Kommentar Microsofts peinliche Werbekampagne

Microsoft-Anzeige, gesehen in der Zeitschrift Cicero
Microsoft-Anzeige, gesehen in der Zeitschrift Cicero

»Der Schutz Ihrer Privatsphäre steht für uns an erster Stelle« behauptet Microsoft in einer Werbekampagne. Besser könnte die Selbstironie nicht sein.

Was den Datenschutz betrifft haben die großen Internet-Unternehmen ja auch vor den Snwoden-Enthüllungen schon nicht den besten Ruf gehabt. Der Verdacht, dass mit Kundendaten ein eher laxer Umgang gepflegt wird, richtete sich bisher aber eher gegen die Werbetreibenden. Dabei profitieren die Unternehmen davon, dass auch viele Kunden recht sorglos sind was persönliche Daten betrifft. Kunden(überwachungs)karten à la Payback und andere werden an der Kasse bereitwillig gezückt und das Gechäftsmodell von Google »kostenlose Dienstleistungen gegen persönliche Daten« stößt auf breite Akzeptanz.

Google behauptet, man wäre nicht an der Identifizierung einzelner Personen interessiert, sondern an möglichst präzisen Persönlichkeits- und Interessenprofilen, um Werbung zielgenau ausliefern zu können. Das klingt plausibel. Gleichwohl nutzen viele Menschen die Dienste mit einem gewissen Unbehagen. Dieses Unbehagen adressiert auch Microsoft mit einer Werbekampagne für den Internet Explorer. »Manches teilt man gern online. Anderes nicht,« heißt es da. Die Abbildung einer jungen Frau und ihrer Mutter in der Küche (da gehören Frauen ja schließlich auch hin, nichtwähr...?) wird unterlegt mit: »Sie spricht mit Mama über alles – ausser über ihren ersten Freund.«

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Microsoft-Anzeige zum Datenschutz

Noch kurz bevor der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Snowden enthüllt, dass Microsoft den US-Geheimdiensten beim Abhören behilflich ist, startete Microsoft eine Werbekampagne zum Datenschutz

In einem unter dem Bild abgedruckten Text wird dann auf die Vorzüge der »Do not track«-Funktion des Internet Explorers hingewiesen, die vor »unerwünschter Nachverfolgung« schützen  soll. Dass die Werbetreibenden diese Funktion auf freiwilliger Basis unterstützen müssen wird nicht erwähnt.

Das Dicke Ende aber kommt zum Schluss: »Der Schutz Ihrer Privatsphäre steht für uns an erster Stelle«. Seit letzter Woche wissen wir, welchen Einschränkungen dieser Schutz unterliegt. »Die US-Gesetzgebung erlaubt den Zugriff von Kommunikationsdaten von Ausländern in sehr breitem Umfang, da ist nicht etwa eine richterliche Genehmigung mit Namen und einem Verdächtigen erforderlich.« sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar in einem Interview für den Bayerischen Rundfunk. 

Man sollte sich allerdings von dem Gedanken frei machen, dass persönliche Daten bei Apple, Google, Yahoo oder anderen besser aufgehoben sind. Und auch in Berlin fällt die Empörung über die ganze »Yes, we scan!»-Affäre ja verdächtig kleinlaut aus. Heute früh wird in den Radionachrichten berichtet, der BND hätte über die Abhöraktivitäten jahrelang Bescheid gewusst. Ich denke, wir werden uns in den nächsten Tagen und Wochen noch über einige weitere erstaunliche Nachrichten wundern. Wobei: Mich wundert dabei eigentlich nicht mehr. Allerdings werde ich in nächster Zeit mal die niederländische Suchmaschine Ixquick ausprobieren.