Interview mit Matthias Keller, COO Components der Distec GmbH: Kaffee-Automat mit riesigem Touch Display

Der COO Components der Firma Distec, Matthias Keller, erklärte der Elektronik-Redaktion, dass sich das Veredeln von TFT-Flach-Displays mit Touchscreens nach Kundenvorgaben zu einem lukrativen Geschäftsfeld des HMI-Spezialisten entwickelt hat. PCAP-Lösungen, also Projected Capacitive Touchscreens, sind zweifellos gefragt, aber bei neuen Kundenprojekten sind selbst Touchscreens mit resistiven Sensoren eine preislich attraktive Option.

Herr Keller, Displays mit Touch-Funktionen auszustatten dürfte als Dienstleistung aus Ihrem Hause immer interessanter werden. Wird dies angenommen und in welchem Umfang – in Bezug auf Komplexität und Bilddiagonalen zum Beispiel?

 

Matthias Keller: Sie haben recht! Neben vielen weiteren Dienstleistungen rund um die Systemintegration von LCDs in moderne Anzeigesysteme bieten wir auch zu allen gängigen TFT-Displays eine Touch-Option an. Selbstverständlich gehört zum Angebot auch umfassender Support, sowohl für die Inbetriebnahme als auch für die Umsetzung in der Kundenapplikation. Aktuell sind 17,8 cm (7 Zoll) und 25,65 cm (10,1 Zoll) sehr begehrte Diagonalformate.

Diese Touchscreens individuell für die jeweilige Applikationen zu entwerfen ist technisch sicher anspruchsvoll. Welcher Entwicklungsaufwand in Mannstunden steckt in einem typischen Projekt?

Keller: Das lässt sich pauschal nicht sagen, da jedes Projekt ganz eigene Anforderungen hat. Wir gehen den Weg über Requirement Specifications, um genau die Bedürfnisse unserer Kunden zu ermitteln und ein perfekt abgestimmtes Produkt zu liefern.

Dennoch: Lässt sich dies an einem konkreten Projekt veranschaulichen und würden Sie dessen Anforderungsprofil kurz skizzieren?

Keller: Es gibt relativ einfache Projekte, bei denen nur ein Standard-Sensor mit einem kundenspezifischen Cover-Glas versehen werden muss. Das ist vergleichsweise schnell umzusetzen, sodass eine solche Anpassung oft nur wenige Stunden dauert. Andere Projekte benötigen einen komplett kundenspezifischen Sensor mit speziell angepasstem Controller und individuellem Cover-Glas. Da ist die Umsetzung dann schon aufwändig: Mit Sonderfunktionen wie Mehrfinger-Bedienung unter schwierigen Bedingungen mit Wasser- oder Handballenerkennung nebst entsprechender Unterdrückung kann solch ein Projekt auch mehrere Monate dauern.

Ab welchen Stückzahlen lohnen sich individuelle Display-Touchscreen-Lösungen für Sie als Dienstleister bzw. für den Systemhersteller?

Keller: Einfache Individualisierungen über ein kundenspezifisches Cover-Glas – eventuell auch mit Logo – können ab einem Stück realisiert werden. Komplett kundenspezifische Sensoren und Controller-Anpassungen rechnen sich meist erst ab größeren Stückzahlen, also für Projekte ab 500 Stück pro Jahr. Speziell gesehen auf den Stückpreis wird es natürlich umso attraktiver, je größer die Serienmenge ist, da der Kunde die Initialkosten dann auf eine breitere Masse umlegen kann.

Welche Klientel könnte auf mittlere Sicht für Display-Touchscreen-Kombinationen interessant werden bzw. welche nutzt Ihre Dienstleistung bis dato?

Keller: Es ist teilweise wirklich faszinierend, welche Applikationen mit einem Touch Display ausgestattet werden können. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Wir haben zum Beispiel aktuell ein Projekt mit einem 68,58-cm-Touch-Display in einer Kaffeemaschine! Wer hätte noch vor wenigen Jahren mit so etwas gerechnet? Dank Intel und der Internet-of-Things-Bewegung wird es in der kommenden Zeit noch sehr spannend werden. Der intelligente Kühlschrank möchte ja schließlich auch bedient werden, und was kommt dafür besser infrage als eine moderne Vollglas-Touch-Einheit mit Gestensteuerung? Und zwar geschützt gegen äußere Einflüsse wie Spritzwasser und leicht zu reinigen!

Sind denn PCAP-Touchscreen-Lösungen sozusagen der Türöffner, um neue Projekte dieser Art realisieren zu können, oder werden herkömmliche Lösungen immer noch nachgefragt?

Keller: Touch allgemein ist die Zukunft, da bin ich mir sicher. Nahezu alle Anfragen gehen in diese Richtung. Allerdings haben auch die klassischen resistiven Sensoren noch durchaus ihre Daseinsberechtigung. Durch ihren günstigen Preis sind sie ideal für extrem preissensitive Applikationen. Auch für den Einsatz unter schwierigsten Umgebungsbedingungen – zum Beispiel in industriellen Werkhallen mit vielen elektromagnetischen Störungen – setzen Kunden immer noch gerne auf diese Technologie. Die Touchscreens in diesen Einsatzbereichen müssen mit jeder Art von Eingabegerät wie Stift, Fingern oder dicken Handschuhen sicher zu bedienen sein.