Elektronik-Konjunktur 2015: Solides Wachstum gegen den Trend der Gesamtwirtschaft

CES 2015 als Konjunkturbarometer

Die Elektronik-Branche eilt der allgemeinen Wirtschaftskonjunktur davon und stemmt sich solide gegen den Trend. Dies war schon auf der electronica zu spüren und die CES in Las Vegas bestätigt diese Entwicklung.

Ob Fernsehen oder Hörfunk, Internetportale oder Tageszeitungen und Nachrichtenmagazine, alle berichten unisono von sich eintrübenden Konjunkturaussichten. Gegen Ende des letzten Jahres kassierte die Bundesregierung ihre frühere Wachstumsprognose. Statt 1,8 % erwartete man für 2014 nur noch ein Plus von 1,2 %. Auch 2015 soll schlechter laufen als vorhergesagt, ein Wachstum von 1,3 % anstelle von 2,0 %. Dem Sachverständigenrat ging das noch nicht weit genug und korrigierte die Prognose für 2015 sogar auf magere 1,0 % herunter.

Auch der ifo-Geschäftsklimaindex ließ nichts Gutes ahnen. Seit den Spitzenwerten im Februar und April 2014 kannte der Index nur eine Richtung: abwärts. Nicht nur die aktuelle Geschäftslage wurde schlechter bewertet, auch der Ausblick auf die kommenden sechs Monate trübte sich weiter ein. Wer das Glück hatte, die electronica 2014 in München zu besuchen, der konnte eine Auszeit vom allgegenwärtigen Wirtschaftspessimismus hierzulande nehmen. Die Stimmung unter den Unternehmen der Elektronik-Branche war blendend, nicht einmal ein Hauch von Jammer. Wie kommt es, dass sich die Elektronik-Branche benimmt wie das Orchester auf der Titanic nach der Kollision mit dem Eisberg?

Nun, erstens gab es bei uns keine Kollision mit einem Eisberg und zweitens sind die Zukunftsaussichten für die Elektronik-Branche „durchweg erfreulich“, wie Kurt Sievers, Vorsitzender des Fachverbands „Electronic Components and Systems“ im ZVEI auf der Electronica erläuterte. „Die Branche eilt von einem Rekord zum nächsten und hat sich unerwartet – und das ist meine persönliche Ansicht – auf stetiges Wachstum eingestellt“, fuhr er fort. Sieht so ein Krisenszenario aus?

Allein in Europa soll der Markt für elektronische Komponenten im letzten Jahr um 4,8 % auf 63,6 Mrd. Dollar wachsen. Für 2015 wird ein weiteres Plus von 3,0 % erwartet. Weltweit sieht die Lage noch besser aus: 2014 dürfte der Markt um 6,5 % auf 506 Mrd. Dollar zugelegt haben und auch 2015 soll es immerhin weitere 4,1 % aufwärts gehen. Ein Blick auf den Welthalbleitermarkt zeige ebenfalls „das Wachstum einer gesunden, gesättigten Industrie“, wie es Sievers ausdrückte. Seit 2012 geht es kontinuierlich aufwärts von 292 auf 332 Mrd. Dollar für 2014. In diesem und dem kommenden Jahr wird weiterhin ein solides Wachstum erwartet.

Wenn die Weltwirtschaft boomt, hat nicht notwendigerweise auch Deutschland etwas davon. Die Kennzahlen des Marktes hingegen zeigen das Gegenteil. Allein der deutsche Markt für elektronische Komponenten legt 2014 um 5,6 % zu auf 18,3 Mrd. Euro. Das ist neuer Rekord und für das kommende Jahr werden immerhin 3,8 % erwartet. Diese Entwicklung zieht sich durch alle Bereiche von den Halbleitern (2014: +7,2 %), über die passiven und elektromechanischen Bauelemente (2014: +3,8 %) bis hin zu den Baugruppen (2014: +5,3 %).

Ich kann da jedenfalls keinen Grund erkennen, in das allgemeine Lamento sich eintrübender Konjunkturaussichten einzustimmen. Offenbar hat das nun auch die Wirtschaft erkannt. Nach der electronica drehte der ifo-Geschäftsklimaindex wieder ins Plus.

Die letzten Zweifler lassen sich vielleicht von der gerade zu Ende gegangenen Consumer Electronics Show in Las Vegas davon überzeugen, dass die Elektronik-Branche boomt: Die "International CES 2015" setzte mit einer Ausstellungsfläche von über 204.000 m2 und rund 170.000 Besuchern, davon 45.000 von außerhalb der USA, eine neue Rekordmarke. Krise klingt anders.