Distributoren antworten Wie geht es weiter?

Aktivitäten und Einschätzungen im ersten Halbjahr 2017
Aktivitäten und Einschätzungen im ersten Halbjahr 2017

Die Elektronikbranche hat vor wenigen Wochen die umsatzträchtige Weihnachtszeit hinter sich gebracht. Die Verantwortlichen der wichtigsten Elektronik-Distributoren richten ihren Blick aber längst schon auf 2017, und erste Einschätzungen dazu liefern Holger Ruban und Mark Burr-Lonnon.

Heute ist morgen bereits Vergangenheit! So gesehen muss sich jeder Unternehmer und damit auch jeder Elektronik-Distributor permanent mit dem Morgen beschäftigen, ohne die Gegenwart zu vernachlässigen.

Als Elektronik-Redaktion wollten wir zu Jahresanfang wissen, wie die Firmenmanager der Distributions-Branche die Vergangenheit, die Gegenwart und die nähere Zukunft bewerten bzw. einschätzen. Der erste Teil der Umfrage ist bereits in der Elektronik 1/2017 erschienen und wird nun fortgesetzt.

Die folgenden drei Fragen richteten wir an die Geschäftsleitung der jeweiligen Distributoren:

1) Wie lief das Geschäftsjahr 2016 für Ihr Unternehmen?
2) Wo sehen Sie die derzeit größten Wachstumsimpulse auf dem Elektronik-Markt?
3) Welche Herausforderungen (beeinflusst durch Brexit, US-Wahl, Rechtspopulismus, Protektionismus usw.) erwarten Sie für die Distributionsbranche, die 2017 praxisnah angegangen werden müssen?

Online entwickelt sich dynamischer als der stationäre Handel

Als einer der Befragten meldete sich von Seiten der Conrad Electronic deren CEO Holger Ruban zu Wort. Er beschreibt sein Unternehmen als Omni-Channel-Distributor, der sich nicht auf das Vermarkten von Linecard-Partnern fokussiert, sondern verstärkt auch eigene Produkte definiert, fertigen lässt und in Eigenregie verkauft. Der Dienstleister hat zudem noch viele weitere Ideen kreiert und zum Teil auch schon umgesetzt.

Elektronik: Wie lief 2016?

Holger Ruban: Wir blicken auf ein ereignisreiches Jahr zurück, in dem wir unsere Kunden in die digitale Welt von morgen begleitet haben und dies auch weiterhin tun. Dabei haben wir alle Kanäle integriert: Print, online und natürlich „mobile“. Nicht nur die Digitalisierung, sondern auch E-Commerce und das B2B-Geschäft spielten für uns eine zentrale Rolle. Hier hat sich 2016 einiges getan: Wir haben eine Versandkosten-Flatrate eingeführt, zum einen die sogenannte „Tek Flat“ für Privatkunden, zum anderen „Business Plus“ für unsere Business-Kunden. Damit haben wir gezeigt, dass wir unsere Services ständig ausbauen und verbessern. Online bestellen, in der Filiale abholen oder in der Filiale bestellen und Produkte direkt in die Firma liefern lassen – als Omni-Channel-Distributor nutzen wir alle Zustellungswege. Wir haben im Jahr 2016 nicht nur unsere Rolle als Distributor gestärkt, sondern haben auch mit unseren Entwicklungen aus dem Conrad-Technologie-Centrum eigene innovative Produkte realisiert.

Elektronik: Wachstumsimpulse?

Holger Ruban: In der Elektronik-Distribution entwickelt sich Online heute klar dynamischer als der stationäre Handel. Online sind die Zuwächse wegen der potenziellen Unendlichkeit des Geschäfts immer höher. Wir sehen auch, dass der Trend in Zukunft noch stärker in Richtung Mobile gehen wird. Darum werden wir hier einen der Schwerpunkte setzen. Wir wissen, dass Technik und innovative Technologien die Treiber der Zukunft sind. Bereiche wie das additive Fertigen, IoT-basierte Anwendungen für Industrie, Gebäudetechnik sowie digitale Sicherheit gehören vermutlich zu den stärksten Innovationsgeneratoren am Markt. Mit unserem umfangreichen Angebot an Entwicklungs-Kits und unterstützenden Technologien beispielsweise sind wir sehr gut aufgestellt und bieten Innovatoren verlässlich alle nötigen Werkzeuge. Ein weiteres Beispiel, wie wir auch den Anforderungen des Internet of Things (IoT) Rechnung tragen, ist unsere eigens entwickelte Online-Plattform Conrad Connect. Sie gibt Kunden die Möglichkeit, ihre vernetzten Produkte herstellerübergreifend zu steuern und intelligent miteinander zu verknüpfen.

Elektronik: Erwartungen an 2017?

Holger Ruban: Eine hohe Verfügbarkeit von Produkten wird weiterhin von großer Bedeutung sein. 2017 werden wir deshalb unser rund 750.000 Produkte umfassendes Sortiment strategisch online erweitern. Dabei stellen wir uns selbst der Herausforderung, unseren Kunden nicht nur Lösungen von namhaften Herstellern sowie unseren Eigenmarken wie renkforce oder Voltcraft zu liefern, sondern auch Ideen und Innovationen – die neuesten Design Tools für Entwickler sowie innovative Services und Lösungen für Instandhalter. Für die Maker-Szene als auch für junge Start-ups ist die schnelle Beschaffung und Lieferung von Produkten und Ersatzteilen ebenso wichtig wie für unsere Geschäftskunden. Eine individuelle Aufgabe der Bestellung, die Bestimmung des Lieferorts und eine flexibel angepasste Lieferzeit werden immer wichtiger in der Distributionsbranche. Wir setzen dabei auf unser modernes Logistikzentrum in Wernberg-Köblitz und stellen sicher, Kundenwünsche schnell zu erfüllen.