Syslogic »Die Krise hat uns gut getan«

Patrik Hellmüller, Marketing Communications Manager bei Syslogic Datentechnik.
Patrik Hellmüller, Marketing Communications Manager bei Syslogic Datentechnik.

Seit über 25 Jahren bietet Syslogic Industrie-PCs, Displays, Panel-PCs und Boards an. Die Kombination aus Standorten in der Schweiz und in Deutschland hilft dem Unternehmen, profitabel zu bleiben. Wir fragten Patrik Hellmüller von Syslogic, welche Nischen das Unternehmen bedient.

Syslogic hat sich auf die Fahnen geschrieben, Industrie-PCs genau an Kundenanforderungen anzupassen. Ist das beim hohen Leistungsumfang heutiger PCs überhaupt noch nötig?

Patrick Hellmüller: Durchaus. Es gibt Anpassungen, die Sie nicht von der Stange bekommen. Wir sind z.B. in der Lage, unübliche Schnittstellenausstattungen zu liefern. Wenn ein Kunde noch eine PS/2-Schnittstelle oder ein Diskettenlaufwerk braucht, dann bekommt er das von uns. Außerdem können wir verschiedene Gehäusetypen anbieten, die bis zur Schutzklasse IP67 reichen.

Wer braucht noch PS/2-Schnittstellen und Disketten?
Der Retrofit-Markt. Das ist ein wichtiger Bereich für uns. Da geht es darum, für alte Anlagen oder Maschinen Industrie-PCs zu liefern, die ein abgekündigtes Modell ersetzen. Hier sind wir in der Lage, die Taktfrequenz so herunterzusetzen, dass die Zusammenarbeit mit den alten Systemen funktioniert, ohne dass Software-Anpassungen notwendig sind.

Sie bieten ein neues Gerät mit dem Vortex86DX2-Prozessor an. Welche Betriebssysteme laufen auf dieser Plattform?

Nun ja, bezüglich der Betriebssysteme setzt diese Prozessorplattform natürlich Grenzen. Außer MS-DOS bzw. FreeDOS kann man Linux darauf betreiben, z.B. Debian 6 oder auch Windows CE 6. Aber es ist eine Plattform, die explizit für den Embedded-Markt konzipiert wurde. Alle Hauptbestandteile sind auf einem Chip vereint, was sich sehr positiv auf die Leistungsaufnahme und die MTBF-Werte auswirkt. Und dann hat das System CAN-, USB-, RS-232- und RS-485-Schnittstellen. Diese Kombination gibt es so von keinem anderen Hersteller. Eingesetzt wird der Rechner in klassischen Maschinensteuerungen oder auch z.B. Verkehrsleitsystemen.

Außer Komplett-PCs bieten Sie auch CoreExpress-Module an. Warum hat sich Syslogic für genau diese Modulbauform entschieden?

Der CoreExpress-Standard ist unserer Ansicht nach einer der ganz wenigen Standards, bei denen der Stecker wirklich Industrieanforderungen erfüllt. Der hält ständigen Vibrationen und Erschütterungen stand. Das kann man in Bahn, Straßenfahrzeugen und Baumaschinen einsetzen.

Wie setzen Sie sich von den Wettbewerbern ab, insbesondere denen aus Asien, die zu viel günstigeren Preisen anbieten können?

Was uns vom Wettbewerb abhebt, ist, dass wir alles aus einer Hand liefern. Viele andere Firmen kaufen die Boards fertig ein und schrauben die Produkte nur noch zusammen. Wir entwickeln und fertigen die Boards selbst und sind durch unser Know-how in der Lage, nicht nur langfristig zu liefern, sondern unsere Produkte auch sehr langlebig zu gestalten. Klar, wir bewegen uns da in einem Nischenmarkt, aber wir haben Kunden, die darauf angewiesen sind, dass die Produkte zehn bis fünfzehn Jahre im Dauerbetrieb funktionieren und dass sie die Produkte wieder bekommen, wenn mal etwas passiert.

Wie schaffen Sie es, mit dieser Fertigungstiefe beim gegenwärtigen Wechselkurs des Schweizer Franken trotzdem rentabel zu bleiben?

Hellmüller: Wir halten unsere Strukturen so schlank wie möglich und wir haben in neue Produktionsanlagen investiert, um noch automatisierter fertigen zu können. Ein großes Augenmerk haben wir auch auf den Einkauf gelegt, und da profitieren wir natürlich auch vom Euro, da wir in Euro einkaufen. Und nicht zuletzt sind wir ein europäisches Unternehmen. Wir haben in Deutschland eine Vertriebsniederlassung und einen Teil unserer Produktion in der Nähe von Dresden. Natürlich ist die Situation schwierig, aber wir können sagen, dass uns der zusätzliche Druck auch gut getan hat und wir dadurch fit für die Zukunft sind.