Dank Virtualisierung MEN erhält Innovationspreis für Bahn-Computersystem

Urkundenübergabe an die beiden men-Geschäftsführer Bernd Härtlein (mit roter Krawatte) und Manfred Schmitz (mit Urkunde).
Urkundenübergabe an die beiden men-Geschäftsführer Bernd Härtlein (mit roter Krawatte) und Manfred Schmitz (mit Urkunde).

Für sein »Railway Data Center«, einen Bordcomputer für Züge, hat MEN den Innovationspreis des CNA e.V. erhalten, eines Kompetenznetzwerks und einer Interessenvertretung für Verkehr und Logistik.

Die Anforderungen an Rechnersysteme an Bord von Zügen sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Die Kunden erwarten WLAN an Bord sowie ausführliche und in Echtzeit aktualisierte Informationen über den eigenen Zug und mögliche Anschlüsse. Die Betreiber wiederung stehen durch die Ausschreibung der Verkehrsleistungen im Regionalverkehr unter hohem Kostendruck.

Mit dem »menRDC Railway Data Center« hat MEN eine Rechnerplattform aus aufeinander abgestimmten Komponenten entwickelt, die sämtliche nicht-kritischen (non-vital) Funktionen im Zug bündelt. Durch die Virtualisierung der Hardware kann das menRDC verschiedenste Funktionen wie Fahrgastinformation, On-Board-Internet, Predictive Maintenance, Videoüberwachung, Fahrer-Assistenz oder die Zug-Land/Zug-Zug-Kommunikation in einem System vereinen. Das robuste EN 50155-konforme Design macht das menRDC sofort einsetzbar im Zug.

Für die Virtualisierung setzt MEN auf Open Source und verwendet Linux KVM (Kernel-based Virtual Machine) auf einer x86-Hardware. Linux KVM macht Linux zu einem Type-1-Hypervisor, auf dem die Instanzen der Gast-Betriebssysteme laufen. Sie können über einen virtuellen Ethernet-Switch miteinander kommunizieren.

Kostengünstig durch Konsolidierung

Dieser offene und modulare Ansatz bringt vielfältige Vorteile mit sich: 

  • Die Anschaffungskosten für die Hardware beschränken sich auf nur ein System, anstatt wie bisher viele verschiedene Systeme für die jeweilige Anwendung.
  • Durch weniger Verkabelung, geringeres Gewicht und Platzbedarf entstehen weniger Kosten bei der Installation und im Energieverbrauch und macht eine zukünftige Wartung erheblich leichter.
  • Neue, zusätzliche oder geänderte Anwendungs-Software erfordert keine andere oder gar zusätzliche Hardware. Außerdem erlaubt Virtualisierung die strikte Abkopplung zwischen mehr und weniger sensitiven Anwendungen auf ein und demselben System.
  • Virtualisierung gestattet auch die Konfiguration von redundant laufenden Anwendungen und vereinfacht im Bedarfsfall die Konfiguration hoch verfügbarer Systeme.
  • Das Life-Cycle-Management eines offenen Systems ist begrenzt auf den Austausch einzelner PC-Komponenten, ohne die Gesamtsystemfunktionalität zu beeinträchtigen. Die Lebensdauer der Anwendung/en selbst ist damit praktisch unbegrenzt.
  • Die so gewonnene Unabhängigkeit vom Zulieferer begünstigt nicht zuletzt schließlich die Migration vom rein investierenden zum modernen Service-orientierten Geschäftsmodell.

Auf der Preisverleihung für den Innovationspreis, die am 14. Juli auf dem Firmengelände der MEN stattfand, lobte Norbert Schäfer, Vorstandsvorsitzender CNA e.V., das hohe ökonomische und ökologische Potenzial durch das innovative Konzept, welches flexible Einsatzmöglichkeiten bietet.

Christian Vogel, 2. Bürgermeister der Stadt Nürnberg, betonte die Brisanz für kostenbewusste und energiesenkende Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Personenschienenverkehrs, um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein.

Manfred Schmitz und Bernd Härtlein, Geschäftsführer der MEN, nahmen den Preis stolz entgegen und sehen das menRDC zusammen mit der sicherheitskritischen Systemfamilie menTCS als einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zum Lieferanten der ersten Wahl für zuverlässige Embedded-Rechner im Bahnmarkt.