Eltec Elektronik Die leere Kasse füllt sich wieder

Dieter Gebert ist Vorstand der Eltec Elektrollnik AG und seit Gründung der Eltec 1978 beim Unternehmen.
Dieter Gebert ist Vorstand der Eltec Elektronik AG und seit Gründung der Eltec 1978 beim Unternehmen.

Seit November 2010 befindet sich die Eltec Elektronik, Mainz, in einem Insolvenzplanverfahren. Wie kann es sein, dass ein solider Mittelständler in diese Situation gerät? Wer kauft noch die Produkte einer insolventen Firma? Und wie geht es weiter? Fragen an Vorstand Dieter Gebert.

1978 wurde die Eltec Elektronik in Mainz vom Physiker Karl Neubecker gegründet, der 1986 auch die Phytec aus der Taufe hob. Mit der Entwicklung von CPUs und Rechnerbaugruppen traf das Unternehmen den Nerv der Zeit und setzte auf die 68.000er-Prozessorfamilie von Motorola. Doch aus dem Endkundenmarkt zog sich Eltec wieder zurück, als IBM mit dem PC auf den Markt kam und sich ein Preiskampf anbahnte. Mit VMEbus-Systemen fand Eltec lange Zeit eine lukrative Nische, und als einer der Wegbereiter der industriellen Bildverarbeitung sammelte das Unternehmen viel Know-how über Echtzeit-Systeme. Im November 2010, als die Wirtschaftskrise schon fast wieder vorbei war, musste Eltec Insolvenz anmelden. Wie es dazu kam, über den ungewöhnlichen Weg der Eigenverwaltung und wie es weitergeht, darüber sprach Elektronik-Redakteur Joachim Kroll mit Vorstand Dieter Gebert.

Herr Gebert, wie kommt es, dass ein solides mittelständisches Unternehmen wie die Eltec Insolvenz anmelden muss?

Dieter Gebert: Das Thema Finanzierung begleitet die Eltec – zumindest als Nebenschauplatz – schon seit langer Zeit. Um die Jahrhundertwende sind wir ordentlich gewachsen und waren etwa so groß wie damals Kontron. Und wie viele Unternehmen der damaligen Zeit wollten wir den Neuen Markt nutzen, um uns Kapital zu beschaffen. Zu diesem Zweck gab es eine Gesellschafter-Umstrukturierung und den Wechsel von der GmbH zur AG. Aber die Gründergruppen und die Neu-Aktionäre konnten sich nicht einigen und diskutierten zu lange, so dass die Tür zum Neuen Markt wieder zuschlug. Damit war das Finanzierungsproblem der Eltec erst so richtig geboren, denn die Umstrukturierung hatte viel Geld gekostet. Und die Gesellschafter-Stuktur war darauf ausgelegt, dass das Geld aus dem Börsengang die Zukunft der Eltec gewesen wäre.

Nun aber hätten die Aktionäre selbst wieder das Wachstum finanzieren müssen, was sie nicht wollten und teilweise auch nicht konnten. So blieb mir dann nichts anderes übrig als die teuerste Form der Finanzierung zu wählen, nämlich Kontokorrent bei den Banken. Das führte dazu, dass wir zeitweise acht bis neun Prozent unseres Umsatzes für Finanzierungskosten aufwenden mussten. Der Zinssatz, den wir zahlen mussten, betrug bis zu 16 Prozent.

Und die Krise 2008/09 hat der Eltec dann den Rest gegeben ...

Gebert: Ja, das war der eigentliche Grund für die Insolvenz. Wir hatten 2008 noch einen Umsatz von 11 Mio. Euro. Da unsere Kunden zu 80 Prozent aus dem Maschinenbau kommen, ging es mit uns genauso bergab wie mit der Branche, so dass wir 2009 runtergeschossen sind auf 5,3 Mio. Umsatz. Was das unter den vorher geschilderten Bedingungen bedeutet, brauche ich wohl nicht näher zu erläutern.

Aber kann es nicht sein, dass nicht nur die Wirtschaftskrise für den Niedergang der Eltec verantwortlich war, sondern auch die Tatsache, dass sich Eltec zu sehr auf einen Markt verlassen hat und das Produktportfolio mit relativ viel VMEbus-Anteil nicht mehr ganz up-to-date war?

Gebert: Ich würde es etwas anders umschreiben. Durch unsere eingeschränkten Möglichkeiten mussten wir uns auf unsere vorhandene Klientel – und das ist ja keine schlechte – konzentrieren.