Industrielle Anwendung Pro und Contra Open Source Software

Bei der Integration von Open Source in ein kommerzielles Produkt gibt es ein paar Dinge zu beachten, über die man sich vor dem Markteintritt im Klaren sein sollte.

Open Source Software lebt vom Geben und Nehmen. Software-Projekte werden veröffentlicht und die Entwickler können ihr Produkt durch das Feedback der Nutzer verbessern. Oft ist das Interesse der Nutzer so groß, dass sie sich aktiv an der Entwicklung beteiligen. Interessante Projekte können so schnell wachsen und die Fähigkeiten vieler Beteiligter mit einfließen lassen. Diese immense Wissensbasis eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, wie man an einschlägigen Office-Paketen, Web-Browsern und Messengern sehen kann. Auch für Themen wie verschlüsselte Kommunikation und anonymes Surfen im Netz wurden Lösungen entwickelt, lange bevor dies bei kommerziellen Firmen aktuell wurde.

Aber genau in dieser Wirkungsweise steckt auch ein gewisses Risiko für kommerzielle Nutzer. Open Source Software ist nur so stark wie ihre Community. Aktuelle Themen oder Software des täglichen Lebens werden in der Regel eine ausreichend große Entwicklerbasis über längere Zeit halten können. Spezielle Themen, an denen wenige Einzelne aktiv sind, bleiben dagegen oft nur so lange interessant, wie die treibenden Entwickler diese Technologien benötigen. Zeit, Ressourcen und auch Interesse sind danach an andere Projekte gebunden, sodass Wartung, Pflege und Weiterentwicklung an älteren Software-Paketen nicht selten zum Erliegen kommt. So können Projekte auch sehr schnell wieder verschwinden. Überbleibsel derartiger Projekte finden sich überall in den einschlägigen Open-Source-Portalen wie z.B. Sourceforge. Ganz gravierend ist hierbei das Thema Software-Pflege – ein Konsument kann ggf. auf eine andere Anwendung umsteigen, welche dieselben Funktionen bietet. Im industriellen Umfeld ist eine langfristige Verfügbarkeit unumgänglich – die Software sollte entsprechend der langen Maschinennutzdauer (von bis zu 50 Jahren) auch entsprechend langfristig gepflegt und ggf. ausgebaut werden.

Das andere Extrem tritt dann ein, wenn ein Projekt sehr erfolgreich ist und von einem Unternehmen gekauft wird. Die Weiterentwicklung steht dann öffentlich nicht mehr zur Verfügung.

Software ohne Gewähr

Für kommerzielle Nutzer kann dies schnell zu einem Problem werden. Während sich ein privater Anwender über langwierige oder ausbleibende Antworten auf seine Support-Anfragen nur ärgert, können sich für einen kommerziellen Entwickler dadurch Fertigstellungstermine verschieben. Noch problematischer wird es, wenn ein Fehlerfall beim Kunden auftritt. Hier ist sehr schnelle Reaktion gefragt, weil eine stillstehende Produktionsanlage immense Verluste verursacht. Die 

Macher von Open Source Software übernehmen in solchen Fällen keine Verantwortung. Der Integrator muss das Problem selbst lösen und den entstandenen Schaden selbst übernehmen.

Hersteller von kommerzieller Software müssen mindestens die gesetz­liche Gewährleistung bieten. Aus ei­genem Interesse verbessern sie die Software, um wettbewerbsfähig zu bleiben, und bieten Kunden darüber hinaus oft die Möglichkeit zu erweitertem Support oder lassen sie durch Updates und vergünstigte Upgrades an den Vorteilen der Weiterentwicklung teilhaben. Nach Absprache kann auch Langzeitverfügbarkeit vereinbart werden. Fehlersuche und -Behebung wird zudem als weiterer Service angeboten.