Hat der Internet-Riese die Öffentlichkeit belogen? Google arbeitet möglicherweise enger mit NSA zusammen als gedacht

Edward Snowden gab Einblicke in das Ausmaß der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von US-Diensten.
Edward Snowden gab Einblicke in das Ausmaß der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von US-Diensten.

Google hat in der NSA-Affäre konsequent versucht, ein Bild zu zeichnen, in dem der Internet-Gigant von der NSA zur Zusammenarbeit gezwungen wurde und, dass er nicht an den NSA-Überwachungsprogrammen teilnimmt. Ein E-Mail-Verkehr zwischen Googles Top-Management und NSA-Chef Keith Alexander lässt zumindest Zweifel aufkommen.

Dem Medienhaus Al Jazeera Amerika sind im Rahmen des “Freedom Information Act” (dieser gibt jedem Bürger das Recht, Zugang zu Dokumenten der der Regierung der Vereinigten Staaten zu verlangen; das Gesetz wurde am 4. Juli 1966 von Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnet und trat ein Jahr später in Kraft) Dokumente zugekommen, aus denen sich auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Google und der NSA schließen lässt.

In einem E-Mail-Verkehr von 2012 (also vor der Snowden-Ära) zwischen Googles Aufsichtsratschef Eric Schmidt, Google-Gründer Sergey Brin und NSA-Chef Keith Alexander geht es um ein Treffen am Flughafen San Jose in Kalifornien, bei dem über Bedrohungsszenarien für Google selbst und die USA als ganzes gesprochen werden sollte. Brin sollte nach Alexanders Willen einer Gruppe von 18 CEOs beitreten, welche der NSA helfen soll, Sicherheitsfragen “effektiver adressieren zu können”.

Interessant erscheint vor allen Dingen der sehr entspannte Umgangston zwischen Alexander und den Google-Managern, Der Inhalt ist nicht sehr detailliert und fokussiert sich auf Abwehrstrategien bezüglich möglicher Bedrohungen von Außen und nicht auf Offensiv-Maßnahmen wie das PRISM-Programm.

Davon will Google nach eigenen Angaben keine Kenntnis haben, was entweder bedeutet, dass die NSA einerseits mit Google & Co. zusammengearbeitet hat und andererseits gleichzeitig hinter ihrem Rücken Spionage betrieben hat, oder aber es gibt noch eine Ebene der Zusammenarbeit, die nicht bekannt ist und an deren Aufdeckung die Unternehmen kein Interesse haben.

Auch wenn sich aus den vorgelegten E-Mails keine konkreten Beweise für die Verstrickung von Google in die Überwachungsmaßnahmen der NSA ableiten lassen, belegen Sie doch zumindest eines: Googles Beziehung zu der NSA war offensichtlich enger als man das bislang öffentlich dargestellt hat.