Santox Schwebeflug via Koffersteuerung

Bild 1. Durch das filligrane und dabei äußerst stabile Skelett, das fürs Fliegen gravierende Vorzüge mit sich bringt, unterscheidet sich der Zeppelin von den eher plumpen Prallluftschiffen. 	(Foto: Bernhard Gehring)
Bild 1. Durch das filligrane und dabei äußerst stabile Skelett, das fürs Fliegen gravierende Vorzüge mit sich bringt, unterscheidet sich der Zeppelin von den eher plumpen Prallluftschiffen. (Foto: Bernhard Gehring)

Nach der Landung muss die Lagesteuerungsautomatik eines Luftschiffs die für die Ruheposition am Haltemast erforderliche Überwachungsfunktion übernehmen. Dadurch darf der Pilotensessel auch in stürmischen Nächten unbesetzt bleiben. Eine solche Steuerung passt in einen doppelwandigen Gehäusekoffer.

Sogenannte Prall-Luftschiffe erhalten ihre Formstabilität, ähnlich wie ein Luftballon, ausschließlich über den inneren Überdruck und die dadurch unter Spannung stehende Hülle. Anders ist das bei den modernsten Luftschiffen der Welt: den Zeppelinen NT (NT = Neue Technologie). Sie verfügen – wie schon ihre gigantischen Vorfahren „Graf Zeppelin“ oder „Hindenburg“ – über ein tragendes, stabiles Skelett. Über diese Aluminium- und Kohlefaser-Verbundwerkstoff-Konstruktion (Bild 1) wird die Außenhaut gespannt, die in ihrem Inneren das unbrennbare Helium aufnimmt.

Das Auftriebsgas steht zwar auch hier unter Druck, ist jedoch nicht für die Formgebung ausschlaggebend. Daraus ergeben sich Gestaltungsvorteile: Nicht ballonartig-pummelig, sondern langgestreckt und schlank bietet der Zeppelin NT nicht nur für eingefleischte Aeronauten einen ästhetisch-majestätischen Anblick. Aus dem modernen, zukunftssicheren Konstruktionsmerkmal ergeben sich weitere Vorzüge: Eine höhere Reisegeschwindigkeit – der allerdings beim Zeppelinfliegen (außer bei Überführungen von A nach B) eine eher untergeordnete Bedeutung zukommt – und vor allem die Möglichkeit, Motorgondeln, Leitwerke, Fahrwerke und Kabine stabil am tragenden Skelett zu montieren und an den flugtechnisch optimalen Stellen zu platzieren. Selbst bei abfallendem Gasdruck bleibt der Zeppelin NT dadurch voll manövrierfähig. Die Werft am Bodensee ist bei dieser als „halbstarr“ bezeichneten Bauart Weltmarktführer.

Wegen des mit der Flughöhe wechselnden Außendrucks und/oder der unterschiedlichen Temperaturen muss der Druck des Heliumgases geregelt werden. Dies – und auch die Trimmung des Luftschiffes – übernehmen sogenannte Ballonets im Rumpf vorne und hinten. Sie werden über Gebläse mehr oder weniger mit kostenloser Umgebungsluft gefüllt respektive umgetrimmt und übernehmen so eine ähnliche Funktion, wie dies die Schwimmblase bei Fischen tut. Über die Differenz vorn-hinten können, neben der Druckregelung, auch Kopf- oder Schwanzlastigkeit und somit der Anstellwinkel für den Flug oder das Schweben eingestellt werden. Insbesondere bei der Trimmung für eine stabile Lage am Haltemast, aber auch bei weiteren wichtigen Parametern greift die neuartige – „Watch-Standing-System“ (WSS) genannte – Steuerungs-Automatik ein.