Industrie-PCs Ein Milliardenmarkt

Industrie-PC erobern neue Anwendungsbereiche
System-Boards bei Fujitsu Technologies warten auf die Auslieferung.

Die EMEA-Region stellt den größten Anteil des Markts für Industrie-PCs. Im Gegensatz zu Heim- und Büro-PCs wächst der Markt, da sich Industrie-PCs neue Anwendungsbereiche erobern.

Die Marktforscher von IHS gehen davon aus, dass 2014 in Europa, dem Nahen Osten und Afrika Industrie-PCs im Wert von reichlich einer Milliarde Euro (1,2 Mrd. USD) verkauft wurden. Damit stellt diese Region mit 38 Prozent den größten Anteil des Weltmarkts. Knapp dahinter folgte Asien mit 1,1 Mrd. USD. Wegen der langsamer wachsenden Wirtschaft Chinas dürfte inzwischen aber Amerika der zweitgrößte Marktplatz geworden sein.

Industrie-PCs gibt es in unterschiedlichen Bauformen: von sehr kompakten Hutschienengeräten über kleine Box-PCs für die Montage in Maschinen oder hinter Displays bis hin zu größeren ATX-Gehäusen und 19-Zoll-Bauformen für modulare Geräte im Schaltschrank. Zentrales Bauelement eines Industrie-PCs ist stets das System-Board, das mit Prozessor und Speicher bestückt ist. Auch hier gibt es inzwischen Abwandlungen, vor allem durch die Computermodule wie COM Express, Qseven, SMARC oder – in älteren Designs – ETX. Besonders bei kompakten Box-PCs, die in kleineren Stückzahlen hergestellt werden, ist diese Konstruktionsweise beliebt: Ein relativ einfaches Träger-Board, das die Peripherieschnittstellen enthält, wird mit einem Computermodul bestückt, sodass Prozessor und Speicher stets der neuesten Generation entstammen, ohne dass am grundlegenden Gerätedesign viel geändert werden muss.

Produktion in Deutschland

In Europa werden pro Jahr ca. eine Million System-Boards für Industrie-PCs ausgeliefert. Davon entfällt die Hälfte auf Deutschland, mithin also 500.000 Stück. Rund zwei Drittel dieser Boards sind klassische PC-Bauformen: ATX, Mikro-ATX, Mini-ITX (Bild). Das restliche Drittel teilen sich Bauformen wie 3,5 Zoll, PICMG-Steckkarten, VPX und CompactPCI. Größter europäischer Hersteller von Industrie-Mainboards aus der ATX-Formenfamilie ist Fujitsu Technology Solutions in Augsburg.

Zwei Faktoren sind es, denen die Massenproduktion am Standort Deutschland ihre Existenz verdankt: Erstens kann Fujitsu durch Synergie mit der Board-Fertigung für Geschäfts- und Endkunden-PCs günstig fertigen. Zweitens hat das Unternehmen mit Kuka und Siemens zwei Großkunden, die für das nötige Grundrauschen, sprich: ein hohes Volumen (ca. 200.000 Stück jährlich), sorgen. Denn obwohl Fujitsu insgesamt ca. 2,5 Mio. System-Boards jährlich in Augsburg produziert, ist das im weltweiten Maßstab nur ein kleiner Hersteller. Asrock stellt ca. 9 bis 10 Millionen Boards pro Jahr her und drängt mit massivem Preisdruck in den Markt für Industrie-Boards und Asus hat gar Fertigungsanlagen für 24 Mio. Boards, die erstmal ausgelastet werden wollen. Dementsprechend hoch ist der Wettbewerbsdruck, was sich – vor allem im Endkundengeschäft – in den Preisen niederschlägt. „In diesem Preisgefüge müssen auch wir uns bewegen“, sagt Peter Hoser, Vertriebschef der Sparte für Industrie-System-Boards bei Fujitsu.