Ginzinger electronic Bloß keine Computermodule

Firmensitz von Ginzinger electronic in Weng im Innkreis.
Firmensitz von Ginzinger electronic in Weng im Innkreis.

Warum sich eine Elektronik-Firma in Oberösterreich nicht auf fertige Computermodule verlässt und die Hard- und Software lieber selbst entwickelt.

»Embedded-Entwicklung mit handelsüblichen Prozessormodulen ist oft nur zu Beginn gut und günstig«, sagt Herbert Ginzinger (Bild), Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens Ginzinger electronic in Oberösterreich. Mit seinen 88 Mitarbeitern entwickelt er Elektroniksysteme für Kunden, die zumeist komplett branchenfremd sind, d.h. kein oder fast kein Elektronik-Know-how haben. Aus diesem Grund besteht eine starke gegenseitige Abhängigkeit zwischen OEM und Zulieferer. Größter Kunde ist ein in der Nachbarschaft tätiger Hersteller von Biomasse-Heizkesseln, der für seine Pellet-Kessel Touch-Bildschirme anbietet, die er bei Ginzinger entwickeln und fertigen lässt.

»Wenn bei uns etwas passiert, können die keine Heizkessel mehr ausliefern«, sagt Herbert Ginzinger. Da die Heizkessel-Steuerung eine komplett kundenspezifische Entwicklung ist, war eine »Second Source« keine Option. Stattdessen hat Ginzinger einen zweiten Standort in Linz eingerichtet, damit im Fall einer Störung oder Naturkatastrophe eine Rückfallebene vorhanden ist, die Entwicklung und Produktion übernehmen kann.

Viele Gerätehersteller setzen bei kleineren und mittleren Stückzahlen auf System-on-Module (SoM) samt benötigten Board Support Packages (BSPs), die von den Herstellern geliefert werden. Diese sind in unterschiedlichen Leistungsklassen und Ausbaustufen verfügbar. Das Versprechen der Modulanbieter ist, dass sich der Ge­räteentwickler nicht mit dem komplexen Prozessordesign auseinandersetzen muss. Der Entwickler soll sich so auf die speziellen Anforderungen des Designs für seinen Kunden konzentrieren können. Er entwickelt die Basisplatine, das SoM wird dann einfach aufgesteckt – fertig. Doch die wirklichen Probleme liegen tiefer und treten zumeist dann auf, wenn es in die Serienproduktion geht.

Wo ist der Fehler?

Oft sei es gar nicht einfach, herauszufinden, ob ein Problem an der Hardware oder der Software liegt, sagt Herbert Ginzinger und führt ein Beispiel an: Ein Computermodul quittierte den Dienst bei 45 Grad. Was zunächst nach einem Hardwareproblem aussah, entpuppte sich als fehlerhafter Parameter in der Software: Der Prozessor verlor seine Settings, weil beim Systemstart bestimmte Leitungen nicht terminiert wurden.

Verschärft werden die Probleme durch die zunehmende Komplexität. Das mag wie ein Gemeinplatz klingen, aber Tatsache ist: Es gibt keine fehlerfreien Prozessoren und keine fehlerfreie Software. »Bei einem Hardwarehersteller wie TI kommen Sie als kleiner Hersteller überhaupt nicht bis zum technisch kompetenten Ansprechpartner durch und der Softwarehersteller sagt ihnen: die Hardware ist schuld,« so Herbert Ginzinger. »Einem Medizingeräte-Kunden können sie das nicht sagen, für den sind immer wir Schuld.«