Urbanisierung KI macht Cities smart

Weltweiter Billionen-Markt bis 2025 im Bereich Künstliche Intelligenz.
Weltweiter Billionen-Markt bis 2025 im Bereich Künstliche Intelligenz für smarte Städte.

Einer Studie von Frost & Sullivan zufolge werden »Smart Cities« bis 2025 einen weltweiten Markt von zwei Billionen US-Dollar schaffen. KI-Techniken sind ein wesentlicher techologischer Treiber.

Bis 2050 werden über 80 Prozent der Bevölkerung in den Industrieländern in Städten leben. In den Entwicklungsländern werden es den Schätzungen nach mehr als 60 Prozent sein. Der Aufbau von »intelligenten Städten«, englisch »Smart Cities«, soll zu einer Urbanisierung führen, bei der technologische Fortschritte den Kommunen bei der Optimierung von Ressourcen helfen, um einen maximalen Wert für die Bevölkerung zu schaffen, sei es finanzieller Art, Zeitgewinn oder zur Verbesserung der Lebensqualität.

Wann sind Städte „smart“?

Was bedeutet es aber konkret, wenn Städte »smart« sind? Smart steht zunächst dafür, dass immer mehr Objekte über das Internet verbunden werden und auf Daten oder Ereignisse aus ihrer Umgebung reagieren können. Dazu wird Informations- und Kommunikationstechnologie in die verschiedenen Bereiche städtischen Lebens integriert. Die Analysten von Frost & Sullivan nennten in ihrer Studie folgende Bereiche, in denen IKT die Stadt smart machen kann:

  • Öffentliche Verwaltung und Bildung: E-Government, elektronische Bildungsangebote, Katastrophenschutz
  • Gesundheitswesen: E-Health, M-Health, verbundene medizinische Geräte
  • Gebäudemanagement: Gebäude¬automatisierung im Bereich Klima, Licht, Sicherheit
  • Smart Mobility: adaptive Verkehrslenkung, Parkraum-Management, nachfragegesteuertes (Maut-)Gebührenmanagement
  • Infrastruktur: Sensor-Netzwerke,
  • Digitales Wasser- und Abwasser-Management
  • Kommunikation: 4G-Netzwerkabdeckung mit 5G in Vorbereitung, freie WLAN-Angebote, Ultra-Breitband-Versorgung
  • Energieversorgung: Smart Grids, Smart Meters, intelligente Energiespeicherung
  • Smart Citizen: ökologische Mobilitätsangebote, Plattformen für ehrenamtliches Engagement, Smart Lifestyle
  • Smart Security: Überwachung, Biometrie, Verbrechensvorhersage

Künstliche Intelligenz spielt dabei eine Schlüsselrolle in den Bereichen intelligentes Parken, Smart Mobility und Smart Grids, adaptive Signalsteuerung sowie Abfallmanagement in den Smart Cities. Führende Unternehmen wie Google, IBM und Microsoft bleiben weiterhin die wichtigsten Technologie-Innovatoren und treibenden Kräfte bei der Einführung von KI.

„Künstliche Intelligenz (KI) ist der in den vergangenen zwei Jahren am stärksten finanziell geförderte technologische Innovationsraum, mit hohen Investitionen von unabhängigen und Corporate Venture Capital-Gesellschaften,” erklärt Jillian Walker, Principal Consultant der Frost & Sullivan Visionary Innovation Group.

Europa gut vertreten

Laut der Studie von Frost & Sullivan gilt eine Stadt als smart, wenn Sie Aktivitäten in mindestens fünf der oben aufgezählten Bereiche vorweisen kann. In einem komplexen Bewertungsverfahren, bestehend aus qualitativen und quantitativen Faktoren, hat Frost & Sullivan smarte 50 Städte untersucht. Unter den Top-15-Städten sind neun Städte aus Europa (u.a. Amsterdam, Kopenhagen, London und Paris), vier US-Städte (Chicago, Los Angeles, San Francisco und New York) sowie zwei Städte aus Asien (Singapur und Seoul). Als einzige deutsche Stadt ist Berlin unter den Top 15 (und den 50 betrachteten Städten) vertreten. Etwas überraschend ist, dass Asien mit nur zwei Top-Städten vertreten ist, allerdings zählt Asien bis 2025 zur am schnellsten wachsenden Region. Dort wiederum wird die Hälfte der smarten Cities in China zu finden sein.

Bis 2025 sollen Smart Cities Geschäftsmöglichkeiten im Wert von voraussichtlich über zwei Billionen US-Dollar generieren. Die technologischen Eckpfeiler aus den oben genannten Bereichen, die zur »Intelligenz« einer Stadt beitragen, sind u.a. KI, personalisiertes Gesundheitswesen, Robotik, moderne Fahrerassistenzsysteme (ADAS), dezentrale Energiegewinnung und fünf weitere Technologien.

Auch wenn Asien am schnellsten wächst – Nordamerika ist dicht auf den Versen, weil sich dort viele »Tier-2-Städte« befinden, die darum bemüht sind, ihr Smart-City-Portfolio auszubauen, z.B. Denver und Portland. Der nordamerikanische Markt für Smart Buildings wächst bis 2020 mit intelligenter Sensorik, Systemen, Hardware, Steuerung und Software auf einen Gesamtwert von 5,64 Milliarden US-Dollar.

In Europa wiederum wird man weltweit die meisten Investitionen in Smart-City-Projekte finden, ausgelöst durch das Engagement der Europäischen Union in Bezug auf die Entwicklung solcher Initiativen.

Den europäischen Markt für App-gestützte Taxi- und Fahrdienste schätzt Frost & Sullivan derzeit auf ein Volumen von 50 Milliarden US-Dollar. Er soll bis 2025 voraussichtlich auf 120 Milliarden ansteigen. Die Analysten sehen darin »eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Smart- Mobility-Lösungen«. Öffentliche Verkehrsmittel kommen in der Studie nicht vor. Hier darf sich jeder sein eigenes Urteil bilden, wie realistisch eine solche Einschätzung wohl sein mag.

In Lateinamerika entwickeln Städte wie Mexico City, Guadalajara, Bogotá, Santiago, Buenos Aires und Rio de Janeiro Smart-City-Initiativen. In Brasilien erwirtschaften Smart-City-Projekte bis 2021 knapp 20 Prozent der Gesamtumsätze von 3,2 Milliarden US-Dollar im Bereich IoT (Internet of Things).
»Derzeit bieten die meisten Smart-City-Modelle Lösungen in Datensilos, die nicht miteinander vernetzt sind. Die Zukunft besteht aus integrierten Lösungen, die alle vertikalen Branchen auf einer einzigen Plattform vereinen. Das IoT ebnet bereits den Weg für solche Lösungen,« fügt Vijay Narayanan, Visionary Innovation Senior Research Analyst bei Frost & Sullivan, hinzu.