Embedded-Betriebssysteme Android legt zu - wirklich?

Natürlich legt Android zu – genauso wie alle anderen Betriebssysteme im Embedded-Markt. Wenn man sich die Umfrage von VIA genauer ansieht, stellen sich aber einige kritische Fragen.

Die taiwanische VIA Embedded veröffentlichte Anfang Juli 2015 die Ergebnisse einer Umfrage zu Android im Embedded-Markt. Rund 250 Teilnehmer gaben ihre Einschätzungen und Erfahrungen rund um das Thema Android für Embedded-Applikationen ab.

Wichtige Resultate der Studie sind:

  • 93 % der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie entweder in laufenden Embedded-Projekten Android verwenden oder dies für Projekte in naher Zukunft bereits erwägen.
  • Die drei größten Anwendungsfelder sind industrielle Automatisierung, Infotainment und Digital Signage.
  • Die drei größten Vorteile sehen die Studienteilnehmer im Touch Screen Support, in einem verkürzten Zeitraum bis zur Marktreife sowie in der Anpassbarkeit.
  • Die drei größten Hindernisse sehen die Befragten im fehlenden I/O Support, in mangelnder interner Expertise sowie einem Mangel an Werkzeugen für die Softwareentwicklung.

Die Befragten stammten zu jeweils 38 % aus den USA und Europa, die restlichen 24 % kamen aus Asien. Mit der Umfrage wollte VIA herausfinden, wie sie ihre Angebote und Services verbessern können.

 

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Umfrage von VIA zu Android

Android im Aufschwung: Viele Nutzer aus dem Embedded-Umfeld sind an Android interessiert, wie eine Umfrage von VIA zeigt.

Verdächtig hoch gegriffen

Zur Einordnung der Befragungsergebnisse ist zu sagen, dass die Zahl von 93 % »Verwendung« sehr hoch erscheint. Möglicherweise haben potenzielle Teilnehmer, die Android nicht verwenden, die Teilnahme an der Befragung abgelehnt, weil sie sich mangels Erfahrung zu Android nicht äußern konnten. Außerdem ist nicht spezifiziert, ob »Verwendung« den Einsatz in einem kommerziellen Projekt oder lediglich die Evaluation bedeutet. 

Auch ist ungeklärt, was »industrielle Automatisierung« in diesem Zusammenhang bedeutet – ganz sicher keine Regelungstechnik mit harten Echtzeitanforderungen, sondern eher Visualisierungsterminals wie sie bisher mit Windows betrieben werden. In den USA und Asien, wo 62 % der Befragten herkommen, schließt das Verständnis von „industriell“ auch Anwendungen ein, die hierzulande eher als »semi-industriell« gelten, wie z.B. Heimautomatisierung oder weiße Ware.