Computermodule Standardisiert oder firmenspezifisch?

Computermodule-Markt mit Pseudo-Standard und Maker Communitiy.
Computermodule-Markt mit Pseudo-Standard und Maker Communitiy.

Der Markt für Computermodule ist von großer Vielfalt geprägt. Mancher »Standard« ist so herstellerspezifisch, dass man eher von einem Pseudo-Standard sprechen muss.

Darüber und wie die Maker Community das Geschäft mit Computermodulen beeinflusst, sprachen wir mit Christian Eder, Marketing-Chef bei Congatec.

Elektronik: Wie beurteilen Sie Computermodul-Standards im Spannungsfeld von offizieller Standardisierung und herstellerspezifischen Standards?

Christian Eder: Für uns, für Congatec, kommt es bei Computermodulen auf ein gewisses Maß an Austauschbarkeit und eine gewisse Lebenszeit an. Das ist doch der Zweck eines Moduls, dass man nicht von einem einzigen Hersteller abhängig ist und den Lebenszyklus seines Produkts durch den Wechsel des Moduls verlängern kann. Das ist auch gut in der Historie der Module sichtbar: Der erste richtig erfolgreiche Modulstandard war ETX. Es gab zwar auch andere, vielleicht auch bessere Module zu dieser Zeit, aber alle waren nur von einzelnen Herstellern verfügbar. Seinerzeit war es der kleinen Firma JUMPtec gelungen, Advantech als großen Hersteller mit ins Boot zu holen und vom ETX-Konzept zu überzeugen. So konnte JUMPtec als kleiner Lieferant auch große Kunden adressieren, denn große Kunden bestellen meist bei großen Lieferanten.

Ein kleiner Lieferant wäre ein zu großes Risiko, denn wenn der – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr liefern kann oder nicht mehr existiert, dann steht das Großunternehmen plötzlich ohne Lieferant da. Erinnern Sie sich noch an die Lieferverzögerung des Airbus A380, weil die Kabelbäume nicht lieferbar waren? – Das war so ein Fall. Mit einer Second Source ist dieses Risiko deutlich reduziert.
Andererseits sind auch die proprietären Module ein großer und interessanter Markt. Gerade die ARM-Module haben viele Spezial-Interfaces, die man auf einem standardisierten Steckverbinder gar nicht alle unterbringen könnte. Hier helfen Module, einen Baustein einzusetzen, ohne ein komplettes Design auf Chip-Ebene machen zu müssen.

Elektronik: Wie unterscheiden sich Ihrer Meinung nach Standards von offiziellen Gremien wie der PICMG und von Firmenkonsortien wie z.B. bei SMARC?

Christian Eder: Der Vorteil der Firmenkonsortien ist eine sehr zielgerichtete und schnelle Aktivität. Sowohl SMARC als auch Qseven sind ja erstmal durch direkte Zusammenarbeit mehrerer Firmen entstanden und dann später durch die SGET auf eine neutrale Basis gestellt worden.
Bei COM Express, einer PICMG-Spezifikation, arbeiten wir jetzt seit über einem Jahr an der Type-7-Definition. Die eigentliche Definition ging relativ schnell. Mitte letzten Jahres ist sogar schon das Pin-out für Type 7 für PICMG-Mitglieder veröffentlicht worden und es gibt auch schon Produkte, die konform sind. Aber bis die offizielle Spezifikation fertig ist, das dauert durch die festgelegten Prozesse und die vorgeschriebenen Rückmeldefristen einfach ewig – selbst bei so einer vergleichsweise kleinen Änderung. Andererseits kann man mit etwas mehr Zeit die Dinge auch gründlicher durchdenken. Da muss man der PICMG zugute halten, dass sie auch sehr genau arbeitet.

Elektronik: Der Wechsel von SMARC 1.1 zu 2.0 brachte einen starken Bruch mit sich. Wie verträgt sich das mit der angestrebten Kontinuität?

Christian Eder: Das stimmt, die Kontinuität ist aber ansatzweise gegeben. Die Ursache für den Bruch ist, dass sich der Fokus von SMARC geändert hat. Ursprünglich war SMRAC nur für die ARM-Architektur gemacht; bei SMARC 1.1 hat man dann aber die x86-Welt doch mit einbezogen, aber das war nicht wirklich sauber gemacht. Von daher waren mit SMARC 2.0 Aufräumarbeiten angesagt. Und wenn man das schon macht, kann man auch wirklich aktuelle Techniken berücksichtigen, wie z.B. das MIPI-CSI-Interface für Kameras und Displays oder echtzeitfähiges Ethernet.