Datensicherheit und Dateneigentum Der Spion im Kinderzimmer

Kinder erzählen ihrem Kuscheltier viele Geheimnisse Doch was passiert, wenn der Teddy zuhört und die Informationen weitergibt?
Kinder erzählen ihrem Kuscheltier viele Geheimnisse. Doch was passiert, wenn der Teddy zuhört und die Informationen weitergibt?

Im Zuge der Digitalisierung wird es schwer Datenspionen aus dem Weg zu gehen: Smarte Kaffeemaschinen, smarte Zahnbürsten und sogar smartes Spielzeug. Doch wem gehören die Personendaten, die so gesammelt werden? Antworten darauf gibt Dr. Maximilian Becker von der Universität Siegen.

Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch und hinterlässt selbst in manchen Kinderzimmern ihre Spuren. Sogar Spielzeug lässt sich mittlerweile mit dem Internet verbinden, wie zum Beispiel Nabaztag, der multifunktionale W-LAN-Hase, der Kindern Geschichten erzählt und Bücher vorliest. Doch der Datenfluss geht nicht nur in eine Richtung und es ist kaum nachvollziehbar welche Daten ein solches Spielzeug an die Herstellerfirma weiter gibt.

Eine smarte Puppe hört zum Beispiel alles, was das Kind zu ihr sagt. Vielleicht kann eine solche Puppe sogar selbst gezielt Fragen stellen und so unzählige Informationen sammeln. »Wie heißen deine Eltern, Sophie? Wo gehst du in den Kindergarten? Welche Filme guckst du gern?« Ist ein solches Spielzeug mit dem W-LAN verbunden, ist es leicht, die Antwortet des Kinds über die Puppe aufzunehmen, um sie an die Herstellerfirma zu senden. Vielleicht schlägt die Puppe auch schon bald Disney-Filme vor, die das Kind noch nicht gesehen hat. In diesem Fall würde das Kind nicht von einem eingebildeten Freund, sondern von einer echten Stimme in einem Spielzeug mit perfekt angepasster Werbung beeinflusst – dank den gesammelten Daten.

In den Antworten des Kindes steckt bares Geld. Doch wem gehören diese Personendaten eigentlich? Und wem gehört der Wert, der in den Daten steckt? Mit den Fragen beschäftigt sich Dr. Maximilian Becker von der Uni Siegen. Er ist Experte für Immaterialgüterrecht –  das Recht, das sich auf Gegenstände bezieht, die man nicht anfassen kann, zum Beispiel Musik oder Erfindungen. »Per Definition können wir nur Eigentümer von Sachen sein, die greifbar sind. Daten sind keine Sachen, also fallen sie schon mal nicht unter das Sacheigentum«, erläutert Becker. Bisher stehe noch kein Recht zur Verfügung, das Daten um ihrer selbst willen als Vermögensgegenstände zuweist. »So gesehen gehören die Daten niemandem.«

Leider ist es schwierig, Daten rechtlich als Eigentum anzusehen. »Wenn wir Personendaten wirtschaftsrechtlich als Eigentum behandeln, bedeutet das im Extremfall, dass wir uns auch dauerhaft von ihnen trennen können«, erläutert Becker. Das bedeutet, dass wir unsere Daten für Geld verkaufen könnten. In diesem Fall würde eine Familie im Monat zum Beispiel 5 Euro erhalten, damit die smarte Puppe die Daten des Kindes weitergeben und analysieren darf. Auf der einen Seite könnte sich damit das Machtverhältnis zwischen Verbrauchern und Unternehmen verschieben. Auf der anderen Seite sieht Becker jedoch ein Problem: »Für ärmere Menschen lohnt es sich relativ gesehen mehr, die eigenen Daten zu verkaufen als für wohlhabendere Personen. Da kommen wir in ein moralisches Dilemma, das wir auch aus anderen Bereichen des Persönlichkeitsschutzes kennen.« Die Frage sei, ob der Verkauf unserer Daten mit unseren Grundwerten übereinstimme.