Elektronik-Zeitreise Erste Erfahrungen mit Commodore 64

Ein Volkscomputer namens Commodore 64.
Ein Volkscomputer namens Commodore 64.

1983 revolutionierte mein Redakteurs-Leben: Anfang der 80er Jahre im vergangen Jahrhundert war man als Redakteur einer Fachzeitschrift noch mit Schreibmaschine unterwegs. Doch ein kleiner Neuling traute sich damals bereits an einen der ersten Volkscomputer: den Commodore 64.

Geradezu magische 1500 DM kostete damals ein Volkscomputer namens Commodore 64, der ziemliche Ähnlichkeit mit einem Brotkasten hatte. Nur die zahlreichen Tasten, die oben aus dem Plastikgehäuse herausragten, waren untypisch für einen Aufbewahrungsbehälter. 

Damit war es längst noch nicht getan, denn ergänzend zu dem revolutionären Teil brauchte man als Anwender auch einen Monitor, der Schriften bestenfalls in einem grässlichen Grünton oder Bernsteinton wiedergab. Trotz alledem galt dieser als der meistverkaufte Heimcomputer weltweit – Schätzungen der Verkaufszahlen bewegen sich zwischen 12,5 Mio. und 30 Mio. Exemplaren.

Im Gegensatz zu modernen PCs verfügte der C64, wie es zu dieser Zeit bei Heimcomputern üblich war, auch über keinerlei interne Massenspeichergeräte. Alle Programme mussten von externen Laufwerken wie dem Kassettenlaufwerk Datasette oder dem 5¼-Zoll-Diskettenlaufwerk VC1541 oder von einem Steckmodul geladen werden. Lediglich Grundfunktionen wie der sogenannte Kernal, der BASIC-Interpreter und zwei Bildschirmzeichensätze waren in drei ROM-Chips mit Speicherkapazitäten von zweimal acht und einmal vier KByte gespeichert.

Als Prozessor kam ein 6510 zum Einsatz – also eine Variante des 6502 von MOS Technology. Commodore hatte diese Firma Mitte der 1970er-Jahre aufgekauft, um über ein eigenes Halbleiterwerk zu verfügen. Der 6510 besaß im Gegensatz zum 6502 einen 6 Bit breiten bidirektionalen I/O-Port, und er arbeitete mit einer Taktfrequenz von 0,985249 MHz in der PAL-Version.

Der C64 verfügte – geradezu verschwenderisch – über 64 KByte RAM. Davon waren 38911 Bytes für BASIC-Programme nutzbar. Die Größe des Speichers war für die damalige Zeit dennoch üppig, denn der zwei Jahre ältere Vorgänger VC 20 hatte nur 5 KB Arbeitsspeicher. Des Weiteren enthielt der Rechner noch 20 KByte ROM, in dem in nahezu unveränderter Form den BASIC-V2-Interpreter des älteren Commodore VC 20 abgespeichert war. In weiteren knapp 7 KByte war das Betriebssystem untergebracht, das die Tastatur, den Bildschirm, die Kassettenschnittstelle, die RS-232-Schnittstelle sowie eine serielle IEC-Schnittstelle (den CBM-Bus) ansteuerte. 

Kurz und gut: Mit dem Zauberkasten konnte man als Redakteur mit einem geeigneten Texteditor seine Beiträge verfassen. Änderungen am Text waren eine Leichtigkeit, während man mit der bis dato bewährten Schreibmaschine bestenfalls Tippfehler korrigieren konnte. Ganze Textpassagen konnte man im gesamten Beitrag hin und her verschieben. Nur auf eines sollte man als Bediener des Heimrechners tunlichst achten: Alle Menschen, die gerade in den Raum kamen und die Beleuchtung ein- oder ausschalten wollten, musste man schnellstens von ihrem Ansinnen abbringen. Denn die Spannungsschwankungen, die solch ein Schaltbefehl im 220-V-Versorgungsnetz verursachte, waren geradezu dafür geschaffen, dem Volkscomputer für Sekundenbruchteile die Luft zum Atmen zu nehmen. Wer da so leichtsinnig war, seine Texte nicht alle Minuten lang zwischen zu speichern, der konnte schlicht und ergreifend wieder von vorne beginnen. Eine Schreibmaschine war da definitv weniger störanfällig.

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