Interview RoHS 2, WEEE 2, CE - Auswirkungen auf die Industrie

Jens Dorwarth, Leiter des Arbeitskreises Umwelt & Compliance des FBDi e.V., verweist darauf, dass EU-Verordnungen wie WEEE 2 und RoHS 2 Änderungen für alle Wirtschaftsakteure in der Lieferkette mit sich bringen.
Jens Dorwarth, Leiter des Arbeitskreises Umwelt & Compliance des FBDi e.V., verweist darauf, dass EU-Verordnungen wie WEEE 2 und RoHS 2 Änderungen für alle Wirtschaftsakteure in der Lieferkette mit sich bringen.

Monatelange Detailarbeit des Arbeitskreises Umwelt & Compliance steckt in der neuen Version 2.5 des FBDi-Kompasses, der vom Fachverband Bauelemente-Distribution e.V. (FBDi) publiziert wurde und in dem bereits die Anforderungen der RoHS-2- sowie WEEE-2-Direktiven berücksichtigt sind. Unternehmen in allen Branchen entlang der Supply Chain erhalten damit wertvolle Unterstützung bei der Handhabung von EU-Verordnungen.

Das folgende Interview mit Jens Dorwarth, dem Vorsitzenden des FBDi-Arbeitskreises Umwelt & Compliance, will jedenfalls auf die wichtigsten Änderungen und Auswirkungen aufmerksam machen, die in der aktuellen Version 2.5 Berücksichtigung fanden.

Elektronik: Wieder ein Leitfaden! Gibt es nicht bereits genügend von anderen Institutionen, Verbänden und Firmen?

Jens Dorwarth: Genau das ist der Grund für diesen FBDi-Kompass. Bestehende Dokumentationen sind entweder sehr generell, auf Einzelrichtlinien und Verordnungen oder sehr branchen- und marktspezifisch gehalten. Sie sind zudem für die Distribution im Generellen nicht anwendbar, da deren Produkte in den verschiedensten Branchen und Produkten ihre Verwendung finden. Die Zielsetzung des FBDi-Kompasses ist, über die gesamte Lieferkette hinweg ein gemeinsames Verständnis und eine gleiche Sprache zu schaffen, als harmonisierte Grundlage zur Bewertung von Produkten. Dies ist umso wichtiger, als Definitionen und Auffassungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu verwirrenden Auslegungen und Interpretationen führen. Daraus folgen unterschiedlichste Bewertungen.

Elektronik: Warum ist eine neue Version des FBDi-Kompasses überhaupt notwendig geworden?

Jens Dorwarth: Besonders die RoHS-2- und WEEE-2-Direktiven halten Unternehmen in Atem, da sie gravierende Änderungen mit sich bringen. Und genau hier bietet die Version 2.5 große Unterstützung, weil sie diese neuen Regularien beinhaltet: Die Elektro- und Elektronikprodukte wurden bereits komplett in die jeweilige RoHS-2- und WEEE-2-Kategorie klassifiziert. Parallel dazu wurden die Anforderungen in Bezug auf CE auf den neuesten Stand gebracht. Neu ist auch die Zuordnung von Geräten gemäß Definitionen dieser Richtlinien, also die Einordnung in die zutreffenden Kategorien. Dadurch lassen sie sich schneller einordnen, bewerten und in der Folge schneller bestimmen, welche Anforderungen einzuhalten sind. Die aktualisierten und übersichtlichen Flowcharts führen den Nutzer so einfach wie möglich durch die Handhabung der Direktiven.

Elektronik: Welche Veränderungen bringen nun die RoHS-2- und die WEEE-2-­Direktiven?

Jens Dorwarth: Als wesentliche Neuerung bei RoHS 2 (Richtlinie 2011/65/EU) unterliegen die Elektrogeräte in Bezug auf RoHS der CE-Kennzeichnungspflicht. Außerdem muss die geforderte EU-Konformitätserklärung auf Basis einer technischen Dokumentation erstellt werden. Anstelle von Messungen – wie bislang – liegt der Fokus bei Produktüberprüfungen durch die Marktaufsichtsbehörden nun auf den Qualitätssicherungsprozessen der Hersteller bzw. Importeure, also der Distributoren. Die Hersteller übernehmen die volle Produktverantwortung und müssen die Konformitätsbewertung eigenverantwortlich durchführen. Der Importeur muss dieses dann sicherstellen. Zudem wird bis zum 22. Juli 2019 der Anwendungsbereich schrittweise auf praktisch alle Elektroprodukte ausgeweitet.

