Panasonic Electric Works Ein Öko-optimiertes Relais darf keinen Cent mehr kosten!

Mit dem General Manager Hagen Herbsleb von Panasonic Electric Works unterhielt sich Elektronik-Redakteur Alfred Goldbacher. Er ging um die Frage, wie sehr sich Öko-optimierte Gedanken auch bei Leistungsrelais schon durchgesetzt haben.

Elektronik: Herr Herbsleb, Sie verantworten bei Panasonic Electric Works den Bereich Product Management Power Relais & Technical Sales Support. Gibt es in Panasonics großen Produkt-Portfolio überhaupt ein einziges Produktmodell, das sich berechtigterweise Öko-optimiertes EM-Relais nennen dürfte?

Hagen Herbsleb: Die Antwort lässt sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Denn jede Branche stellt an das jeweilige Relais ganz spezifische Anforderungen, die es zu erfüllen hat. Und auch der Öko-Gedanke wird in jeder Branche ganz individuell definiert. Nehmen wir nur mal das Beispiel Solar-Branche: Dort kommen in den Solar-Invertern ganz spezielle elektromagnetische Relais zum Einsatz. Diese müssen in der Regel monostabil ausgeführt sein, vergleichsweise hohe Ströme auf der Lastseite verkraften und zugleich geringe Eigenverluste verursachen. Öko bedeutet hier vor allem ökonomisch optimiert. Wenn der Solar-Inverter einen Wirkungsgrad von 98 Prozent anstelle von 97 Prozent erreicht, weil die verwendeten Bauteile geringere Eigenverluste verursachen, dann ist das kein unwichtiges Kaufargument für den Kunden. Dass das im Inverter verwendete Relais beispielsweise auch die RoHS-Vorgaben erfüllt, wird zwingend vorausgesetzt. Unsere Relais zum Beispiel können als Kaufargumente u.a. ins Feld führen, dass die erforderliche Halte-Energie weniger als 35 Prozent dessen beträgt, was für den eigentlichen Schaltvorgang aufgewendet werden musste. Für den Entwickler der Solarinverter ist dies maßgebend und macht das Relais für ihn aus ökonomisch-ökologischer Sicht höchst interessant.

Und glauben Sie mir, ich würde all diesen Entwickler, ganz gleich aus welcher Branche, nur zu gerne bewusst machen, dass man sich auch bei einem Relais den gesamten Lebenszyklus genauer ansehen sollte: von der Entwicklung und Verarbeitung über die Anwendung bis hin zur späteren umweltgerechten Entsorgung. So könnten der sparsame Einsatz von Rohmaterialien und deren Auswahl durchaus wichtige Kaufkriterien sein. Die Produktionsstätten für die Relais sollten wünschenswerterweise selber umweltgerecht produzieren und möglichst dort ansässig sein, wo sich der Markt für die Bauteile – im Sinne kurzer Wege – befindet. Nachgefragt wird so etwas in den seltensten Fällen.

Elektronik: Das heißt mit anderen Worten, dass es für die jeweilige Applikation energieoptimierte Relais in zigfachen Ausprägungen gibt; je nachdem, welche Branche das Relais für ihre Einsatzzwecke benötigt. Gibt es darüber hinausgehend Optimierungsschritte, die ihr Unternehmen praktiziert, obgleich ihre Abnehmer diese als Kaufargumente kaum zur Kenntnis nehmen?

H. Herbsleb: Generell muss klargestellt werden, dass jede Optimierung nur dann vorgenommen wird, wenn die hohe Qualität des Produktes dadurch unverändert gewährleistet bleibt. Allein schon der immense Preisdruck und die stetig steigenden Materialkosten zwingen uns, möglichst sparsam mit Ressourcen umzugehen, also mit Rohstoffen und dem Energie-Einsatz während der Verarbeitung der Produkte. Unter anderem wird der Einsatz von Edelmetallen wie Gold, Silber und Kupfer auf ein absolutes Minimum beschränkt. Dies gilt auch für Basismaterialen wie Eisen oder Plastik.

Besser verständlich wird dies zum Beispiel an einem Schaltkontakt, den man komplett aus einer Silberlegierung herstellen kann; oder auch aus einem Kupferkontakt, der mit Silber beschichtet wird. Als Hersteller von Relais in Millionen-Stückzahlen kann man auf diese Weise Tonnen an Silber Jahr für Jahr einsparen, ohne dass die Qualität des Schaltkontaktes dadurch Schaden nimmt. Wenn man dann im Falle eines monostabilen Relais für die Kontaktfeder ohnehin Kupfer verwendet, so wirkt sich diese Materialgleichheit auch noch auf den gesamten Schaltsatz vorteilhaft aus.