Hintergrundwissen, Teil 3 Warum gibt es so unterschiedliche Griffe?

In einer Folge von Beiträgen hinterleuchten Experten von Heitec Begriffsdefinitionen, die Systementwickler selbstredend verwenden. Dieser dritte Teil beschäftigt sich mit der Frage, warum so unterschiedliche Ein- und Auswurfhebel benötigt werden und welche verschiedenartigen Typen es gibt.

Wer die ersten beiden Episoden aufmerksam verfolgt hat, ist schon fast ein 19-Zoll Experte!? Der Interessierte weiß nun, woher der Begriff »19-Zoll« kommt und wie sich die vier verschiedenen Ebenen zusammensetzen. Bekannt sind auch Teilungs- und Höheneinheiten, Normen und Grundmaße. Auch über die Kompatibilität innerhalb der vier verschiedenen Levels sollte nun Klarheit herrschen.

Diesmal geht es um ein facettenreiches Detail – um Handgriffe im weitesten Sinne. Geklärt wird u.a. die Frage, warum überhaupt unterschiedliche Ein- und Auswurfhebel benötigt werden und welche verschiedenartigen Typen es gibt. Abschließend geht es um die jeweiligen Eigenschaften und darum, wann und wofür sie eingesetzt werden können.

Einstecken oder lösen – das ist hier die Frage!

Der primäre Einsatzzweck von Handgriffen ist es, das Ein- und Ausheben von Steckbaugruppen zu ermöglichen bzw. zu erleichtern. Zum Teil handelt es sich dabei um eine Konstellation aus hochpoligen Steckverbindern, bei der sehr hohe Steck- und Ziehkräfte zum Tragen kommen können.

Die jeweiligen Griffe sind an dem Frontsystem befestigt, das die Leiterplatte aufnimmt und bildet mit der Frontplatte eine integrierte Funktionseinheit (Bild 1), die typischerweise über zwei Verschraubungen an der Leiterplatte befestigt ist. Diese Bohrlöcher werden nicht willkürlich gesetzt, sondern sind in der Norm IEC 60297-3-101 definiert (Bild 2). Die so festgelegte, exakte Schnittstelle gewährleistet die Kompatibilität von Komponenten verschiedener Hersteller auf dieser Ebene.

Weiterhin wird in der Teilnorm IEC 60297-3-102 eine Schnittstelle zum Baugruppenträger definiert, die es entsprechend ausgelegten Hebel- oder Ziehgriffen ermöglicht, sich beim Aus- bzw. Einhebeln der Steckbaugruppe an der vorderen Querverbindungsschiene abzustützen. Dies wiederum ermöglicht eine deutlich bessere Kraftübertragung, die beispielsweise bei den erhöhten Anforderungen von hochpoligen Steckverbindern erforderlich ist.

Warum gibt es unterschiedliche Handgriffe?

Angefangen von trapezförmigen Griffleisten, die eigentlich »nur« eine deutlich bessere ergonomische Handhabung, aber keinerlei technische Hebelunterstützung bieten, haben sich Handgriffe im Laufe der Jahre zu komplexen Produkten mit vielerlei Funktionen entwickelt. Bild 3 zeigt von links nach rechts die Entwicklungshistorie typischer Handgriffe, jeweils in der Seitenansicht.

Der erste Griff ist zunächst die einfachste Ausgestaltung: ein schlichter, feststehender Griff ohne irgendwelche zusätzlichen Funktionen oder Besonderheiten. Der zweite Griff dagegen bietet schon eine relativ simple Aushebeunterstützung, ausreichend für 96-polige Steckverbinder. Eine Weiterentwicklung zum Griff mit Ein- und Aushebefunktion ist an dritter Stelle abgebildet. Dieser Griff wurde im Zusammenhang mit der VM64-Technologie entwickelt, woraus sich auch die spezielle Griffform ergab. Er besteht in großen Teilen aus Kunststoff und kann mittlere Kräfte übertragen. Für sehr hohe Kräfte eignet sich der Griff an Position vier am besten, da er durch seine intelligent durchdachte Werkstoffauswahl Kräfte bis zu 815 N übertragen kann.

Die Entwicklung des letzten Griffes wurde hauptsächlich durch die größere Anzahl von Kontakten notwendig, die moderne Backplane-Technologien wie CompactPCI, CPCI Serial oder VPX erfordern.