WEEE 2 (2012/19/EU) hat einen rein abfallwirtschaftlich bezogenen Anwendungsbereich mit Informationspflichten gemäß den aus RoHS 2 resultierenden Substanzverboten in Bezug auf Recycling und Verwertung. Sie regelt die Rücknahme von Elektro- und Elektronikgeräten; außerdem wird sie zum 15. August 2018 von bislang zehn (Anhang II) auf sechs Kategorien (Anhang III) umgestellt, welche allerdings kaum miteinander in Relation zu bringen sind. Das bedeutet, dass ab dem genannten Zeitpunkt viele Geräte sich in einer neuen Kategorie wiederfinden werden – inklusive neuer Anforderungen bezüglich der jeweiligen nationalen Registrierungsanforderungen.

Elektronik: Müssen die Unternehmen nun ­intern auch ihre Abläufe ändern?

Jens Dorwarth: Tatsächlich bringt die WEEE 2 mit sich, dass Hersteller ihr ­Berichtswesen (Input-Meldungen) umfangreich und kostenintensiv (nationale Neu-/Umregistrierungen) umstellen müssen. Das trifft kleine und mittelständische Unternehmen anteilig besonders hart. Weil RoHS 2 nun eine CE-Richtlinie ist, muss jedes Produkt, das per Definition der Richtlinie ein Elektro-/ Elektronikgerät ist, mit „CE“ gekennzeichnet werden und über eine entsprechende Dokumentation auf jeweils aktuellem Stand verfügen. Hersteller bzw. Importeure (bzw. Distributoren) müssen also den eindeutigen RoHS-Stand – ob nun Voll-RoHS, RoHS mit Ausnahme plus Nummer der Ausnahme nach Anhang III oder Nicht-RoHS – kennen. Zudem erhalten sowohl der Importeur (oder der Distributor) als auch der Händler die Rolle des Watchdog – einerseits durch eine erweitere Produktbeobachtungsverpflichtung, zum anderen auch in einer Informationsverpflichtung gegenüber Marktüberwachungsbehörden. Die Nichtbeachtung der Herstellerpflichten kann als ein unlauterer Wettbewerbsvorteil angesehen werden – mit der Folge, dass Abmahnungen oder gar Anzeigen durch Mitbewerber oder Dritte drohen.

Elektronik: Richtet sich der FBDi-Kompass nur an Distributoren?

Jens Dorwarth: Nein! Die im Kompass aufgeführten Themenpunkte betreffen alle Märkte und Produkte, die im Elektronikbereich wiederzufinden sind – das macht die konkrete Unterstützung auf Basis einer gemeinsamen Sprache besonders wichtig. Der FBDi-Kompass adressiert grundsätzlich alle Wirtschaftsakteure in der Lieferkette: Gerätehersteller, Lieferanten, Distributoren und Kunden in allen Branchen. Er ist auf alle Produkte anwendbar und immer nach dem gleichen Prinzip. Zunächst muss man die eigene Rolle definieren: Wird beispielsweise Ware von außerhalb der EU importiert, so garantiert der Importeur automatisch, dass alle auf das Produkt anwendbaren und relevanten Gesetzgebungen eingehalten werden. Ist der Wirtschaftsakteur innereuropäisch tätig, hat er scheinbar keine Verpflichtungen – vorausgesetzt, sein Vorlieferant agiert im selben Land innerhalb der EU. Dann aber gehen die Verpflichtungen auf einen anderen Partner in der Lieferkette über, der diese Regularien zu erfüllen hat – und dies muss auch der Nur-Händler sicherstellen. Insofern ist der FBDi-Kompass auch für diesen hilfreich.

Elektronik: Noch ein abschließende Frage: Was kostet mich der FBDi-Kompass?

Jens Dorwarth: Der Preis für den FBDi-Kompass beträgt für Mitglieder im FBDi-Verband 450 Euro zzgl. Mehrwertsteuer, während er Nicht-Mitglieder 890 Euro netto kosten wird. Darin inbegriffen ist jeweils eine englische und eine deutsche Version.