Trend bei Entwicklungs-Tools Entwickeln in der Cloud

Was im kaufmännischen Bereich oder bei E-Mail gang und gäbe ist, setzt sich für die Entwicklung von Embedded-Software nur langsam durch. Microchip zeigt einen Weg, wie es gehen kann.

In den vergangenen Jahren haben sich mehrere integrierte Entwicklungsumgebungen (IDEs) in die Cloud verschoben oder wurden speziell dafür entwickelt. Für die Entwicklung von Webanwendungen (mit Javascript, HTML, CSS, PHP, ...) scheint dies sinnvoll – später kamen auch allgemeine Computeranwendungen wie Java, Python und Ruby hinzu. Die Embedded-Entwicklung hinkte dieser Entwicklung hinterher, was daran liegen könnte, dass das Zielsystem einer Embedded-Anwendung eher physikalisch ausgelegt ist.

Oder vielleicht liegt es auch an dem übertriebenen Hype rund um den Begriff „Cloud“, dass Entwickler Cloud-Produktankündigungen entweder mit Gleichgültigkeit oder vorsichtiger Skepsis betrachten. Es gibt zwei Sichtweisen auf das Thema Cloud: Die heutige Generation von Angestellten war und ist ihr ganzes Leben vernetzt. Für sie ist „online sein“ ein Teil ihrer täglichen Routine. Umgekehrt stellt ein Service oder ein Tool, das nicht rund um die Uhr verfügbar ist – dazu noch überall und auf jeder Rechnerplattform – eine Ano­malie dar.

Die andere Sicht stammt von einer pragmatischeren Gruppe, die vielleicht noch die Mehrheit repräsentiert und sich fragt, welche Vorteile sich ergeben, wenn die Entwicklungsumgebung in den Browser verschoben wird. Sie hegt Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Leistungsfähigkeit, und diese Gruppe braucht einen Beweis und eine Bestätigung, bevor sie eine solche neue Technologie akzeptiert. Für diese Gruppe ist die größte Motivation die Erkenntnis, dass moderne IDEs sehr leistungsfähig, aber sehr große und komplexe Objekte geworden sind. Sie erfordern häufige Updates und eine sorgfältige Wartung.

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Entwickeln in der Cloud

Entwicklungsumgebungen sind wartungsintensiv

So deckt die Entwicklungsumgebung MPLab X, die auf dem Netbeans-Open-Source-IDE-Projekt basiert, tausende verschiedene Mikrocontroller ab und wird monatlich aktualisiert. Der Download nimmt ca. 400 MB in Anspruch. Die zugehörigen C-Compiler (MPLab XC Compiler Suite) werden weniger häufig aktualisiert und benötigen zusätzlich ca. 100 MB. Werden weitere Plug-ins hinzugefügt, wird schnell ein Volumen von einem halben Gigabyte erreicht.

Hinzu kommt der Zeitaufwand, der für die Durchführung der eigentlichen Installation und der Wartung erforderlich ist. Wer ein kleines Labor in einer Bildungseinrichtung betreibt oder ein Team von professionellen Entwicklern unterstützt, weiß, wie viel Arbeit nötig ist, um alles auf dem neuesten Stand und in gutem Zustand zu halten. In solchen Umgebungen gibt es auch große Bedenken über das Berechtigungsmanagement, das für die Installation von Anwendungen auf gemeinsam genutzten Rechnern erforderlich ist.

Beim Einsatz einer Cloud-basierten Toolchain geht all diese Arbeit in einen einfachen Online-Login über. Gleichzeitig wird die aktuellste Version jeder Toolchain-Komponente (oder eine ausgewählte archivierte Version) dem Benutzer in einem Browser zur Verfügung gestellt.

Online zu sein eröffnet eine völlig neue Dimension der Embedded-Entwicklung. Sobald eine IDE virtualisiert ist, können Projekte schnell von Workstation zu Workstation übertragen werden. Die Arbeit, die an einem Ort erledigt wurde, lässt sich dann auf einem neuen, anderen Arbeitsplatz weiterführen. Die Arbeitsteilung und Kommunikation unter eng oder geografisch weit verteilten Teams wird natürlicher, gestrafft und vereinfacht das Einrichten sowie die Wartung.

Mit der jüngsten Einführung der Cloud-basierten MPLab Xpress IDE zeigt Microchip die Möglichkeiten auf, die eine moderne, Cloud-basierte Entwicklungsumgebung bietet: Die neue webbasierte Toolchain ist vielleicht nicht die erste, die Editoren und Compiler in der Cloud anbietet – sie ist aber die am vollständigsten ausgestattete aus Sicht des Hardware- und Software Support. Sie unterstützt rund 400 Mikrocontroller und wird demnächst das gesamte Microchip-Angebot an 8-, 16- und 32-bit-MCUs abdecken, womit mehr als 1000 Bausteine gemeint sind.

Entsprechend den angebotenen Software-Debugging-Funktionen steht eine Online-Simulation zur Verfügung, aber auch direkter Zugriff auf die In-Circuit-Debugger und Programmer. Entscheidend ist, dass auch das neue Rapid Development Tool MPLab Code Configurator (MCC, Bild 1) enthalten ist, mit dem Experten und Anfänger viel Zeit sparen, die für das Einlesen (Datenblatt des Bausteins) und/oder dessen Peripherie-Bibliotheken (API-Referenz) aufgewendet werden muss. Damit können sie sich auf den kreativen Teil ihrer Anwendungen konzentrieren.