Anonymisierungsdienst Berliner Wissenschaftler zeigen, wie das Tor-Netz lahmgelegt werden könnte

Ein Fehler im Protokollentwurf des Anonymisierungsnetzwerks »Tor« kann genutzt werden, um innerhalb kurzer Zeit große Teile des Netzwerks oder die Identität einzelner Knoten bzw. Nutzer offenzulegen.

Tor ist ein Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten. Es wird für TCP-Verbindungen eingesetzt und kann beispielsweise für Web-Browsing, Instant Messaging, IRC, SSH, E-Mail, P2P und anderes benutzt werden. Tor schützt seine Nutzer vor der Analyse des Datenverkehrs.

Wer seine persönlichen Daten im Netz bislang zu schützen glaubte, indem er das Datenanonymisierungsnetz Tor nutzt, ist nicht automatisch auf der sicheren Seite. Wissenschaftler der Humboldt-Universität Berlin und des Tor-Projektes zeigen gemeinsam, wie Tor-Netzwerkknoten gezielt lahmgelegt werden können. Dafür nutzen die Wissenschaftler einen Designfehler, der im Tor-Protokoll schon seit den ersten Versionen – also seit mehr als 10 Jahren – vorhanden ist.

Die Wissenschaftler stellen eine Angriffsstrategie gegen Tor vor, die sich diesen Fehler zu Nutzen macht. Der Angriff ist effizient, parallelisierbar und basiert ausschließlich auf regulären Tor-Protokollnachrichten. Ein einzelner Angreifer könnte damit minutenschnell große Teile des Sicherheitsnetzwerks ausschalten. Zudem ermöglicht der gezielte Angriff einzelner Rechner, Tor-Nutzer und im Tor-Netz angebotene versteckte Dienste leichter zu deanonymisieren.

Anders als bei der Weiterleitung von IP-Paketen im Internet dürfen einmal empfangene Daten von einem Tor-Netzwerkknoten nicht verworfen werden. Wenn ein manipulierter Client große Datenmengen anfordert, jedoch nicht liest, stauen sich die Daten innerhalb des Tor-Netzes. In nur kurzer Zeit läuft der Arbeitsspeicher voll und das Betriebssystem stoppt den Anonymisierungsprozess. »Eigentlich also ein ganz einfaches Prinzip«, erklärt Florian Tschorsch von der Humboldt-Universität, »Aber um mit einem solchen Angriff erfolgreich zu sein, muss ein Angreifer noch Tors Flusskontrolle austricksen – in diesem Punkt mussten wir ein wenig Arbeit investieren.«

Mit der Veröffentlichung des Angriffs erscheint gleich ein passender Patch – eine Korrekturauslieferung für Software oder Daten aus Endanwendersicht, um Sicherheitslücken zu schließen, Fehler zu beheben oder bislang nicht vorhandene Funktionen nachzurüsten, der die Schwachstelle in der Software korrigiert. Damit ist Tor möglichen Angreifern also wieder einen entscheidenden Schritt voraus.