Ölindustrie stellt extreme Anforderungen Antistatische Kabel beugen Explosionen vor

Ölbohrinseln stellen extreme Anforderungen an das Equipment
Ölbohrinseln stellen extreme Anforderungen an das Equipment

Die Stuttgarter Lapp-Gruppe hat eine Versorgungsleitung mit einem antistatischen Mantel entwickelt. Es ist das erste antistatische Kabel weltweit und kommt u.a. auf Ölbohrplattformen des norwegischen Herstellers Aker Solutions zum Einsatz.

Ein Funke kann zur Katastrophe führen. Das gilt besonders dort, wo Öl und Gas gefördert oder andere entzündbare Materialien verarbeitet werden. In solchen Bereichen stellen selbst Kunststoffe ein Sicherheitsrisiko dar, denn sie können sich statisch aufladen. Lapp hat den statischen Aufladungen jetzt den Kampf angesagt, mit einem völlig neuen Kabel, das solche Aufladungen und blitzartigen Entladungen vermeidet und der Technischen Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 2153 entspricht.

Statische Aufladungen gibt es überall. In trockener Heizungsluft können sich Ladungsträger auf Metallteilen oder Kleidungsstücken sammeln. Diese Ladungen gleichen sich bei Berührung aus, beim Händeschütteln ebenso wie beim Griff an eine Türklinke. Wie ein Nadelstich zuckt dann ein unsichtbarer Blitz in die Handfläche und lässt einen zurückschrecken.

Die Spannungen können erheblich sein: Erst über 2000 V nehmen Menschen die Ladung wahr, auf bis zu 30.000 V lädt sich die Haut beim Laufen über einen Teppichboden in einem beheizten Raum auf. Die Entladung ist zwar unangenehm – aber nicht gefährlich. Anders sieht es aus, wenn explosive Stoffe wie Öl, Gas, Holz- und Mehlstaub in der Nähe sind. Eine Entladung kann dann eine Katastrophe auslösen.

Das erste Antistatik-Kabel weltweit

Kritisch ist es immer dann, wenn Kunststoffe im Spiel sind, denn diese können sich durch Reibung aufladen und schlagartig entladen. Das gilt auch für Kabel und ihren Kunststoffmantel. Bisher hat man das verhindert durch Erdungsbänder an Maschinen oder durch Kleidung und Schuhe, die Aufladungen schnell ableiten. Besser wäre es allerdings, wenn man statische Aufladungen gleich am Kunststoff beziehungsweise am Kabel verhindern könnte.

Das ist nun erstmals der Stuttgarter Lapp-Gruppe gelungen. Der führende Hersteller von Kabeln und Verbindungslösungen hat eine Versorgungsleitung mit einem antistatischen Mantel entwickelt (Bild 1). Es ist das erste antistatische Kabel weltweit. Es kommt beispielsweise auf Ölbohrplattformen des norwegischen Herstellers Aker Solutions zum Einsatz. Die Zusammensetzung und die Herstellung des Mantelmaterials sind patentgeschützt.

Der Ursprung der Idee zur Entwicklung des Kabels liegt drei Jahre zurück. Lapp hat damals mit Compact OWR Loop eine Versorgungsleitung mit besonderen Eigenschaften an Aker Solutions geliefert. Die Leitung ist armdick und enthält zahlreiche unterschiedliche Kabel und Schläuche (Bild 1). Gleichzeitig ist sie flexibel und langlebig. Damals entstand die Idee, für den Kunden ein weiteres Kabel zu entwickeln, das besonders beständig gegen Bohrschlamm ist, sich gleichzeitig nicht statisch auflädt und daher auch für explosionsgefährdete Bereiche auf Ölbohrplattformen geeignet ist (Bild 2). So ein antistatisches Kabel gab es bisher nicht.