Kundenspezifisch angepasst Raspberry Pi individuell

Kundenspezifisch angepasstes Raspberry Pi Compute Module in einem Display von NEC.
Kundenspezifisch angepasstes Raspberry Pi Compute Module in einem Display von NEC.

Obwohl die Broadcom-Prozessoren der Raspberry-Pi-Boards nicht auf dem freien Markt erhältlich sind, gibt es bei Farnell eine Möglichkeit, kundenspezifische Raspberry-Pi-Module fertigen zu lassen. Aber das ist mit Hürden verbunden.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Maker-Boards sind Prozessoren von Broadcom, die auf den inzwischen drei Generationen von Raspberry-Pi-Boards eingesetzt werden, nicht auf dem freien Markt zu bekommen. Das ist auch der Grund dafür, warum es keine Alternativ-Designs zu den offiziellen Raspberry-Pi-Produkten gibt. Während auf Boards wie Beagle Bone, Banana Pi oder UDOO Prozessoren eingesetzt werden, die man beim Distributor bestellen und darum herum ein eigenes Board entwickeln kann, ist das bei den Broadcom-Chips 2835, 2836 und 2837 nicht möglich. Der Grund: Die Chips wurden eigens für Raspberry Pi Trading – den kommerziellen Zweig der Raspberry Pi Foundation – entwickelt und es gibt eine Abmachtung zwischen beiden Partnern, dass diese Prozessoren nicht frei verkauft werden.

Dennoch gibt es inzwischen eine Möglichkeit, an ein kundenspezifisch hergestelltes Raspberry-Pi-Board oder -Modul, aber man muss dabei über Farnell gehen. Farnell ist neben RS Components einer der beiden offiziellen Fertigungspartner von Raspberry Pi Trading, stellt also die im Handel überall erhältlichen Raspberry Pis her. Dass es dieses »Schlupfloch« jetzt gibt, hängt auch mit der Veröffentlichung des Raspberry Pi Compute Module 3 (CM3) zusammen und damit, dass das erste Compute Module nicht besonders erfolgreich war.

Für industrielle Massenprodukte

Richard Curtin, Senior Director Strategic Technology Partnerships bei Farnell bezeichnet die erste Generation des Raspberry Pi Compute Modules in bestem britischen Englisch als „toe into the water“ – mit dem Zeh ins Wasser – um zu testen, wie die Industrie reagiert. Dass die Resonanz nicht besonders groß war, führt er darauf zurück, dass es keinen Service und Support rund um das Produkt gab. Das ist auch der Grund dafür, dass es von der zweiten Raspberry-Pi-Generation kein Compute Module gab. Doch mit dem CM3 gibt es nun einen neuen Versuch, und diesmal steckt Farnell nicht nur den Zeh sondern zumindest schonmal einen ganzen Fuss ins Wasser. Denn die Macher haben erkannt, dass sie kundenspezifische Anpassungen erlauben müssen, wenn sie mit Raspberry Pi in einen industriellen Massenmarkt wollen.

Fixgrößen kundenspezifischer Raspberry Pis sind auf jeden Fall der Broadcom-Prozessor, der auch einer früheren Raspberry-Pi-Generation entstammen kann sowie der Arbeitsspeicher. Alles andere ist verhandelbar. Wegen der erwähnten Abmachung zwischen Broadcom und Raspberry Pi Trading darf der Kunde das Design nicht selbst durchführen, sondern muss es bei Farnell in Auftrag geben. Dabei gibt es einigen Abstimmungsbedarf: Farnell prüft nach einer Anfrage nicht nur die technische sondern auch die rechtliche Machbarkeit. Bei letzterer geht es darum, ob die gewünschten Änderungen sich mit der Geschäftsbeziehung und den zwischen Broadwell und Raspberry Pi Trading getroffenen Vereinbarungen vertragen. Die technische Prüfung betrifft die Kompatibilität der Änderungen beim Zusammenspiel von Peripherie-Bausteinen mit dem Broadcom-Chip, mit EMV-Vorschriften und Treiber-Software, die in den Linux-Kernel des Raspberry Pi (typischerweise Raspbian) integriert werden muss.