gefragt ist:

  • Schutz vor Spionage und Sabotage,
  • den Schutz personenbezogener Daten von Kunden und Mitarbeitern als Akzeptanz der Geschäftsaktivitäten,
  • die Klärung der Eigentumsfrage an Daten in Maschinen, Fahrzeugen, Geräten etc.,
  • die Abwehr der Monopolisierung von Daten (durch international tätige Konzerne).

Ziesemer beklagte, dass es mit der „Plattform Industrie 4.0“ nicht mehr vorangehe, seitdem die Verbände sie an die Bundesministerien für Wirtschaft und Bildung/Forschung übergeben hätten. Gleichzeitig mahnte er ein schnelleres Tempo bei der Digitalisierung an, denn „sonst werden Firmen aus Übersee neue datenbasierte Dienste anbieten, nicht weil sie besser sind oder die Technik haben, sondern weil sie mehr von Marketing verstehen.“ Zu Patenten als Maß für die Innovationskraft berichtete Ziesemer, dass China im Jahr 2014 insgesamt 2500 Patente erlangt hat, die mit IT-Sicherheit im Zusammenhang stehen, die USA etwa halb so viele und Deutschland nur ca. 500. Trotzdem sieht er die deutsche Industrie im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt: „Wo ist Deutschland stärker als bei eingebetteten Systemen?“ – Deutschland sei Weltlieferant für Automatsierung und Maschinen und wenn die Herausforderungen, die die IT-Sicherheit bereitet, zuverlässig gelöst werden, spräche nichts dagegen, dass Deutschland die Welt auch mit Sicherheitstechnik „Made in Germany“ versorgt.