Industrielle PC-Boards »Es gibt gute Gründe, nicht alles in der Cloud zu machen«

PC-Boards sind Architektur Basis in der Industrie.
Dieter Baumann und Peter Hoser, Fujtsu Technology Solutions, Augsburg.

Zwei Experten von Fujitsu geben Auskunft über das industrielle Board-Geschäft, die Cloud, die Stellung von AMD und neue, kompakte Formfaktoren.

Fujitsu ist mit seiner Produktionsstätte in Augsburg ist einer der größten Lieferanten für Industrie-PC-Boards. Auch wenn das Smartphone den PC im Konsumentengeschäft längst überholt hat – in der Industrie ist die PC-Architektur Basis für viele Geräte. Wir haben mit Dieter Baumann, Leiter der Hardware- und Firmwareentwicklung sowie Vertriebschef Peter Hoser über Entwicklungen umd Markttends betragt.

Elektronik: Seit Jahren berichten Marktforschungsinstitute über den Rückgang des PC-Geschäfts. Spiegelt sich das auch bei Fujitsu wider?

Dieter Baumann: Bei Privatkunden lässt der Markt in der Tat stark nach. Wir waren jedoch schon immer primär im Geschäftskundenumfeld tätig. Daher spüren wir diese Veränderung nicht so stark.

Peter Hoser: Die Nutzungszeit der Geräte wird deutlich länger. Viele Kunden ersetzen die Geräte heute erst nach etwa fünf Jahren. Außerdem haben Notebooks Desktop-PCs zu einem gewissen Teil ersetzt.

Elektronik: Seit kurzem hat Fujitsu mit „IntelliEdge“ ein Komplettgerät mit Software als sogenannte Appliance im Portfolio. Treten Sie damit nicht in Wettbewerb zu Ihren Kunden, die teilweise dasselbe anbieten?

Peter Hoser:  Wir würden unseren Kunden Konkurrenz machen, wenn wir die komplette Bandbreite an Industrie-PCs anbieten würden. Das IntelliEdge als „Industrial IoT Gateway“ sehen wir eher als Abrundung unseres Lösungsportfolios von der Cloud bis zum Sensor. Natürlich könnten Sie IntelliEdge auch als Box-IPC betrachten – da wären wir dann einer unter vielen. Dieses Format wird zudem überwiegend von asiatischen Anbietern dominiert. Indem wir IntelliEdge auch unseren Mainboard-Kunden anbieten, stärken wir deren Wettbewerbsfähigkeit. Aber der Hauptschwerpunkt bei diesem Gerät liegt definitiv in der Software und der Ergänzung zu unseren sonstigen Unternehmenslösungen.

Dieter Baumann:  Der eigentliche Clou an dem Gerät ist, dass ich mit einer grafischen Oberfläche Zugriffsberechtigungen und Datenflüsse konfigurieren kann, ohne programmieren zu müssen. Ich kann also z. B. Daten aus der Fertigung, die mein Zulieferer benötigt, für ihn freigeben, ohne dass er einen kompletten Einblick in meine gesamte Fertigung erhält.

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Board- und PC-Fertigung bei Fujitsu Augsburg

Der Fujitsu Standort in Augsburg öffnete Ende 2017 die Tore für ausgewählte Journalisten. Hier zeigen wir Ihnen einige Impressionen aus den Werks- und Testhallen.

Elektronik: In den vergangenen Jahren wurde die Cloud sehr stark „gehyped“, im Moment scheint der Trend wieder zu mehr Rechenleistung vor Ort zu gehen…

Dieter Baumann: Es gibt gute Gründe, nicht alles in der Cloud zu machen. Ein Punkt ist die Datensicherheit: Einige Kunden möchten die Daten vor Ort haben und nicht nach draußen geben. Ein weiterer Punkt kann die Ausfallsicherheit sein, denn auf Cloud-Daten habe ich nur verlässlichen Zugriff, wenn auch eine stabile Internetverbindung vorhanden ist. Weiterhin ist in der Produktion die Reaktionszeit ein wichtiges Kriterium. Es gibt beispielsweise Augmented-Reality-Anwendungen, bei denen Daten in Live-Aufnahmen aus der Kamera eingeblendet werden. Dazu ist eine Reaktionszeit von wenigen Millisekunden erforderlich. Über einen Cloud-Service funktioniert das nicht.