Der Produktpiraterie Einhalt gebieten Als Technologieführer Maßstäbe setzen

Dr. Bruno Lindl, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung der ebm-papst Gruppe
Dr. Bruno Lindl, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung der ebm-papst Gruppe

Maßnahmen, die Hersteller gegen die Produktpiraten einsetzen, sind vielschichtig, meist aufwändig und leider immer nur bedingt wirksam. Wer die Flucht nach vorn antritt und auf Technologieführerschaft setzt, hat beim Kampf gegen Fälscher eine gute Ausgangsposition, weil er mehr kann, als nur Produkte zu liefern.

Produktfälschungen haben viele Gesichter. Prinzipiell lässt sich erst einmal unterscheiden zwischen voll funktionsfähigen Fälschungen und solchen, die nicht oder nur eingeschränkt funktionieren. Letztere können sogar gefährlich sein, z.B. aufgrund fehlender Sicherheit, minderwertiger Materialien oder gar gesundheitsschädlicher und giftiger Stoffe. Gefälschte Medikamente, die nicht nur nichts nützen, sondern schlimmstenfalls sogar krank machen, sind ein Beispiel dafür. Entsprechende Warnungen vor „Billiganbietern“ machen in diesem Zusammenhang immer wieder die Runde.

Gefälschte bzw. nachgemachte Produkte müssen aber keineswegs immer funktionsuntüchtig oder gar für den Anwender gefährlich sein. Dr. Bruno Lindl, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung beim Ventilatoren- und Motorenspezialist ebm-papst Mulfingen, berichtet in diesem Zusammenhang aus eigenen Erfahrungen. „Bei nachgemachten Ventilatoren oder Motoren, die in größeren Stückzahlen verkauft werden, handelt es sich meist um Typen, die von uns bereits vor acht oder mehr Jahren auf den Markt gebracht wurden. Wir haben uns natürlich entsprechende Muster besorgt und analysiert. Dabei zeigte sich immer wieder, dass die Geräte zwar in der Regel ganz gut funktionieren, aber technologisch veraltet sind. Wir sind im Vergleich dazu mit unseren aktuellen Produkten meist drei bis vier Produktgenerationen weiter. Anwender unserer neuesten Gerätegeneration haben immer einen Technologievorsprung, z.B. was strömungstechnische Optimierungen, Geräuschentwicklung, Energieeffizienz oder Materialauswahl betrifft. Bei den Nachbauten sind außerdem meist die Leistungsdaten und die Zuverlässigkeit deutlich schlechter.“

Auch sind bei den Nachbauten älterer Produkte die preislichen Unterschiede nicht gravierend. Der Kunde, der Fälschungen kauft, muss aber dann beispielsweise auf ein von uns mittlerweile optimiertes Laufrad verzichten. „Solche „Kleinigkeiten“, die unter Umständen einen deutlichen Technologievorsprung ausmachen können, fallen allerdings erst auf den zweiten Blick auf“ merkt Lindl an.