Gastkommentar des Kemet-CEOs Per-Olof Loof Die Dodd-Frank-Direktive und ihre Auswirkungen

Per-Olof Loof, Kemet
Per-Olof Loof, Chief Executive Officer und Direktor der Kemet Corp. nimmt mit einer Reihe von Gastkommentaren Stellung zu gesellschaftspolitischen Themen, die über das reine Tagesgeschäft weit hinausgehen.

Im Jahr 2010 wurde die Dodd-Frank-Direktive als Gesetz erlassen, das den Handel mit Bodenschätzen steuern sollte, sofern Regierungen - vor allem in Zentralafrika - diese zur Finanzierung ihrer Machtstreitigkeiten »missbraucht« hatten und haben. Der Kondensatorhersteller Kemet hat darauf frühzeitig reagiert und seine Produkte im Rahmen einer SEC-Einreichung als »konfliktfrei« erklären können.

Der Handel mit illegalen Bodenschätzen zur Finanzierung von Konfliktherden, vor allem in Zentralafrika, ist für uns alle von Belang. Im Jahr 2010 wurde die Dodd-Frank-Direktive als erstes Gesetz erlassen, das dieses Problem ausdrücklich adressierte, um die Unternehmen zum Umdenken zu bewegen. Ohne Berücksichtigung des laufenden Rechtsstreits und der zweijährigen Übergangsfrist ab Januar 2012 haben sich alle US-börsennotierten Unternehmen dazu verpflichtet, offenzulegen, ob ihre Produkte Materialien wie Tantal, Zinn, Wolfram oder Gold aus der Demokratischen Republik Kongo (DRC) oder angrenzenden Ländern enthalten. Wäre dies der Fall, müssten sie eine sorgfältige Prüfung der Materialquelle und der gesamten Lieferkette durchführen. Kemet war der erste Kondensatorhersteller, der seine Produkte im Rahmen einer SEC-Einreichung als „konfliktfrei“ erklärte. Andere Unternehmen indes haben noch Schwierigkeiten, diese Anforderungen zu erfüllen.

Die Europäische Union (EU) ist gerade dabei, eine eigene Gesetzgebung gegen den Handel von Konfliktmaterialien abzuschließen. Nach Erlass der Dodd-Frank-Direktive sah man sich gezwungen, entsprechende Verpflichtungen "aufzuweichen". Der derzeitige Vorschlag der EU-Kommission umfasst eine freiwillige Selbstverpflichtung, die sich nur auf Unternehmen bezieht, die mit Rohmaterialien handeln. Dazu zählen auch Betriebe wie Schmelzhütten. Der entscheidende Unterschied ist, dass jene Importeure nicht betroffen sind, welche Bauteile mit eventuell konflikthaltigen Materialien einführen. Das Europäische Parlament erwägt nun Änderungen, die anstelle der freiwilligen Selbstverpflichtung strengere Maßnahmen fordern.

Es wurde viel über die Dodd-Frank-Direktive diskutiert. Verschiedene Gruppen hinterfragen die Wirksamkeit und unterstreichen mögliche Nachteile: Man setze sich der Gefahr eines Handelsrechtsbruchs mit verarmten Nationen aus, insbesondere mit der vom Krieg verwüsteten DRC. Ich hingegen glaube, dass wir den Gesetzgebern dazu gratulieren sollten, dass sie endlich Maßnahmen ergreifen, um mit diesem schwierigen Problem fertig zu werden.

Ein wesentlicher Grund, warum Kemet die Dodd-Frank-Direktive relativ einfach erfüllen kann, ist unsere vertikal integrierte, geschlossene Lieferkette für Tantalpulver. Wir sind einer der weltweit größten, wenn nicht der größte Verbraucher von kondensatortauglichem Tantal. Deshalb passt es zu uns, eine führende Rolle bei der Schaffung einer umfassenden und einfach überprüfbaren Lieferkette zu übernehmen. Diese geschlossene Lieferkette ergibt sich durch die enge Zusammenarbeit mit einer bekannten, konfliktfreien Mine in der DRC. Unbekannte Quellen, die zu dieser Lieferkette beisteuern, werden somit vermieden. Wir haben zudem eine vertikale Integration geschaffen, indem wir unsere eigenen Schmelzhütten und Aufbereitungsanlagen mit einbeziehen. Dies garantiert vollständige Kontrolle über die Herkunft aller Materialien. Unsere Lieferkette wurde sowohl von der EICC (Electronic Industry Citizenship Coalition) als auch von der GeSI (Global e-Sustainability Initiative) überprüft.

Dadurch haben wir weitere Vorteile gewonnen: Da wir nun den gesamten Produktionsprozess selbst steuern, haben wir vollständige Kontrolle über die Beschaffenheit unseres Tantalpulvers. Dies hilft uns, beste Qualität und Zuverlässigkeit unserer Kondensatoren sicherzustellen. Und sie verhilft uns zu einem Vorsprung in der Entwicklung neuer Produkte.

Wir können Prototypen erstellen und dabei neue Pulverzusammensetzungen und interne Anschlüsse für Kondensatoren schnell sowie kosteneffizient testen und so auf die sich verändernden Anforderungen der Elektronikentwickler in Märkten wie Automobilelektronik, Luft-/Raumfahrttechnik, Smart Energy und Beleuchtung reagieren. Unsere vertikal integrierte Lieferkette sorgt für stabile Preise und schützt unsere Kunden sowie uns selbst vor Verzögerungen und Lieferschwankungen, die andere Kondensatorhersteller nicht beeinflussen können.

Dies bringt Kemet in eine einzigartige Position: Wir bieten die Rückverfolgungsmöglichkeit, die zur Einhaltung einer der heute wichtigsten Rechtsvorschriften erforderlich ist. Gleichzeitig gewährleisten wir stabile Geschäftsbedingungen für unsere Kunden und sind weiterhin führend bei der Lieferung von Produkten, die derzeitige und zukünftige Marktanforderungen erfüllen. Hinzu kommen die Erfolge, die in Kisengo, DRC, erzielt wurden.

Darüber jedoch mehr in einem weiteren Gastkommentar.