Verwaltung von Patientendaten Elektronische Gesundheitskarte: Technik, die nicht begeistert

Die Medizinelektronik umfasst nicht nur Diagnose und Therapie. Dazu gehört auch die Verwaltung der Patientendaten, z.B. die »elektronische Gesundheitskarte« (eGK), die die bisherige Krankenversicherungskarte (KVK) ersetzen soll.

Deren Einführung wurde mit der Gesundheitsreform 2004 beschlossen. Seit Ende 2006 laufen, nach einigen technischen Schwierigkeiten, Feldtests in mehreren Regionen, wenn auch verspätet. Mit Erscheinen der eGK sind bei den Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken neue Kartenterminals zu installieren; letztere ermöglichen das »elektronische Rezept«.

Für die Verbindung der Terminals bei den Ärzten und Krankenhäusern, den Apotheken und Krankenkassen sowie den öffentlichen Patienten-Terminals wird von der eigens dafür gegründeten Betriebsgesellschaft gematik die dritte Komponente neben eGK und dem elektronischen Heilberufeausweis (HBA) installiert: die geforderte und mittlerweile fertig konzipierte Telematik-Infrastruktur (TI). Die Vertreter der Ärzte haben sich seit Beginn des Projektes mehrheitlich gegen die eGK ausgesprochen und dies auf dem Deutschen Ärztetag 2008 in Ulm nochmals bestätigt. Die Hauptargumente lauten dabei: Krankheitsdaten dürften nicht zur Ware werden, das elektronische Rezept habe sich bei den Tests als untauglich erwiesen, die Datensicherheit reiche nicht aus und die Mediziner sollen selbst entscheiden können, ob sie die neuen Funktionen nutzen wollen.

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hingegen warnt vor weiteren Verzögerungen bei der Einführung der Gesundheitskarte. Selbstredend haben die Hersteller der Karten, der Terminal- und der Netzeinrichtungen ein großes Interesse an einer raschen Einführung der neuen Karten und der kostenspieligen Einrichtung der Telematik-Infrastruktur. Äußerlich unterscheiden sich die beiden Karten KVK und eGK erheblich. Auf der fälschungssicheren eGK erscheinen das Passbild des Versicherten, die neue, eindeutige Versichertennummer und die Kennziffer der Versicherung.

Bei der Elektronik wird der bisherige Speicherchip durch einen Prozessorchip ersetzt. Dieser übernimmt die Kommunikation mit dem Lesegerät. Die Nutzung der Karte erinnert allerdings irgendwie an Monopoly-Spielen unter laufender Ziehung von Ereigniskarten: Sollen Daten von der Karte abgerufen werden, muss der Arzt seinen HBA in ein Lesegerät einführen und seine persönliche PIN eingeben. Danach führt der Patient seine eGK ein und gibt ebenfalls seine PIN ein. Ausnahme: Notfallsituationen. Dann können Ärzte oder Sanitäter die Informationen, etwa Arzneimittelunverträglichkeiten, ohne Patienten-PIN auslesen.

Schließlich kann der Patient entscheiden, welche Informationen auf der Karte hinterlegt werden können und welcher Arzt sie nutzen darf. Zu diesem Zweck sollen zusätzlich Terminals aufgestellt werden, an denen der Patient auf seiner Karte die Zugriffsberechtigungen verwalten kann. Die wichtigste Verbesserung an der neuen Karte ist das Passbild. Allein damit lässt sich der Betrug mit den alten Krankenversicherungskarten deutlich eindämmen – der Schaden wird auf mehrere 100 Mio. Euro jährlich geschätzt. Dieses Ergebnis aber hätte man auch leichter haben können. Zudem fehlt der elektronischen Gesundheitskarte und den Leseterminals eine zeitgemäße Authentifizierung! Wie wäre es denn mit einem Fingerabdruck anstelle der nicht mehr zeitgemäßen PIN? Beim ePass geht’s schließlich auch.