S&T Kontron-Übernahme ist beschlossene Sache

Ausschnitt aus einer S&T-Präsentation: Die Kontron-Übernahme ist für 2017 eingeplant.
Ausschnitt aus einer S&T-Präsentation: Die Kontron-Übernahme ist für 2017 eingeplant.

Eine Präsentation für Investoren der österreichischen S&T zeigt bereits einen konkreten Plan für die Übernahme der Kontron AG.

Nach dem Stühlerücken im Aufsichtsrat hat Kontron in einer Ad-hoc-Meldung die Nachricht nachgeschoben, dass S&T-Vorstand Hannes Niederhauser im Kontron-Vorstand einen Platz als Chief Operating Officer bezogen hat.

Wie gestern gemeldet, hat S&T knapp 30 Prozent der Kontron-Aktien erworben. Unterdessen ist auf der Homepage von S&T eine Geschäftspräsentation aufgetaucht, aus der bereits die Planung für einen Zusammenschluss von Kontron und S&T hervorgeht.

Der Umsatz von S&T beläuft sich 2016 auf voraussichtlich 480 Millionen Euro (Kontron: knapp 400 Millionen). S&T macht sein Geschäft zu ca. einem Drittel mit proprietärer Hardware für Märkte wie Indudstrie, Infotainment, Medizin und Smart Energy sowie zu zwei Dritteln mit Software und fungiert hier als IT-Dienstleister, der sich auf Cloud-Dienstleistungen und Security konzentriert. Erst im September 2016 hat S&T sogar den Sprung in den TecDAX geschafft. Dass das Unternehmen in Deutschland trotzdem weniger bekannt ist, liegt daran, dass der Schwerpunkt der geschäftlichen Tätigkeit in Osteuropa liegt.

Mit Kontron möchte sich S&T ein drittes Standbein im Bereich Embedded-Systeme aneignen. Das Kalkül: Kontron und S&T bedienen im IoT- und Industriesegment ähnliche Kunden, wobei Kontron noch zusätzliche Branchen mit in das Geschäft einbringt, etwa Kommunikation und Luftfahrt. Außerdem würde Kontron das Geschäft von S&T geografisch nach Amerika und ein wenig nach Asien erweitern.

Schon im Laufe des Jahres 2017 soll Kontron wieder profitabel werden – allerdings nicht nur durch Kosteneinsparungen, sondern auch durch zusätzliche Wertschöpfung. Die soll so aussehen, dass S&T-Software in Kontron-Produkte integriert wird. Gleichzeitig sollen die Verwaltungskosten bei Kontron gesenkt werden. Im Bereich der Fertigung ist eine stärkere Kooperation mit dem bestehenden Partner Ennoconn geplant.

Ennoconn nimmt auch eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung der geplanten Kontron-Übernahme ein, indem das taiwanische Unternehmen sein Investment in S&T erhöht. Schon im Januar 2017 soll die betriebliche Verschmelzung von Kontron und S&T beginnen. Der Vorstandsposten für Hannes Niederhauser ist der erste Schritt auf diesem Weg. Wenn es nach seinem Zeitplan geht, werden die Kontron-Aktien im Juni 2017 von der Börse verschwinden.