Prism-Affäre Snowden-Dokumente enthüllen Kooperation Microsofts mit Geheimdienst

Dokumente, die der Ex-Gemeindienstmitarbeiter Edward Snowden dem Guardian zugespielt hat, sollen eine intensive und anhalte Zusammenarbeit zwischen Microsoft und den US-Geheimdiensten belegen.

Laut einem Bericht, den der englische Guardian veröffentlicht hat, arbeitet Microsoft eng mit den US-Geheimdiensten zusammen. Zwar hat Microsoft in einem Statement mitgeteilt, dass es »keine Änderungen an Skype« durchgeführt hätte, um das Sammeln von Daten im Rahmen des Prism-Programms zu ermöglichen, doch zeigt der Bericht, dass diese Änderungen bereits Monate vor der Akquisition von Skype durch Microsoft gemacht wurden.

Die Dokumente, die dem Guardian vorliegen und von Edward Snowden stammen, zeigen, dass Microsoft mit der NSA kooperierte, damit diese die Kommunikation der Kunden abhören konnte. Außerdem wurde die NSA in die Lage versetzt, auf die Kommunikation zuzugreifen, bevor diese verschlüsselt wurde. Insbesondere ging es hier um ein neues Web-Chat-Feature im Portal Outlook.com. Dem Bericht zufolge hatte die NSA Bedenken, die Chats nicht abhören zu können, da diese verschlüsselt sind. Microsoft verschaffte der NSA daraufhin einen Zugang zu den Chat-Messages, bevor diese verschlüsselt wurden. Die Überwachung funktioniert den Dokumenten zufolge seit dem 12. Dezember 2012. Zwei Monate später wurde das Outlook-Portal live geschaltet. Da auch alle Hotmail-Accounts auf Outlook.com umgestellt wurden, sind auch diese betroffen.

Außerdem zeigen die Dokumente:

  • Microsoft arbeitete mit dem FBI zusammen, um der NSA einen Zugang zu ihrem Cloud-Speicherdienst Skydrive zu gewähren, der von mehr als 250 Millionen Kunden weltweit genutzt wird.
  • Microsoft kooperierte außerdem mit dem FBI, um »Probleme« zu lösen, die durch die Nutzung von Email-Aliasnamen entstehen, die die Kunden sich in Outlook.com zulegen können. Seitens der Dienst bestanden offenbar Bedenken, dass die Zielpersonen dadurch ihre Identität verschleiern könnten.
  • Im Juli 2012, neun Monate nach der Übernahme von Skype durch Microsoft, brüstete sich die NSA damit, dass neue Möglichkeiten dazu geführt hätten, dass durch Prism inzwischen dreimal so viel Videomaterial gesammelt werden konnte.
  • Daten, die über Prism gesammelt werden, werden routinemäßig an das FBI und die CIA weitergegeben. Eines der Dokumente bezeichnet das Programm als "Mannschaftssport".

Die neuesten NSA-Enthüllungen zeigen auch die Spannungen, die zwischen dem Silicon Valley und der Obama-Administration bestehen. Alle großen Technologie-Firmen wollen erreichen, dass die Regierung ihnen erlaubt, die Abhörmaßnahmen und die Zusammenarbeit zu der sie verpflichtet wurden, in vollem Umfang öffentlich zu machen, weil sie auf besorgte Kundenanfragen zum Thema Datenschutz antworten wollen.

Microsoft berief sich in einer Stellungnahme darauf, dass »wir bei Updates oder Upgrades von Produkten den derzeitigen oder zuküftigen gesetzlichen Anforderungen entsprechen müssen.« Gleichzeitig beharrte das Unternehmen darauf, dass es sich nur um einzelne Anfragen nach bestimmten Nutzerkonten oder Kennungen handele. 

Nicht nur Microsoft betroffen

Die Snowden-Dokumente zeigen jedoch, dass die NSA über das Prism-Programm »direkten Zugriff« auf die Systeme vieler großer Internet-Firmen hat, inklusive Microsoft, Skype, Apple, Google, Facebook und Yahoo. Pauschalanordnungen eines US-Geheimgerichts erlauben den direkten Zugriff auf Kommunikation ohne gesonderte richterliche Anordnung, sobald die NSA der Auffassung ist, dass die Zielperson kein US-Bürger ist und sich nicht auf dem Staatsgebiet der USA aufhält. Für die Überwachung von US-Bürgern braucht die NSA einen gesonderten Vollstreckungsbefehl. Für Ausländer oder Ziele im Ausland gilt das nicht.

Noch im April hatte Microsoft eine Datenschutz-Kampagne mit dem Slogan »Your privacy is our priority« gestartet. Ebenso behauptet Skype – inzwischen im Besitz von Microsoft – dass persönliche Daten, Verbindungsdaten und Kommunikationsinhalte streng geschützt seien. Interne Dokumente der NSA, die als »streng geheim« eingestuft sind, belegen nun aber eine intensive und anhaltende Zusammenarbeit zwischen den Firmen und den Diensten.