Interview mit Ulf Timmermann, Reichelt Elektronik »Wir treffen für den Kunden eine Vorauswahl«

Ulf Timmermann, CEO von Reichelt Elektronik: "Wenn Sie sich einen Rennfahrer anschauen, dann entspricht der Katalog dem Fahrer und der Online Shop der Straße."
Ulf Timmermann, CEO von Reichelt Elektronik: "Wenn Sie sich einen Rennfahrer anschauen, dann entspricht der Katalog dem Fahrer und der Online Shop der Straße."

Der in Sande ansässige Elektronik-Distributor Reichelt hat sich in den letzten Jahren von einem inhabergeführten Unternehmen zu einer Tochtergesellschaft der Schweizer Dätwyler-Gruppe transformiert.

Die Zeit des Umbruchs ist vorbei und die Strukturen sind gefestigt. Die Elektronik wollte von Ulf Timmermann, CEO von Reichelt Elektronik, wissen, wie das ­Unternehmen durch den Transforma­tionsprozess gekommen ist und welche strategischen Pläne auf der Agenda stehen.

Nach vierzig Jahren als eigenständiges, inhabergeführtes Unternehmen wurde Reichelt im Jahr 2010 von der Schweizer Dätwyler-Gruppe übernommen. Welche Veränderungen haben die neuen Eigentumsverhältnisse mit sich gebracht?

Ulf Timmermann: Also wenn ich Ihnen tatsächlich die Veränderungen alle aufzählen soll, dann haben wir eine lange Nacht vor uns. Es gibt ein paar generelle Dinge, die sich durch die Veränderung der Gesellschafterstruktur ändern. Jetzt gehören wir zu einem Konzern und haben uns innerbetrieblich darauf ausgerichtet. Die gute Nachricht ist, dass die Geschäftsführung weiterhin in den Händen von langjährigen Reichelt-Mitarbeitern liegt und nicht ein neues Management vom Mutterkonzern übergestülpt bekam, wie es häufig bei Übernahmen der Fall ist. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass Reichelt ein extrem erfolgreiches ­Unternehmen ist und die Dätwyler-Holding ihr gesamtes Handeln auf erfolgreiche Unternehmen auslegt, die autark am Markt agieren und Wachstum generieren. Friedel Grunwald und ich sind schon seit rund 30 Jahren im ­Unternehmen und bilden zusammen mit Hermann Herzog seit vier Jahren die Geschäftsführung des Unternehmens. In der täglichen Arbeit hat sich für uns nicht viel verändert, da die ­Anforderungen an uns nach wie vor hoch sind. Der Elektronikmarkt ist sehr schnell und beweglich, und da wir nicht nur elektronische Bauelemente und Komponenten, sondern auch Endgeräte anbieten, ist es schon sehr dynamisch bei uns.

Nutzen Sie die Konzernstrukturen?

Timmermann: Wir haben die ­Berichtsstrukturen des Konzerns bei uns installiert; ich selbst bin zusätzlich in das Management der Dätwyler-Teco-Gruppe berufen worden. Zur Gruppe Technische Komponenten (Teco) gehören noch die Distrelec in Bremen und in der Schweiz, die ELFA-Gruppe in Skandinavien sowie die Nedis-Gruppe in Holland. Daraus ist mittlerweile ein recht starker Verbund geworden, in dem durchaus an Synergie- und Kooperationsprojekten gearbeitet wird.

Sie haben mit Distrelec in Bremen ein Schwesterunternehmen, das auch zur Dätwyler-Gruppe gehört. Inwieweit bringt das Reichelt Synergievorteile und inwiefern sehen Sie Ihre Schwester als Wettbewerber?

Timmermann: Wir haben fest­gestellt, dass wir den Wettbewerb ziemlich gut ausschließen können. Sicherlich kann es vereinzelt Reibungsverluste geben, aber wir haben bei unserer jährlichen Kundenumfrage festgestellt, dass wir – obwohl wir explizit Wettbewerber abfragen – gegenseitig nicht auftauchen. Wir haben beide Kunden, die zwar mit der Technik etwas anfangen können, aber ansonsten unterschiedlich gestrickt sind. Unser Kunde ist online-affin, schnell, agil und preissensitiv, wohin­gegen bei Distrelec der Außendienst, der einen gänzlich anderen Kundentyp betreut und besucht, eine wichtige Rolle spielt. Diese persönliche Kundenbetreuung gehört bei Reichelt nicht zur Unternehmensstrategie.